Viel Arbeitszeit und hohe Kosten

Die Vermüllung von Straßenrändern ist ein teures Problem, da die Miarbeiter der Straßenmeistereien 760 Kilometer laufen, um den Müll zu beseitigen. (Foto: pm)

Kosten in Höhe von 150.000 Euro

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm) Wer mit offenen Augen über die Straßen im Kreis fährt, der sieht, dass sich an den Straßenrändern immer wieder jede Menge Müll sammelt. Von achtlos weggeworfenen Verpackungen und Zigarettenkippen bis hin zu ganz bewusst abgelagerten Abfällen reicht die unschöne Bandbreite.

Deshalb reinigen die Mitarbeiter der Straßenmeistereien Buchen und Mosbach jedes Frühjahr vor Beginn der Vegetationsperiode Stück für Stück die 760 Kilometer Straßen im Kreisgebiet. „Das ist noch echte und daher aufwändige Handarbeit“, betonen die Leiter der Straßenmeistereien, Joachim Mai und Bernhard Aumüller. Denn deren Mitarbeiter müssen die Strecken ablaufen und mit einem Greifwerkzeug den Müll in einen mitgeführten Sack laden.

Die vollen Säcke werden dann in regelmäßigen Abständen am Fahrbahnrand platziert und abends eingesammelt. Dabei kommen pro Jahr rund 3.000 Einsatzstunden zusammen, was ungefähr der Jahresarbeitszeit von zwei Mitarbeitern entspricht. Dies kostet den Kreis rund 141.000 Euro. Zusätzlich müssen jährlich rund 57 Tonnen Müll kostenpflichtig entsorgt werden, was noch einmal bis zu 13.000 Euro kostet. Rund 150.000 Euro kommen pro Jahr so also zusammen, die der Steuerzahler tragen muss.

Woher der Müll kommt, darüber haben die erfahrenen Straßenmeister auch ein klares Bild. Ein guter Teil werde tatsächlich von Mitbürgern, die es als selbstverständlich erachten, dass andere ihren Müll wegräumen, achtlos aus dem Fenster geworfen. Dabei gebe es natürlich neuralgische Punkte in der Nähe von gastronomischen Betrieben. „Früher waren es auch jede Menge Dosen und Flaschen, das hat seit der Pfandeinführung etwas abgenommen“, so die Einschätzung von Mai und Aumüller.

Eine nicht zu unterschätzende Müllquelle sei aber auch nicht oder nur schlecht gesicherte Ladung auf Transportern und Anhängern. So sammelten die Mitarbeiter beispielsweise jedes Jahr große Mengen von Plastikfolien und -verpackungen unter anderem aus dem Baugewerbe ein. „Damit tragen wir nicht nur zu einem optisch schönen Landschaftsbild bei, sondern sorgen auch dafür, dass Tiere dadurch nicht zu Schaden kommen“, so der Hinweis.

Schließlich gebe es noch die dritte Kategorie, bei der größere Müllmengen ganz gezielt am Straßenrand und dort vor allem an Parkplätzen entsorgt werden. Dabei handelt es sich sehr oft um Altreifen oder um Müll aus Abbrucharbeiten, darunter immer wieder gefährlicher, zum Teil asbesthaltiger Abfall. Auch diese Abfälle müssen die Straßenwärter dann aufwändig entsorgen. Letzteres wird regelmäßig bei der Polizei zur Anzeige gebracht und es wird versucht, durch Hinweise im Müll oder Presseveröffentlichungen den Verursacher ausfindig zu machen.

Diese unerlaubten Ablagerungen werden, sofern der Verursacher ermittelt werden kann, dann als Ordnungswidrigkeiten geahndet. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht Geldbußen von bis zu 100.000 Euro vor. Die tatsächliche Höhe der Bußgelder ist abhängig von Art und Menge des Abfalls. Sofern es sich um gefährliche Abfälle handelt, liegt unter Umständen sogar eine Straftat vor. Aber auch das Wegwerfen von Müll aus dem Autofenster ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Denn auch diese Abfälle sind natürlich nach dem Gesetz ordnungsgemäß zu entsorgen. Wer das nicht tut, schadet nicht nur der Umwelt, sondern letztendlich auch sich selbst, denn hier sind ebenfalls Geldbußen jederzeit möglich.

Auch die Kreislaufwirtschaft Neckar-Odenwald (KWiN) beschäftigt das Thema: Insbesondere an den Grüngutsammelstellen wird in letzter Zeit verstärkt illegal Abfall entsorgt. So unter anderem Autoreifen, Bauschutt, Elektroschrott, Abfallsäcke und auch hier gefährlicher Abfall wie asbesthaltiger Welleternit. Hiermit einher gehen Umweltgefährdungen und auch die Verwertung des Grüngutes kann dadurch massiv beeinträchtigt werden.

Aber auch in der freien Landschaft wird verstärkt Abfall abgelagert, so beispielweise in Wäldern und an Böschungen. Kann kein Verursacher ermittelt werden, trägt die Kosten die Allgemeinheit, das heißt der Müllgebührenzahler. Ein solches Verhalten ist umso unverständlicher, weil vieles, beispielsweise Elektroschrott, kostenlos an Wertstoffhöfen oder Elektroschrott-Annahmestellen abgegeben werden kann. Ein Kofferraum Restmüll (300 Liter Volumen) schlägt zudem nur mit 10 Euro zu Buche, gibt man diesen vorschriftsmäßig an den Wertstoffhöfen in Buchen oder Mosbach ab. Eine Beseitigung nach einer illegalen Müllentsorgung kostet den Gebührenzahler hingegen ein Vielfaches.

Landrat Dr. Achim Brötel appelliert an die Bürger: „Niemand möchte, dass jemand Müll in den eigenen Vorgarten oder die eigenen vier Wände kippt. Trotzdem geschieht genau dies täglich an öffentlichen Straßen. Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Daher kann ich nur alle, die so etwas beobachten, dazu aufrufen, die Person anzusprechen. Und bei größeren illegalen Müllablagerungen ist es Bürgerpflicht, umgehend die Polizei zu verständigen. Das beides gehört für mich einfach zu einer gelebten Zivilcourage dazu.“

Für dieses Jahr haben die Straßenmeistereien ihren Frühjahrsputz abgeschlossen. Im restlichen Jahr wird dann der Müll nur noch punktuell und bei größeren Verunreinigungen eingesammelt. „Wir freuen uns jedes Jahr, wenn das geschafft ist. Denn dann können wir uns wieder auf die Aufgaben konzentrieren, für die wir ausgebildet wurden, nämlich die Unterhaltung der Straßen im Kreis“, sagen Mai und Aumüller.

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