SWR drehte historischen Flugzeugabsturz

Zeitzeuge berichtet über Flugzeugabsturz

Eberbach. (pm) Der aus Waldkatzenbach stammende Klaus Deschner hat ein außergewöhnliches Hobby: Er dokumentiert Flugzeugabstürze und versucht, deren jeweilige Ursache und Hergang zu ergründen. Heute besuchte er mit dem Zeitzeugen Hans Klinge und einem Fernsehteam des SWR vom Studio Mannheim eine Absturzstelle im Eberbacher Stadtwald.


Am 16. März 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, wurde ein amerikanischer Jagdbomber über dem Neckartal südlich von Eberbach von einer Fliegerabwehrkanone getroffen, die sich auf einem Güterzug zwischen Eberbach und Lindach befand. Die brennende Maschine flog nach dem Treffer weiter am Breitenstein vorbei in den Hirschberg, wo sie unmittelbar an der Grenze zum Fürstlich Leiningschen Wald nahe der „Emichsburg“ abstürzte. Hans Klinge war damals gerade 15 Jahre alt und hat etwa 400 Meter von der Absturzstelle entfernt mit Verwandten Brennholz geschlagen.

Dem SWR-Team um Redakteur Rolf Fritz berichtete er heute was damals geschah. Mit einem lauten Geräusch sei das brennende Flugzeug aus Richtung Süden so tief über ihn hinweggefegt, dass er zwischen den kahlen Baumwipfeln sogar kurz den Piloten im Cockpit sehen konnte. Wenige Augenblicke später stürzte die Maschine ab und ging in Flammen auf. Hans Klinge war rund zehn Minuten danach an der Absturzstelle. Er und seine Begleiter fanden die Leiche des Piloten, und diese Eindrücke blieben bis heute haften.

Klaus Deschner hat die Absturzstelle akribisch untersucht, und auch heute waren dort noch Wrackteile zu finden. Ein Blechteil wies ein rund vier Zentimeter großes Loch auf, das ein Einschuss der Abwehrkanone sein könnte. Bei vielen untersuchten Abstürzen konnte Deschner neben technischen Details auch menschliche Einzelheiten klären, beispielsweise Besatzungsmitglieder identifizieren. Im Falle des Jagdbombers am Hirschberg scheintdies nicht möglich zu sein. Der ums Leben gekommene Pilot wird vermutlich anonym bleiben. Hans Klinge kann sich allerdings noch genau daran erinnern, dass der Mann rote Haare hatte.


Revierleiter Hubert Richter von der Forstverwaltung konnte dem Fernsehteam heute noch ein anderes Relikt des damaligen Absturzes in die Kamera halten: Sein Großvater war Schlossermeister in Eberbach und hat nach dem Krieg aus dem Flugzeugwrack hochwertiges Schmierfett ausgebaut, das auch heute noch wertvolle Dienste leistet, wenn es im Haushalt der Försterfamilie mal hakt.

Der TV-Beitrag über Klaus Deschner und den heutigen Besuch an der Absturzstelle soll voraussichtlich am kommenden Montag, 11. Juni, zwischen 18.45 und 19.45 Uhr im SWR-Programm gesendet werden.

Aufmerksam wurde der SWR durch die Ausstellung „Fliegerschicksale – Zerschellt und verschollen“, die bis am Sonntag im Rathaus in Waldbrunn zu sehen war und unsere Berichterstattung über diese viel besuchtes Ereignis (KP/NZ berichtete).

Flugzeugabsturz
Hans Klinge und Klaus Deschner (v.re.) mit Wrackteilen des abgestürzten US-Jagdbombers bei den Dreharbeiten des SWR an der Absturzstelle im Eberbacher Stadtwald. (Foto: Hubert Richter)

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