TheatermobileSpiele zu Gast am APG

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(Foto: pm)

Überzeugende Inszenierung des kleistschen Lustspiels

Von Claudia Schmidt

Mosbach. Noch bevor sich der Vorhang hob, begann die Aufführung mit einem raffinierten Spiel mit den Erwartungen des Publikums: Hinter dem geschlossenen Vorhang ertönten zunächst leise Schnarchgeräusche, die abrupt in angstvolle Schreie wie aus einem Albtraum übergingen. Ein plötzliches Erwachen, ein langgezogenes Gähnen, und sofort war Spannung im Raum. Das Spiel hatte bereits begonnen, bevor der Vorhang sich öffnete. Dieser Auftakt bereitete den Boden für eine Inszenierung, die Kleists Lustspiel zwar in eine modernere Zeit verlegte, dabei aber ganz deutlich der aktuellen Intention des Originals treu blieb.

Die modernisierenden Elemente, Videoeinblendungen, der Einsatz einer Sprechanlage oder die Gerichtsrätin im zeitgenössischen Businesslook, verstärkten die Aussagekraft des Stücks, ohne Kleists komödiantischen und gleichzeitig gesellschaftskritischen Zugriff zu verwischen. Die klassische Verhandlung um den berühmten Krug blieb Kern der beeindruckenden und ideenreichen Inszenierung eines Stücks, dessen Inhalt hinreichend bekannt ist: Die Witwe Marthe Rull verlangt vom Dorfrichter Adam Aufklärung und Schadensersatz für ihren Krug, der in der vorausgegangenen Nacht zu Bruch gegangen ist. Sie verdächtigt dabei Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, der aber hartnäckig seine Unschuld beteuert. Eve wiederum weigert sich, Ruprecht zu belasten. Der wiederum unterstellt ihr, während der Nacht einen Nebenbuhler empfangen zu haben. Der Dorfrichter Adam soll nun in einer Gerichtsverhandlung den Täter entlarven, erscheint aber schon zu Beginn des Lustspiels selbst äußerst verdächtig. Ein Geflecht aus List und Täuschung entsteht, und am Ende ist klar: Adam selbst war der nächtliche Besucher in Eves Kammer und hat den Krug zerbrochen.

Besonders eindrucksvoll an der Inszenierung war, dass lediglich zwei Schauspieler, Vanessa Silva-Bauer und Rouven Honnef, die ganze Aufführung bestritten. Mit großer Präzision wechselten sie zwischen fünf verschiedenen Rollen, animierten zusätzlich mehrere ausdrucksstarke Puppen, führten deren Bewegungen und verliehen ihnen ganz eigenständige Stimmen. Diese Verbindung von Schauspiel und Figurenanimation erzeugte eine ungewöhnliche, äußerst dynamische Bühnenpräsenz, die das Publikum unmittelbar in den Bann zog.
Die Kulisse bestand zunächst aus sorgfältig angeordneten Aktenordnern, Sinnbild für die bürokratische Welt des Dorfrichters Adam. Doch im Verlauf des Stücks wurde diese Ordnung nach und nach dekonstruiert. Die Aktendeckel wurden verschoben, geöffnet, zusammengefaltet und entlarvten so schließlich ihre innere Leere: ein sprechendes Bild für die Hohlheit eines Systems, das sich auf äußere Form statt auf innere Wahrheit stützt.

Ein weiteres starkes Element der Aufführung war der rote Faden, den der Dorfrichter Adam kreuz und quer über die Bühne spannte. Während er den Bühnenraum mehr und mehr mit Fäden durchzog, verstrickte er sich zugleich immer tiefer in sein eigenes Lügennetz. Die Szene wirkte schlicht, aber war von hoher Symbolkraft und eine geniale Visualisierung von Kleists moralischer Fallgeschichte.
Der zerbrochene Krug selbst blieb im Zentrum des Bühnenbilds. Am Ende ruhte die Richterperücke darauf: ein eindringliches Schlussbild, das die Hohlheit und Selbstentlarvung des Dorfrichters überzeugend sichtbar werden ließ.

Während die Uraufführung des kleistschen Lustspiels 1808 in Weimar, übrigens unter der Leitung Johann Wolfgang von Goethes, gnadenlos durchfiel, begeisterte die Inszenierung mehr als 200 Jahre später die – äußerst kenntnisreichen – Schülerinnen und Schüler der Kursstufen 1 und 2 des Auguste-Pattberg-Gymnasiums. Mit energiegeladenem Spiel, blitzschnellen Rollenwechseln und großer körperlicher Ausdruckskraft gelang den beiden Schauspielern des Theaters MobileSpiele eine eindringliche Aufführung, die überzeugende Deutungsansätze bot.

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