Neujahrsempfang im „Grünerwartungsland“

(Foto: privat)

Kreis-Grüne starten optimistisch in neues Jahrzehnt

Buchen. (bd) Volles Haus konnte Kreisvorsitzender Andreas Klaffke beim Neujahrsempfang des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Sonntag vermelden. Eng war es auch für die Hip-Hop-Tänzer von Jem & Friends, die Tanzakrobaten aus Volker Schwenders Buchener Vorzeigeprojekt beeindruckten enorm.

Bevor Klaffke das Wort an Bürgermeister Roland Burger gab, erinnerte er an die Gründung der Bundespartei vor 40 Jahren in Karlsruhe: „ich saß mit meinen Eltern vor der Tagesschau und dachte „jetzt hat der Räuber Hotzenplotz eine eigene Partei!“ – der war mir schon immer sympathisch“.

Roland Burger gratulierte zum beachtlichen Besucherzuspruch beim Empfang und betonte, dass man in Stuttgart zwar gemeinsam unter grüner Führung regiere, seine CDU in Buchen bei den Kommunalwahlen jedoch 53 Prozent der Stimmen erzielt habe. Auf örtlicher Ebene versuche man jenseits von Parteigrenzen gemeinsam gute Politik zu machen, wofür er sich bei den Grünen bedankte.

Fast 30 Jahre nach Dora Flinner habe man endlich wieder eine eigene Bundestagsabgeordnete kündigte Klaffke Charlotte Schneidewind-Hartnagel an, die den Wahlkreis Odenwald-Tauber seit November in Berlin vertritt. Die Welt befinde sich in „einer Phase massiver Umbrüche“ – als Herausforderungen nannte sie die Klimakrise, die Digitalisierung, die Globalisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie den gefährdeten Weltfrieden. Die Zeit dränge. In zehn Jahren müssen man enorme Veränderungen stemmen um die Klimaziele zu erreichen. „Zugleich müssen wir Rechtsstaat und Demokratie gegen die Angriffe von rechts verteidigen.

Sie sehe den Neckar-Odenwald-Kreis als „Grünerwartungsland“ verbreitete sie Optimismus. Für 2030 schweben ihr „eine grün geführte Bundesregierung, viele grüne Ministerpräsidenten, grüne Bürgermeister im Neckar-Odenwald-Kreis und ein grün geführtes Landratsamt“ vor. „Das ist keine Vision. Das ist ein Ziel. Der Weg beginnt heute!“

Gastrednerin Dr. Franziska Brantner, Bundestagsabgeordnete aus Heidelberg und Parlamentarische Geschäftsführerin, blickte zurück auf ein „verlorenes Jahrzehnt“ für Deutschland. Die Bundesregierung habe es nicht geschafft, die Weichen neu zu stellen. Bei den anstehenden dringlichen Aufgaben müsse man die Menschen mitnehmen und Mehrheiten dafür gewinnen. Eine Schlüsselrolle für die Zukunft spiele die Zusammenarbeit als Europäische Union, da sei Deutschland keineswegs der Vorreiter.

Man müsse sich die Frage stellen, ob man als Europa international handlungsfähiger werden wolle, dann müsse sich Deutschland klar positionieren. Als Beispiele nannte sie den USA – Iran – Konflikt, die Sanktionsverhängung Trumps gegen Nordstream 2 und im Bereich der Digitalisierung eine drohende Abhängigkeit von China. Das sei eine zentrale Frage der Souveränität sagte Brantner. „Wir können die Chinesen mit unseren Gesetzen nicht kontrollieren.“ Daher sollte man beim 5G-Netz mit den europäischen Unternehmen Nokia und Eriksson zusammenarbeiten und in eine europäische Lösung investieren.

Amelie Pfeiffer, Buchener Kreisrätin Ko-Vorsitzende der Bündnis-Grünen im Neckar-Odenwald-Kreis, freute sich über neu gewonnene Mandate bei den Kommunalwahlen und neue Mitglieder. „Wir haben eine tolle Jugend, auf die wir bauen können“, das sehe man an den HipHoppern und der Grünen Jugend. Sie erinnerte an den zeitlos gültigen Gründungs-Slogan der Grünen: „Wir haben die Erde von unseren Kindern geborgt.“

Zur Politik im Landkreis merkte sie an: „Wir doktern im Kreis an einer schwarz geprägten Bundespolitik herum“, beispielhaft nannte sie die defizitären Neckar-Odenwald-Kliniken. Als Kreisrätin müsse sie unter Finanzgesichtspunkten der Umstrukturierung der Kliniken mit nur noch einer Geburtshilfestation in Buchen zustimmen. Als grüne Politikerin und Frau frage sie sich: „Warum muss eine wohnortnahe Geburtshilfe wirtschaftlich sein?“

Bei der Müllentsorgung freute sie sich über die große Nachfrage für die Biotonne. Mit dieser könne man die Hälfte des Restmülls vermeiden. Der Landkreis habe sich lange gegen deren Einführung gewehrt. „Leute, bestellt die Biotonne“, forderte Pfeiffer. Sie strebe die Einführung einer Leerungsgebühr für die Tonnen an damit sich aktives Müllvermeiden lohne. Als Kreisrätin müsse sie dem Abfallverwertungskonzept des Kreises zustimmen. Als grüne Politikerin wünschte sie sich, dass Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt würden. „Wir Grüne sind Vordenker“ schloss sie.

Zu Klängen des Saxophonisten Rainer Schulz entwickelten sich zahlreiche Gespräche zwischen „Alt-Grünen“ und neuen Interessierten

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