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Mosbach (bd) Wein ist im Christentum weit mehr als ein Getränk – er ist Symbol, Sakrament und Sinnbild der Lebensfreude. Seine steile Karriere beginnt bereits bei der Hochzeit von Kanaan, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt und damit als spontaner Weinmacher in die Theologiegeschichte eingeht.
Diese biblische Pointe bildete die Grundlage für einen ebenso gehaltvollen wie genussfreudigen Kabarettabend, den Martin Pünschon alias Martin Vrana mit seinem vinologischen Kabarett „Denn sie wissen nicht, was sie trinken“ im Ökumenischen Zentrum präsentierte.
Musikalischer Auftakt mit „Griechischem Wein“
Rund 50 Gäste folgten der Einladung des Katholischen Bildungszentrums und wurden musikalisch auf das zentrale Genussthema des Abends eingestimmt. Die Wine-Combo mit Martin Reiland an Saxophon und Klarinette, Stefan Pauler an den Drums und Johannes Kretschmer an der Gitarre eröffnete mit Udo Jürgens „Griechischer Wein“. Ulrich Neubert, Leiter des Katholischen Bildungszentrums, begrüßte anschließend das Publikum und den Hauptakteur.
Kabarett als theologischer Freiraum
Martin Pünschon, der hauptberuflich als Theologe und Gefängnisseelsorger in Freiburg tätig ist, stellte klar, dass das Kabarett für ihn ein Ort jenseits seines beruflichen Alltags ist. Zunächst fokussierte er sich auf die „Gaumengymnastik“, um den fünf Weinen aus dem Familienweingut Renner (Offenburg) gerecht zu werden.
Die Idee zu seinem Programm basiert auf einem fast 20 Jahre alten Artikel der Süddeutschen Zeitung, der 40 Messweine verkostete und teils verheerend bewertete. Wein spielt in Bibel und Liturgie eine zentrale Rolle, was Pünschon anhand amüsanter Anekdoten verdeutlichte.
Augustinus statt „Anklänge von …“
Der Secco aus dem Offenburger Qualitätsweingut Renner wurde mit einem jazzigen „Trink, Brüderlein, trink“ der Wine-Combo präsentiert. Pünschon nahm die Sprache der Weinwerbung aufs Korn und stellte Augustinus als Beweis für die philosophischen Dimensionen des Weingenusses vor. Bier wurde humorvoll kritisiert, und Martin Luther lieferte den passenden Kontrast: Wein sei „von Gott“, während Bier Menschenwerk sei.
Vatikan, Verzicht und Rebensäfte
Die ökumenische Einigkeit schien hergestellt, betrachtet man den hohen Pro-Kopf-Weinverbrauch im Vatikanstadt. Das Thema der protestantischen Verzichtskultur wurde ebenfalls angesprochen und sorgte für anregende Dialoge unter den Gästen.
Gestützt auf den Psalmvers „Wein erfreut das Herz des Menschen“ verwies Pünschon auf die doppelte Pointe von Thomas von Aquin: Wer sich des Weines enthalte und dadurch seiner Gesundheit schade, sei nicht ohne Schuld. Diese Logik führte zu einer Verkostung von Rotweinen, unterstützt von der atmosphärischen Musik der Wine-Combo.
Noah, Dom Pérignon und das Hohelied
In einem weiten historischen Bogen führte Pünschon durch Theologie- und Weingeschichte. Er brachte Noah als den ersten Winzer der Menschheit ins Spiel und erinnerte an klösterliche Traditionen, die den Wein prägten. Pötzlich wurde auch philosophisch erörtert, inwiefern Legendäre Figuren an mangelndem Weingenuss gescheitert seien.
Den poetischen Schlusspunkt setzte das Hohelied der Liebe mit der Zeile „Dein Mund ist köstlicher Wein“. So endete ein Abend voller Reflexionen und Genuss, in dem sogar die Frage aufkam: „What shall we do with the drunken sailor?“, nach zwei Stunden vinologischen Kabaretts durchaus berechtigt.
