Zehn Jahre Stadtmuseum Neckarsulm

Ein erlebnisorientierter Lernort, an dem Geschichte lebendig wird


Die Stadt Neckarsulm feierte das zehnjährige Bestehen des Stadtmuseums: (v. li.) Heimatvereinsvorsitzender und Ehrenbürger Kurt Bauer, die Museumsleiterinnen Natalie Scheerle-Walz (Neckarsulm) und Susanne Blach (Brackenheim), OB Steffen Hertwig. (Foto: snp)

(snp) Mit einem Tag der offenen Tür und einem Empfang hat die Stadt Neckarsulm das zehnjährige Bestehen des Stadtmuseums in der Urbanstraße 14 gefeiert. Bevor das Museum seine Türen für die Besucher öffnete, begrüßte Oberbürgermeister Steffen Hertwig die geladenen Gäste zur offiziellen Feierstunde im „Zukunftsforum“, dem Veranstaltungsraum im Dachgeschoss.

Das Stadtmuseum wurde im Januar 2007 in einem historischen Fachwerkhaus eröffnet, das die Stadt eigens für diesen Zweck von Grund auf saniert und umgebaut hatte. Mit einem Investitionsaufwand von 2,5 Millionen Euro wurde eines der ältesten Bauzeugnisse der Stadt zu einem Erlebnisort für Jung und Alt umfunktioniert. Die Ursprünge des mit Sichtfachwerk im Stil der Renaissance errichteten Ackerbürgerhauses reichen bis ins Jahr 1545 zurück.

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In den historischen Mauern wird die Stadtgeschichte als lebendige Zeitreise multimedial inszeniert. Die Ausstellung lockte bislang rund 41.000 Besucher an. In den zehn Jahren seines Bestehens veranstaltete das Stadtmuseum 2642 Führungen, realisierte eigene Sonderausstellungen und museumspädagogische Programme und erreichte 2013 die Endrunde des bundesweiten Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“. 2009 wurde die städtische Kultureinrichtung von dem Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart e.V. als „Vorbildliches Heimatmuseum“ ausgezeichnet.
Vor allem die moderne und vorbildliche Konzeption und Präsentation habe die damalige Jury überzeugt, berichtete OB Hertwig. Das moderne, multimediale Museumskonzept stammt von der Agentur Reinecke New Media aus Stuttgart und eröffnet dem Besucher den Zugang zur Vergangenheit. Dabei werden Alltagsgeschichten multimedial in Szene gesetzt. Hörspiele, Videos und Projektionen in historischen Kulissen sprechen alle Sinne an und schaffen eine lebendige Begegnung mit den historischen Ereignissen.

Museumspädagogische Arbeit wird groß geschrieben

Daneben bildet die museumspädagogische Arbeit eine wichtige Säule des Museumskonzepts. „Gerade Kinder und Jugendliche finden im Stadtmuseum Neckarsulm den idealen Ort, um sich auf spielerische, witzige und spannende Weise historisches und kulturelles Wissen anzueignen“, erklärte OB Hertwig. Für Kinder und Jugendliche veranstalte das Museum 300 museumspädagogische Angebote im Jahr. Die jüngste Kooperation mit der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gGmbH (aim) ermögliche, dass diese wertvolle museumspädagogische Arbeit fortgesetzt werde. „So kann der Stellenwert des Stadtmuseums als außerschulische Bildungseinrichtung weiter gesteigert werden“, versicherte Steffen Hertwig. Für die engagierte und erfolgreiche Arbeit dankte er der Leiterin des Stadtmuseums, Natalie Scheerle-Walz, und ihren Mitarbeiterinnen: „Dass das Neckarsulmer Stadtmuseum so gut frequentiert ist, ist schon etwas Besonderes und Verdienst des gesamten Teams.“

Auf die Entstehungsgeschichte des Stadtmuseums blickte der Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins und Neckarsulmer Ehrenbürger Kurt Bauer zurück. Der Heimatverein habe sich bereits bei seiner Neugründung 1984 als „oberstes Ziel“ gesetzt, gemeinsam mit der Stadt wieder ein Heimatmuseum zu begründen. Nach einer langen und bewegten Vorgeschichte sei es schließlich gelungen, „ein Haus der Geschichte einzurichten, das den Weg und den Wandel der Stadt von der landwirtschaftlich-weinbaulich geprägten Agrargesellschaft zur Industrialisierung nachzeichnet“. Auch nach zehn Jahren sei das Stadtmuseum mit seiner multimedialen Ausgestaltung wegweisend in der regionalen Museumslandschaft und werde dem Anspruch der Stadt an ihre Kultureinrichtungen gerecht, urteilte Kurt Bauer. „Wir pflegen mit diesem Museum in ganz hervorragender Weise das historische Erbe der Stadt, das erhalten und weitergegeben werden kann.“

Der Frage, warum Menschen Museen brauchen, ging die Leiterin des Theodor-Heuss-Museums Brackenheim, Susanne Blach, nach. Die Gastrednerin beschrieb Museen als Ort der Identitätsstiftung, der lebendigen Erinnerung und der Bildung. Auch das Stadtmuseum Neckarsulm erfülle seinen gesellschaftlichen Auftrag als „erlebnisorientierter Lernort, an dem Menschen zusammen und ins Gespräch kommen“. Im Neckarsulmer Stadtmuseum könne man erfahren, „was es bedeutet, ein Mensch zu sein“, sagte die Diplom-Pädagogin in Anspielung auf ein Zitat des amerikanischen Medienwissenschaftlers Neil Postman.

„Wer seine Wurzeln kennt, kann tatsächlich seine Zukunft gestalten.“ So beschrieb Museumsleiterin Natalie Scheerle-Walz den wesentlichen Bildungsauftrag des Stadtmuseums. Vor allem im Bereich der schulischen Ganztagsbetreuung sei das Stadtmuseum so aktiv wie kaum ein anderes Museum. „Die Schüler fühlen sich hier wie zu Hause“, bestätigte Natalie Scheerle-Walz. Bei der Bildungsarbeit kooperiere das Stadtmuseum unter anderem auch mit dem Freundeskreis Asyl Neckarsulm. „Flüchtlingskinder lernen hier ihre neue Heimat kennen.“ Mit Blick auf die vielen Besucher, die an der offiziellen Feierstunde teilnahmen, stellte die Museumsleiterin zufrieden fest: „Es macht uns glücklich zu sehen, dass das Museum in Neckarsulm tatsächlich angekommen ist.“

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