(Foto: L. Merkle)
Mammut-Sitzung im Seckacher Rathaus
Seckach. (lm) Ein Mammutprogramm an Entscheidungen stand in der jüngsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderats im Großen Sitzungssaal des Rathauses auf der Tagesordnung. Im Mittelpunkt: der Neustart des Glasfaserausbaus, wichtige Weichenstellungen in der Bauleitplanung, die Entwicklung der Seckachtalgrundschule sowie ein umfangreicher Haushalt mit hohen Investitionen und steigender Verschuldung.
Glasfaserausbau: Vodafone und Meridiam übernehmen und planen Start ab Sommer 2026
Sebastian Kummer von der Vodafone GmbH (Düsseldorf) stellte gemeinsam mit dem Partner Meridiam Glasfaser (Montabaur) die Fortsetzung des lange erwarteten Glasfaserausbaus vor. Meridiam übernimmt dabei einen Teil des Projekts als Nachfolger von „Toni“. In Seckach betrifft das 1.476 Adressen in 1.870 Haushalten.
Im Neckar-Odenwald-Kreis sollen in der ersten Ausbaustufe sechs Kommunen mit 27 Ortsteilen versorgt werden, insgesamt 14.691 Adressen in 21.444 Haushalten. Vermarktung und Ausbau sollen im Sommer 2026 starten und sich über zwei bis drei Jahre erstrecken. Bürgerinnen und Bürger müssen dafür neue Verträge abschließen; der bestehende Vertrag mit „Toni“ sollte vorsorglich storniert werden. Informationen gibt es über Vodafone-Werbetrucks und Shops oder online.
In der Vermarktungsphase ist das Installationspaket kostenlos. Das einmalige Bereitstellungsentgelt liegt bei 49,99 Euro. Im ersten Jahr wird eine monatliche Gebühr von 44,99 Euro genannt; anschließend hängt der Preis vom Tarif ab und reicht von 44,99 Euro (GigaZuhause 150 Glasfaser) bis 69,99 Euro (GigaZuhause 1000 Glasfaser). Beratung ist über www.vodafone.de/projekthomepage, vor Ort durch Beraterinnen und Berater sowie über die Glasfaser-Hotline 0800 20 30 325 möglich.
Bauleitplanung in Großeicholzheim: Teilaufhebung und neuer Bebauungsplan „Kirchgrund“
Zentraler Punkt der Sitzung war der Aufstellungsbeschluss zur Teilaufhebung des Bebauungsplans „Kirchgrund-Winterbaum-Lenzengarten“ im Ortsteil Großeicholzheim. Der Plan ist seit 1965 rechtskräftig und hatte den Wohnbauflächenbedarf weitgehend gedeckt. Wie Dipl.-Ing. Marius Bergmann (IFK-Ingenieure Mosbach) erläuterte, blieb im Bereich des Gewanns Kirchgrund bislang eine Erschließung aus.
Der Eigentümer der Flurstücke 7106 und 7106/1 plant nun Wohnbebauung entlang der Bannholzstraße. Um die geplante Bebauung auch mit Blick auf die Starkregenthematik planungsrechtlich zu ermöglichen, beschloss der Gemeinderat die Teilaufhebung des Bebauungsplans entsprechend dem Aufhebungsplan vom 16.01.2026, billigte den Vorentwurf auf Kosten des Antragstellers und gab ihn zur frühzeitigen Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden frei.
Im Anschluss folgte der Aufstellungsbeschluss für den neuen Bebauungsplan „Kirchgrund“. Dafür ist eine Umweltprüfung erforderlich, deren Ergebnisse in einem Umweltbericht beschrieben und bewertet werden. Nach Festlegung von Umfang und Detaillierungsgrad der Prüfung wird der Umweltbericht nach der frühzeitigen Beteiligung ausgearbeitet. Zusätzlich wird ein Fachbeitrag Artenschutz erstellt, ebenfalls auf Kosten des Antragstellers. Das Verfahren läuft im Regelverfahren mit zweistufiger Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung; die frühzeitige Beteiligung soll vom 30.03. bis 30.04.2026 stattfinden. Parallel ist eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig.
Seckachtalgrundschule: Ganztag in offener Form genehmigt, aber Mindestzahl nicht erreicht
Der Gemeinderat hatte bereits im Juli des Vorjahres beschlossen, die Seckachtalgrundschule ab dem Schuljahr 2026/2027 in eine Ganztagsgrundschule in Wahlform umzuwandeln und den Antrag fristgerecht zu stellen. Dieser wurde termingerecht eingereicht, vom Staatlichen Schulamt Mannheim und vom Regierungspräsidium Karlsruhe befürwortet und an das Kultusministerium weitergeleitet.
Die Genehmigung verzögerte sich, weil das endgültige Stundenplanmodell erst am 09. Februar feststand. Die Umwandlung in eine Ganztagsgrundschule in offener Form (3×7) wurde vom Kultusministerium am 02. März genehmigt. Ziel war es, dem Elternwunsch zu entsprechen und die Ganztagszeiten so zu gestalten, dass am Nachmittag noch Arzttermine sowie Vereins- und Gruppenangebote wahrgenommen werden können.
Inzwischen steht jedoch fest, dass die Mindestzahl von 25 Kindern nicht erreicht wurde. Damit bleibt die Seckachtalgrundschule im Schuljahr 2026/2027 eine Halbtagsschule. Gleichzeitig nehmen 45 Kinder das Betreuungsangebot in Anspruch.
Für das Schuljahr 2026/2027 wurden Benutzungsentgelte für kommunale Betreuungsangebote von 7.30 bis 15.30 Uhr beschlossen. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung nach dem GaFöG an Schultagen liegt bei 226 Euro pro Monat zuzüglich Mittagessen, in den Ferien bei 154 Euro pro Woche zuzüglich 26 Euro pro Woche für das Mittagessen. Sollte die prognostizierte Anmeldezahl für den Rechtsanspruch deutlich unterschritten werden, behält sich der Gemeinderat ausdrücklich vor, ein Defizit in späteren Jahren auszugleichen. Die Verwaltung soll die Entgelte für die verlässliche Grundschule und die Nachmittagsbetreuung für 2026/2027 neu kalkulieren und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorlegen; am Prinzip der Kostendeckung wird festgehalten.
IT-Kooperation im Bauland: Personal wird gemeinsam finanziert
Mit Blick auf steigende Anforderungen und Kosten in der IT beschloss der Gemeinderat den Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrags mit dem Gemeindeverwaltungsverband „Osterburken“ zur Bereitstellung von Personal im EDV-/IT-Bereich. Die Betreuung moderner IT-Infrastruktur erfordert spezialisierte Fachkenntnisse, weshalb die Kommunen Adelsheim, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Seckach ihre Kräfte bündeln. Die Kosten für eine Vollzeitstelle in Höhe von 113.000 Euro pro Jahr sollen geteilt werden.
Haushalt 2026: hohe Investitionen, neue Kredite und deutlicher Schuldenanstieg
Nach Vorstellung durch Kämmerer André Kordmann stimmte der Gemeinderat der Haushaltssatzung und dem Haushaltsplan 2026 sowie der Finanzplanung und dem Investitionsprogramm 2025 bis 2029 zu, die als Ergebnis der Klausurtagung vorlagen.
Der Ergebnishaushalt 2026 weist ordentliche Erträge von 11.030.700 Euro und ordentliche Aufwendungen von 11.587.100 Euro aus, damit ein veranschlagtes Gesamtergebnis von minus 556.400 Euro. Der Gesamtfinanzhaushalt 2026 sieht Einzahlungen von 17.632.000 Euro und Auszahlungen von 22.316.100 Euro vor. Die liquiden Eigenmittel sinken von 8.403.490 Euro um 4.684.100 Euro auf voraussichtlich 3.719.390 Euro zum 31.12.2026. Der Ergebnishaushalt weist ein Zahlungsmitteldefizit von minus 163.000 Euro aus.
Die geplanten Auszahlungen aus Investitionstätigkeit belaufen sich auf 11.735.400 Euro. Investitionsschwerpunkt ist der Neubau der Kindertagesstätte im Ortsteil Seckach mit geplanten Auszahlungen von 8.358.200 Euro. Die Planung sieht eine Kreditaufnahme von 5 Millionen Euro vor. Unter Berücksichtigung ordentlicher Tilgungen von 211.600 Euro würde der Schuldenstand im Kernhaushalt zum 31.12.2026 auf voraussichtlich 5.896.085 Euro steigen und sich damit mehr als verfünffachen.
Zusammen mit den Schulden des Eigenbetriebs „Wasserversorgung Seckach“, die zum 31.12.2026 voraussichtlich auf 5.007.652 Euro steigen, ergäbe sich ein Gesamtschuldenstand von 10.903.737 Euro. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 2.758 Euro.
Die mittelfristige Finanzplanung 2027 bis 2029 sieht im Ergebnishaushalt weiterhin negative ordentliche Ergebnisse vor: 2027 minus 1.255.800 Euro, 2028 minus 1.293.900 Euro, 2029 minus 1.585.400 Euro. Die Zahlungsmitteldefizite im Ergebnishaushalt werden aktuell mit 2027 minus 498.700 Euro, 2028 minus 484.200 Euro und 2029 minus 779.900 Euro angegeben.
Im Investitionsprogramm 2027 bis 2029 sind neben der Fortführung bereits begonnener Maßnahmen weitere Vorhaben vorgesehen, darunter Maßnahmen aus dem Feuerwehrbedarfsplan, weitere Erschließung im Baugebiet „Wanne“ (Ortsteil Zimmern), Kanalerneuerungen, Straßenerneuerungen, Restaurierung der „Alten Brücke“ in Zimmern sowie die Sanierung der Seckachtalhalle. Durch weitere Kreditaufnahmen könnte der Schuldenstand im Kernhaushalt bis zum 31.12.2029 auf voraussichtlich 8.503.885 Euro steigen.
Wasserversorgung: Wirtschaftsplan 2026 mit Investitionsfokus und neuer Kreditaufnahme
Der Gemeinderat stimmte auch dem Wirtschaftsplan 2026 sowie der Finanzplanung 2025 bis 2029 des Eigenbetriebs „Wasserversorgung Seckach“ zu. Der Erfolgsplan enthält Erträge von 757.900 Euro (Vorjahr 660.400 Euro) und Aufwendungen in gleicher Höhe. Der Liquiditätsplan 2026 sieht Einzahlungen von 2.270.200 Euro (Vorjahr 3.878.700 Euro) und Auszahlungen von 2.250.200 Euro (Vorjahr 3.878.700 Euro) vor.
Investitionsschwerpunkt 2026 ist die Fertigstellung und Abrechnung des 3. Bauabschnitts der Wasserversorgungskonzeption mit einer Jahresrate von 1.241.000 Euro. Zur Finanzierung ist eine Neukreditaufnahme von 1.000.400 Euro eingeplant. In der mittelfristigen Planung bis 2029 sind unter anderem die Wasserversorgung für einen neu zu erschließenden 5. Bauabschnitt im Baugebiet „Wanne“ sowie Erneuerungen von Wasserleitungen vorgesehen.
Jagdpacht: Neuverpachtung bis 2038 und höhere Einnahmen
Da die bestehenden Pachtverträge für alle sieben Jagdbögen zum 31. März auslaufen, fand eine Jagdgenossenschaftsversammlung auf Basis des neuen Jagdkatasters statt. Mit Zustimmung zur Jagdgenossenschaftssatzung und zur fortgesetzten Verpachtung durch den Gemeinderat beschloss das Gremium die Verpachtung bis zum 31. März 2038.
Die Pachteinnahmen steigen durch Anpassungen von bislang rund 10.400 Euro pro Jahr auf künftig rund 14.500 Euro pro Jahr.
Termine: Bürgerdialog Kliniken, Einweihung Wasserkonzeption und Partnerschaftsbegegnungen
Abschließend informierte Bürgermeister Thomas Ludwig über anstehende Termine. Genannt wurden der Bürgerdialog zur Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken am 15. April um 18 Uhr in der Baulandhalle Osterburken, die offizielle Einweihung der Wasserkonzeption für die Gesamtgemeinde am 8. Mai um 15 Uhr sowie am 10. Mai von 10 bis 16 Uhr. Zudem wurden die Partnerschaftsbegegnungen mit Gazzada Schianno vom 16. bis 19. Juli (Anmeldung bis 20. März) und mit Reichenbach OL vom 01. bis 04. Oktober angekündigt.
