Leserbrief: Windenergie erzeugt Artenschwund

Zum Leserbrief „Reißerisch und emotionalisierend“ von Christine Denz, 09.09.15

Windenergieausbau erzeugt Artenschwund

Mein Kommentar zu den an Windenergieanlagen kollidierten Störchen (vgl. www.hoher-odenwald.de) ist nicht reißerisch, wie Frau Denz es in ihrem fachlich substanzlosen Leserbrief darstellen möchte. Vielmehr wird darin ohne jede Augenwischerei eine Realität angesprochen, die Freunde des Windkraftausbaus allzu gerne verharmlosen: Vögel und Fledermäuse sterben in erheblicher Anzahl an schnell drehenden Rotoren. Dass Schlagopfer oder am Barotrauma (Druckverletzung) verendende Tiere nicht nur seltene Ausnahmen sind, das wird beispielsweise durch die gemeldeten Kollisionsopfer in der Datenbank der Staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg deutlich. Etliche Experten und Artenkenner bestätigen in Publikationen, dass mit dem Windkraftausbau eine sehr ernstzunehmende Bedrohung der Artenvielfalt einhergeht.

Frau Denz, die sich auf ihrer Homepage selbst als „Ökologin“ bezeichnet, ohne hierfür ersichtliche Qualifikationen nachweisen zu können, ist zwar meist die erste, die gegen Andersdenkende in Leserbriefen ankreischt; eine wenigstens bemühte Abwägung konträrer Positionen ist dagegen nicht wahrnehmbar. Dieses Schablonendenken erscheint antiquiert, denn längst erweisen sich gesellschaftliche Herausforderungen wie „Energiewende“ oder „Klimaschutz“ als keineswegs so undifferenziert und einseitig realisierbar. So ist die Bewahrung der Artenvielfalt (Biodiversität) eine ebenso wichtige Aufgabe unserer Generation wie die Anpassung (Adaptation) und Minderung (Mitigation) des anthropogenen Beitrags an Klimaschwankungen. Zum Artenschwund tragen Zersiedelung, Verkehr, Agrarpolitik oder intensivierte Forstwirtschaft erheblich bei; zusätzlich tritt nun ein überdimensionierter Windenergieausbau hinzu, der Lebensräume in Wäldern und naturnahen Kulturlandschaften zerstört und zersplittert, während ein relevanter Beitrag zu einem Klimaschutz bei 2 % Anteil der Windenergie am deutschen Endenergieverbrauch und wegen der aufgrund schwankender Verfügbarkeit notwendigen Schattenkraftwerke (Kohle / Gas) nicht darstellbar ist. Es grenzt an ein Paradoxon, dass diese Schwachpunkte der Windkraftnutzung nicht berücksichtigt werden.

So erzeugt der Windenergieausbau einerseits keine belegbare Minderung des Klimawandels, trägt dagegen durch Zerstückelung der Ökosphäre erheblich zum Artenschwund bei und führt darüber hinaus belegbar zu fragwürdigen Verstößen gegen deutsches und europäisches Artenschutzrecht. Die Gefährdung für Vögel und Fledermäuse findet nicht nur lokal statt, sondern kumulativ aufgrund der Vervielfachung der Standorte, die ein Gesamtökosystem degradieren. Es trifft leider nicht zu, wie Windkraftfreundin Denz gerne glauben (machen) möchte, dass unsere Gesetzeslage derzeit ausreichend Schutz gegen diese Entwicklung gewährleistet. Das zeigt par excellence der seit 2012 projektierte Windenergie-Standort im Wald-Bach-Ökosystem „Markgrafenwald-Höllbach-Reisenbach“ in Waldbrunn/Eberbach: Nicht etwa „grüne“ Kreispolitik, sondern eine seit drei Jahren engagierte Bürgerschaft bildet hier eine wirksame Kraft gegen Naturzerstörung. Hätte die „Initiative Hoher Odenwald“ nicht unter anderem für ein belastbares avifaunistisches Gutachten gesorgt, wäre die Ökosphäre dieses Naturrefugiums längst einer Windenergieindustrialisierung zum Opfer gefallen. Starres Denzsches Lobbydenken, das sicher nicht mehr als „ökologisch“ gelten kann, wird auf der Überholspur eines realen Naturschutzlagers, das sukzessive auch zur politischen Kraft wird, zurückgelassen.

Michael Hahl, Waldbrunn

Geograph und zweiter Vorsitzender der „Initiative Hoher Odenwald e.V. Gemeinnütziger Verein für Landschaftsschutz und Erhalt der Artenvielfalt“ 

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