Politischer Zeitreise am Limes

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(Foto: Brauch-Dylla)

Walldürn. (bd) Was können uns 2.000 Jahre alte Grenzbefestigungen über die Politik von heute verraten? Erstaunlich viel, wie die „politische Limes-Wanderung“ der Grünen am letzten Februar – Sonntag zeigte. Unter der fachkundigen Führung der Römer-Expertin Christine Böhm und flankiert von Landtagskandidat Arno Meuter begaben sich zehn Interessierte auf eine Spurensuche, die Geschichte und Gegenwart eng verzahnte.

Christine Böhm ließ die antike Welt ab dem Limes-Parkplatz lebendig werden. Sie zeichnete das Bild einer hochorganisierten Grenzanlage, die weit mehr als ein simpler Schutzwall war. Arno Meuter nutzte diese historischen Steilvorlagen, um die Brücke zum Wahlprogramm der Grünen zu schlagen.

Exportkraft und Handelswege

An der ersten Station erläuterte Böhm die Bedeutung des Limes für den gesicherten Warenfluss des Imperiums. Meuter zog die Parallele zur Gegenwart: Baden-Württemberg sei heute eine Exportmacht, vergleichbar mit Nationen wie Schweden. „Das soll so bleiben“, betonte er, mahnte aber eine planvolle Transformation der Wirtschaft an. Unter dem Motto „Wir erneuern, was stark ist“ setzte er auf Sicherheit durch Verlässlichkeit statt strukturellem Chaos.

Bildung als Fundament

An der Station zu Sagen und Legenden verdeutliche Christine Böhm, wie sehr Wissen und Sprache in allen Zeiten schon die Klammern der Gesellschaft waren. Meuter griff dies auf: „Es darf nicht zählen, woher man kommt, sondern nur, wohin man möchte.“ Er forderte ein verpflichtendes und somit kostenloses letztes Kitajahr, um die Sprache als Schlüssel zur Bildung für alle zu sichern und so auf eine Welt vorzubereiten, deren Anforderungen sich stetig wandeln.

Mobilität und Infrastruktur

Beim Blick auf die antike Straßenführung verdeutlichte Böhm die römische Ingenieurskunst. Mobilität war der Motor des Wohlstands. Meuter bestätigte dies für das „Autofahrerland“ Baden-Württemberg. Das Auto soll auch zukünftig aus dem Ländle kommen – und zwar von der Produktion bis zum Ladestrom. Bei der Infrastruktur sei klar: Sanierung vor Neubau. Besonders im ländlichen Raum bedeutet Mobilität Freiheit, was besonders für junge und alte Menschen einen zuverlässigen, alltagstauglichen ÖPNV zwingend voraussetze.

Integration und globale Verantwortung

Besonders spannend wurde es beim Thema Truppen und Migration. Böhm erklärte, dass Soldaten aus dem gesamten Reich am Limes dienten und durch ihren Dienst das Bürgerrecht erwarben. Der Limes war keine unüberwindbare Barriere, sondern ein Ort geregelter Integration. Meuter betonte: „Einwanderung sichert unseren Wohlstand.“ Die heutige „Spätzle-Döner-Normalität“ sei ein Zeichen gelebter Vielfalt, die aktiv gestaltet werden müsse.

Stabilität in der Krise

An den rekonstruierten Palisaden schilderte Christine Böhm eindrücklich den politischen Niedergang Roms durch interne Instabilität. Meuter schloss hier den Kreis: Geschichte sei kein Selbstläufer. In bewegten Zeiten dürfe man nicht versprechen, dass alles bleibt wie früher. Vielmehr müsse man Talenten den Weg freimachen. Er warb für eine Politik des „Miteinander-Schwätzens“, die mit Cem Özdemir für Vertrauen und Stabilität an der Landesspitze stehe.
Mit vielen neuen Erkenntnissen über die Römerzeit und die Zukunft des Landes endete die zweistündige Wanderung, die bewies, wie aktuell Geschichte sein kann.

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