Zwischen Bildungsanspruch und Bau-Debatte

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Der Schul- und Kulturausschuss berät über Stellenplus bei AVdual, Musikschulförderung und die Kosten des GTO-Neubaus. (Foto: Brauch-Dylla)

Rekordbilanz für Schlossfestspiele Zwingenberg.

Neckargerach. (bd) In einer knapp 50-minütigen Sitzung befasste sich der Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschuss des Neckar-Odenwald-Kreises im Bürgersaal des Rathauses Neckargerach mit zentralen Weichenstellungen für die regionale Bildungs- und Kulturlandschaft. Während die Förderung der Musikschulen und der Ausbau der Ausbildungsvorbereitung auf breite Zustimmung stießen, sorgte die Nachbereitung des GTO-Neubaus für eine kurze politische Kontroverse.

AVdual: Personeller Ausbau wegen hoher Nachfrage

Ein Schwerpunkt der Beratungen war der Bildungsgang „Ausbildungsvorbereitung dual“ (AVdual), der Jugendliche beim Übergang in den Beruf unterstützt. Die Schulleitungen der vier AVdual-Schulen im Neckar-Odenwald-Kreis bewerten den Bildungsgang als außerordentlich erfolgreich und als unverzichtbaren Bestandteil ihres schulischen Angebots.

Ein wesentliches Merkmal von AVdual ist der hohe Praxisanteil. Danach umfasst das Praktikum in der Regel zwei Tage pro Schulwoche und orientiert sich an der individuellen Bildungszielperspektive der Schülerinnen und Schüler. Ziel ist u.a. einen sog. „Klebeeffekt“ zu erreichen, sodass die Schülerinnen und Schüler im Idealfall im Anschluss an das Schuljahr bei ihrem Praktikumsbetrieb eine Ausbildung aufnehmen.

Theresa Volk, Projektleiterin des Regionalen Übergangsmanagements, verdeutlichte in einer Präsentation die Notwendigkeit einer personellen Aufstockung. Aktuell werden an den vier beruflichen Standorten im Kreis 257 Schüler:innen in 14 Kursen betreut, was zu einem durchschnittlichen Betreuungsschlüssel von 1:64 führt, mancherorts zu 1: 75 – die Landesvorgabe liegt jedoch bei 1:40.

Die Teilnehmenden, zwischen 15 und 19 Jahre alt, verfügen über unterschiedliche, häufig von Frustration und Misserfolg begleitete, schulische Biografien. Landrat Dr. Brötel plädierte für die Aufstockung, die ein rentabler Anfangs-Invest sei und soziale Folgekosten erspare. Der Ausschuss stimmte einer Erhöhung um bis zu 2,5 Stellen ab dem Schuljahr 2026/27 einstimmig zu, sofern das Land die entsprechende Förderung gewährt.

Förderzusagen für Musikschulen

Bei der Verteilung der Kreismittel für die Jugendmusikschulen in Höhe von 40.000 Euro wurde die komplementäre Rolle des Landkreises deutlich. Die Zuschüsse orientieren sich an der jeweiligen Landesförderung, im Jahr 2025 gut 300.000 Euro. Nun erhält die Musikschule Mosbach 17.048 Euro, die Musikschule Buchen 14.529 Euro, die Musikschule Walldürn 6.478 Euro sowie die Musikschule Hardheim 1.945 Euro aus Kreismitteln.

Kreisrätin Amelie Pfeiffer (Grüne) thematisierte in diesem Zusammenhang die Zukunft der derzeit privat geführten Musikschule Bauland, die kommunale Hilfe angefragt habe. Sowohl Landrat Dr. Achim Brötel als auch der Osterburkener Bürgermeister Jürgen Galm bestätigten, dass die Schule bei einem Übergang in kommunale Trägerschaft anspruchsberechtigt sein würde, wenngleich dieser Prozess noch nicht abgeschlossen sei.

GTO-Neubau: Befürchtungen unbegründet

Deutlich umfangreicher fiel die Beantwortung einer Anfrage der AfD-Fraktion zum Ersatzneubau des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) aus. Landrat Brötel schickte voraus, dass die Bearbeitung des Fragenkatalogs in der Verwaltung gut 40 Mannstunden beansprucht habe.

Kreisrat Barwig (AfD) hatte in der Anfrage im Spätjahr die Vermutung geäußert, dass aufgrund von Planungsfehlern mehr als 100 zusätzliche Revisionsklappen hätten eingebaut werden müssen, und erkundigte sich nach den Kosten für diese und weitere Nacharbeiten. Die Verwaltung legte nun dar, dass lediglich sieben Klappen zusätzlich installiert wurden. Die Gesamtkosten für diese Anpassungen beliefen sich auf rund 5.100 Euro. In ihren Schlussbemerkungen betonte die Verwaltung, dass der Bau nach dem Stand der Technik ausgeführt worden sei und man mit dem Ergebnis sehr zufrieden sei.

Barwig entgegnete in seinem Redebeitrag, dass dieses positive Resümee wenig verwundere, da die Verwaltung andernfalls Selbstkritik an der eigenen Planung und Baubegleitung hätte üben müssen. Diese Aussage blieb seitens der anderen Fraktionen und der Verwaltung unkommentiert.

Schlossfestspiele: Rekordsommer und neue Klänge

Einen positiven Abschluss fand die Sitzung mit dem Bericht über die Schlossfestspiele Zwingenberg. Die Saison 2025 schloss mit einem Rekordergebnis von 7.552 Zuschauern und einer Auslastung von fast 98 Prozent ab. Vor allem das Musical „Titanic“ sorgte für volle Kassen und ein positives Jahresergebnis von rund 9.950 Euro.

Für die kommende Spielzeit 2026 unter der neuen Intendanz von Holger Ries kündigte der Landrat neben dem Musical „Evita“ (30. Juli bis 9. August) die Crossover-Konzerte „Rock Symphonies“ am 24. Juli und 8. August an. Der Vorverkauf sei bereits vielversprechend angelaufen, “der Hype hält erfreulicherweise an!”, empfahl der Landrat dem Gremium, sich alsbald um Karten zu kümmern.

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