„Schöner leben ohne AfD“

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(Foto: bd)

Gefährliche Normalisierung? – Die AfD in Baden-Württemberg

Von Klaus Brauch-Dylla

Mosbach. Wie weit ist die in Teilen rechtsextremistische AfD in Baden-Württemberg bereits "normalisiert" – und welche Folgen hat das für Demokratie und politische Kultur im Vorfeld der Landtagswahl 2026? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung der Initiative „Mosbach gegen Rechts“ zu der rund zwei Dutzend Interessierte gekommen waren.

Für die Initiative begrüßte Arno Huth die Anwesenden sowie den Referenten Lucius Teidelbaum, freier Journalist und Bildungsreferent mit Schwerpunkt extreme Rechte. Teidelbaum veröffentlichte zuletzt einen Beitrag zur AfD-„Außenpolitik“ im Sammelband „Rechts, wo die Mitte ist“. Sein Referat stand unter der Überschrift „Gefährliche Normalisierung? – Die AfD in Baden-Württemberg – Schöner leben ohne AfD!“

AfD als extrem rechte Partei

Zu Beginn ordnete Teidelbaum die politische Rechte in unterschiedliche Strömungen ein – von einer demokratischen konservativen Rechten bis hin zur extremen Rechten mit klar antidemokratischer Zielsetzung. Letztere strebe eine ethnisch und kulturell homogene Gesellschaft an und vertrete ein anti-egalitäres Weltbild.

Die AfD sei als extrem rechte Partei einzuordnen. Sie verfüge über einen offen faschistischen Flügel um Björn Höcke und vertrete ein autoritäres Demokratieverständnis, das Mehrheitsentscheidungen gegen Minderheiten- und Freiheitsrechte in Stellung bringe. Als Referenzmodell nannte Teidelbaum weniger historische Diktaturen als vielmehr Entwicklungen wie in Ungarn unter Viktor Orbán.

In Baden-Württemberg trete die AfD als Sammel- und Bewegungspartei auf. Neben völkisch-nationalistischen Positionen gebe es rechts-christliche Strömungen. Zugleich habe eine deutliche Professionalisierung eingesetzt – nicht zuletzt in den sozialen Medien.

Strukturen, Netzwerke und Wahlperspektiven

Der Landesverband verfüge nach eigenen Angaben über rund 9.000 Mitglieder, sei jedoch von internen Konflikten und hoher Fluktuation geprägt. Trotz gewachsener Infrastruktur durch Mandate und Abgeordnetenbüros fehle vielerorts eine flächendeckende kommunale Verankerung.

Teidelbaum beleuchtete auch das Vor- und Umfeld der Partei – neurechte Netzwerke, parteinahe Strukturen, Verlage wie den Kopp-Verlag in Rottenburg sowie rechte Influencer. Baden-Württemberg gelte seit Jahren als westdeutsche AfD-Hochburg. Für die Landtagswahl 2026 seien erneut Direktmandate möglich. Im Wahlkampf werde unter anderem mit dem rechtsextremen Kampfbegriff „Remigration“ mobilisiert.

Der AfD-Direktkandidat im Neckar-Odenwald-Kreis

Einen ergänzenden Beitrag widmete Arno Huth dem AfD-Direktkandidaten im Wahlkreis Neckar-Odenwald, Lukas Huber, dessen Landtags-Kandidatur im November bekanntgegeben wurde. Huber, Ende zwanzig, wuchs in Adelsheim und Walldürn auf und studierte Mathematik in Heidelberg, arbeitet aktuell für AfD-Abgeordnete. Auf der Landesliste der Partei ist Huber nicht verankert.

Politisch aktiv ist Huber seit mindestens 2018, unter anderem bei der damaligen gesichert rechtsextremen Jugendorganisation „Junge Alternative“. Bereits früh wurde er parteiintern dem rechtsextremistischen Lager zugerechnet. Er unterzeichnete Aufrufe aus dem Umfeld des sogenannten „Flügels“ und bekannte sich wiederholt positiv zu Björn Höcke.

Auch rhetorisch positioniert sich Huber teilweise radikal. In Beiträgen polemisierte er gegen „linke Ideologie“ an Schulen, gegen Diversität und Klimaschutz. Zur Fußball-Nationalmannschaft stellte Huber die Frage, was an der DFB-Elf “noch deutsch, national oder männlich“ sei, kritisierte auch öffentlich die Regenbogen-Kapitänsbinde von Manuel Neuer.

In sozialen Medien ist Huber inzwischen auf mehreren Plattformen präsent. Inhaltlich versucht er sich als Wirtschafts- und Heimatpolitiker zu profilieren. So pries er den Milliardär, Unternehmer und Weidel-Freund Theo Müller (Müller-Milch, Landliebe) als Vorbild – ohne dessen Standortentscheidungen in der Region, die Schließung der Milchwerke Schefflenz und Heilbronn mit 400 Mitarbeitern, zu erwähnen.

Neben Huber kandidiert aus dem Landkreis auch der AfD-Kreisrat Tobias Eckert auf Platz 41 der Landesliste. Eckert sitzt im Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreises, ist auf der Landesliste der AFD aber mit Wohnsitz Stuttgart verzeichnet.

Normalisierung als zentrale Gefahr

Im letzten Teil der Veranstaltung ging es um die Frage der Normalisierung. Diese verlaufe regional unterschiedlich, so Teidelbaum. Während die AfD in Hochschulstädten schlechter Fuß fasse, gebe es andernorts diskursive Annäherungen – etwa im Antifeminismus oder in industriepolitischen Debatten.

In der Diskussion wurden Gegenstrategien erörtert: klare Benennung extrem rechter Inhalte, soziale Antworten statt Kulturkämpfe, digitale Präsenz sowie zivilgesellschaftliche Bündnisse. Kontrovers betrachtet wurde die Frage eines möglichen Parteiverbots.

Der Abend im Gasthaus Lamm machte deutlich: Die Auseinandersetzung mit der AfD ist keine abstrakte Debatte, sondern hat konkrete regionale Bezüge – auch im Neckar-Odenwald-Kreis. Information, Analyse und demokratisches Engagement bleiben zentrale Aufgaben.

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