Gipsbergwerk Seckach wird erforscht

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(Symbolbild – Efraimstochter/Pixabay)
Seckach. (lm)  Die Gemeinde Seckach mit Bürgermeister Thomas Ludwig an der Spitze sucht in enger Kooperation mit dem Landratsamt und in Person von Landrat Dr. Achim Brötel Zeitzeugen, Bilder und Dokumente über das damalige Gipsbergwerk in der Gemeinde Seckach zwecks Erstellung eines Forschungsprojektes.

Dieses Gipsbergwerk der Heidelberger Gipsindustrie H. und H. Seidenstricker war einer der ersten Industriebetriebe im damaligen Amtsbezirk Adelsheim und hat ab dem Jahre 1905 das Alltagsleben in Seckach über Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt. Viele Menschen aus nah und fern fanden hier Lohn und Brot, wodurch auch die Wirtschaftskraft in der hiesigen Region deutlich gestärkt wurde.

Gleichzeitig ist das Seckacher Gipsbergwerk aber auch Bestandteil eines der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte, denn gegen Ende des II. Weltkriegs wurde es vom NS-Regime zu einer Produktionsstätte für kriegswichtige Güter umgenutzt und erweitert. Konkret sahen sich die Machthaber, bedingt durch die verstärkte Luftoffensive der alliierten Streitkräfte dazu gezwungen, kriegswichtige Produktionsstandorte zu dezentralisieren oder unter Tage zu verlagern. Das betraf auch die Fa. Fichtel & Sachs in Schweinfurt und so wurde ein Teil der dortigen Motorenproduktion im Herbst 1944 in die Gipsstollen der Heidelberger Gipsindustrie H. und H. Seidenstricker in Seckach ausgelagert.

Der Seckacher Mitbürger und Zeitzeuge Gebhard Schmitt hat diese Geschehnisse mit seinem Beitrag „Das Gipsbergwerk Seidenstricker im Zweiten Weltkrieg“, erschienen im Kalender „Unser Land 2019“, wieder ins Licht der Öffentlichkeit zurückgeholt. Weil diese Thematik aber bis dato so gut wie gar nicht historisch untersucht wurde, haben sich Landrat Dr. Achim Brötel und Bürgermeister Thomas Ludwig darauf verständigt, dieses Versäumnis nun mehr zeitnah nachholen zu wollen. Daher erforscht der Historiker Simon Metz seit Ende 2019 im Auftrag des Neckar-Odenwald-Kreises und der Gemeinde Seckach den NS-Verlagerungsbetrieb „Sachsen“ (das ist der offizielle Tarnname des Projekts), welcher wie oben angeführt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Seckach eingerichtet wurde. Simon Metz studierte an der Universität Heidelberg Geschichte und Historische Grundwissenschaften.

Bei den Recherchen für seine Forschungsarbeit möchte er neben Quellen aus Archiven, Bibliotheken und Museen auch Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berücksichtigen. Berichte und Schilderungen jener Personen, die die Vorgänge um dieses Rüstungsprojekt der Nationalsozialisten noch selbst vor Ort erlebt hatten, könnten wesentliche Bausteine zur Erforschung des NS-Verlagerungsbetriebs „Sachsen“ sein.

Daher sind alle Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Seckach und Umgebung aufgerufen, sich beim Bürgermeisteramt Seckach (Tel.Nr. (0 62 92) 92 01-10) zu melden und sich für eine Befragung durch Herrn Metz zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist Herr Metz auch an der Sichtung von alten Dokumenten und Fotos interessiert, die möglicherweise noch in Privatarchiven, auf Dachböden und in Kellern schlummern und wichtige Informationen für das Forschungsprojekt liefern könnten. Bürgerinnen und Bürger, die solches Material besitzen und leihweise bereitstellen können, mögen sich ebenfalls unter der o.g. Telefonnummer melden. Für Rückfragen zu diesem Forschungsprojekt steht Bürgermeister Thomas Ludwig gerne persönlich zur Verfügung.

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