Das Herz schlägt wieder sichtbar

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Rund ein halbes Jahr nach der Herztransplantation kann Gernot Pfeil wieder allen Aktivitäten nachgehen. Ihm wurde ein neues Leben geschenkt.(Foto: privat)

„Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen und so fühlt es sich auch an“

Rosenberg. (pm) Einige Patienten im Neckar-Odenwald-Kreis, hunderte in Baden-Württemberg und tausende Patienten deutschlandweit warten derzeit auf ein geeignetes Spenderorgan. Dass es sich bei der Organ- und Gewebespende um eine wichtige und nach wie vor stark thematisierte Entscheidung handelt, ist jedem bewusst.

Gemäß einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht die Mehrheit der Menschen dem Thema Organspende positiv gegenüber, mehr als 55 Prozent der Befragten haben für sich eine Entscheidung getroffen, deutlich weniger haben diese allerdings dokumentiert. Im Todesfall und ohne Organspendeausweis eine schwierige Situation für die Angehörigen, die dann nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person eine Entscheidung treffen müssen.

Anlässlich des Tags der Organspende berichtete Gernot Pfeil aus Rosenberg der Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz, was es bedeutet, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein. Er erhielt im Alter von 40 Jahren ein neues Herz.

„Ich bin noch relativ frisch…“ erklärte Pfeil. Damit meinte er seine Transplantation vor knapp zwei Jahren aufgrund einer Herzerkrankung. Bis zur Transplantation im Jahr 2018 war es aber ein längerer und intensiver Prozess.

Angefangen hat alles im Jahr 2012 mit Schmerzen in der Brust und Atemnot. In den Neckar-Odenwald-Kliniken, am Standort Buchen, wurde Gernot Pfeil untersucht und eine Herzinsuffizienz diagnostiziert. Seine Herzleistung lag bei nur noch 7 Prozent. „Man musste sehr genau hinschauen, um zu sehen, dass sich mein Herz bewegte“, so Pfeil. Dass er in dem Zustand noch Gartenarbeiten verrichtete und sich im Haushalt betätigte, grenzte an ein Wunder.

Trotz optimaler Behandlung schritt die Herzschwäche weiter voran. Daher riet ihm der Herzspezialist Johannes Jeschke, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin der Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH am Standort Buchen, im Jahr 2016 zu einer Transplantation. Dabei besteht immer die Gefahr, dass ein passendes Organ nicht rechtzeitig gefunden werden kann und der Körper dieses im Nachhinein nicht annimmt. Trotz der Risiken, konnte Gernot Pfeil die Entscheidung für sich relativ schnell treffen.

Damit übernahm das Heart-Team des Transplantationszentrums des Universitätsklinikums Würzburg die weiteren Schritte. Im Rahmen eines umfangreichen Untersuchungsprogramms, welches der Aufnahme auf die Transplantationsliste diente, stellten die Ärzte den inzwischen sehr schlechten Zustand von Pfeil fest. Er durfte das Krankenhaus nicht mehr verlassen: „Ich wollte gerade gehen, da riefen mich die Ärzte zurück und sagten, ich komme auf die Intensivstation. Ich habe protestiert und wollte eigentlich nach Hause. Das kam überraschend und war ein Schock“, so Pfeil.

Die Wartezeit auf ein geeignetes Herz kann einige Jahre betragen, da sehr viel weniger Spenderherzen als benötigt zur Verfügung stehen. Es vergingen fünf sehr lange Monate auf der Intensivstation. Inzwischen stand sein Name auch auf der HU-Liste (High Urgency). Das bedeutet, eine sehr hohe Dringlichkeit ist geboten, oder anders gesagt: „Wer da draufsteht, kann nicht mehr warten“, so Pfeil.

Er wusste nicht, wann sich die Situation änderte, bis am Morgen des 20. Juli 2018, um 6:30 Uhr ein Arzt in sein Zimmer trat und verkündete, sie hätten ein passendes Herz. Bereits um 14 Uhr begab sich Pfeil in den Operationssaal. Dort waren zwei Ärzteteams im Einsatz. Das neue Organ hat eine über 90-prozentige Übereinstimmung, was sehr gute Voraussetzungen waren.

Gernot Pfeil erinnerte sich: „Ich bin aufgewacht und mir ging es gut“. Den Aufenthalt im Krankenhaus hatte er nach der Transplantation im Schnelldurchgang abgeschlossen. Bis zur Reha Mitte August vergingen gerade einmal vier Wochen. Für die Ärzte waren die rasche Genesung und die Vitalität von Gernot Pfeil ein Phänomen. Seine Antwort darauf lautet „Odenwälder Bauernkraut vergeht nicht“.

Pfeil wird sein Leben lang Medikamente einnehmen und ist weiterhin in ärztlicher Behandlung. Dennoch ist er sehr dankbar und möchte eines Tages gerne die Herkunft erfahren, um dies zum Ausdruck zu bringen: „Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen und so fühlt es sich auch an“.

Der Dank gilt insbesondere dem Ärzteteam des Universitätsklinikums Würzburg mit Prof. Dr. med. Gül Güder und Prof. Dr. med. Ivan Aleksic sowie den Neckar-Odenwald-Kliniken mit Johannes Jeschke, für deren Arbeit und persönliches Engagement. Kraft gegeben haben ihm seine Familie, Freunde und vor allem seine Frau, Bianca Pfeil, die sich um alles gekümmert hat und für ihn da war.

Die Eheleute wünschen sich von Herzen, dass Vorurteile zum Thema Organspende immer mehr beseitigt werden und sich jeder mit der Frage nach der Spende auseinandersetzt. Auch Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Ärztlicher Direktor der Neckar-Odenwald-Kliniken und Transplantationsbeauftragter, mahnt in dem Zusammenhang: „Ich akzeptiere jede Entscheidung. Wichtig ist nur, dass Sie sich entscheiden“.

Weitere Informationen zur Organ- und Gewebespende sind abrufbar unter www.organspende-info.de. Organspendeausweise sind beispielsweise bei den Krankenkassen, in Krankenhäusern und im Internet sowie am Empfang des Hauptgebäudes des Landratsamtes, Neckarelzer Straße 7, in Mosbach erhältlich.

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