Lärmfeuer – Signal gegen Geschichtslosigkeit

13.02.10

Historische Signalkette vom Rhein bis in den Odenwald

Odenwald/Osterburken. (pm) Lärmfeuer verbinden jetzt auch Osterburken, Marienhöhe und Bieringer Höhe mit dem Rest der Lärmfeuerkette des Odenwaldes und mit der Geschichte am 27. März 2010. So stellen sich das die Initiative Laermfeuer.org und die örtlichen Organisatoren jedenfalls vor. Mit Lärmfeuer wurden in früheren Jahrhunderten Signalstellen zur einfachen Nachrichtenübermittlung bezeichnet. Der Begriff setzt sich aus den Worten „Lärm“, das sich aus dem frühneuhochdeutschen Wort „Alarm“ und „Feuer“, mittelhochdeutsch „viur“ zusammen. Lärmen bedeutet in diesem Fall Alarm schlagen.

Lärmfeuer bestanden aus meterhohen Holzstößen, die auf Bergspitzen aufgeschichtet wurden. Wenn sie angezündet wurden,  konnte das Feuer, beziehungsweise der Rauch, von der nächsten Bergspitze aus gesehen werden. Auf diesen befand sich dann ein weiterer Holzstoß, der beim Erkennen eines Lärmfeuers ebenfalls angezündet wurde. So wurde eine Nachrichtenkette aufgebaut, um vor einer möglichen Gefahr – meist feindlichen Angriffen – zu warnen. Beispielsweise bildeten Lärmfeuer im Dreißigjährigen Krieg einen Ring um den gesamten Odenwald und weite Teile des Hessischen Rieds. Klar ist, dass es Signalfeuer in allen Kulturen gab und gibt.

Im 5. Jahrhundert v.Chr. meldeten die Griechen die Eroberung Trojas der 400 km weit entfernten Stadt Argons mit Feuerzeichen von Insel zu Insel.  Auch die alten Römer bedienten sich der Feuerpost. Mit Fackelsignalen verbreiteten sie Nachrichten von Wachturm zu Wachturm durchs ganze Reich. Später telegrafierten die Niederländer mit den Flügeln der Windmühlen, welche in Holland überall verbreitet sind.  Eingeborenen-Stämme in Afrika kannten eine einheitliche Trommelsprache, mit der sie nachweisbar Nachrichten von Kairo bis Johannesburg, also durch den ganzen afrikanischen Kontinent, übermittelten. Indianer in Südamerika verwandten Glasflaschen, mit denen sie Sonnenstrahlen auffingen und spiegelten.

Die Osterburkener Museen, das Römermuseum ebenso wie das Living-History-Museum, nehmen gemeinsam an der Aktion Lärmfeuer teil, die durch rund 30 Orte des Odenwaldes realisiert wird. Im Schnitt startet ab dem frühen Abend und mit Einbruch der Dunkelheit im ganzen Odenwald alle 2 Minuten ein Alarmfeuer in der Kette von West nach Ost. Geplant sind Feuer und Fackelstrecken, die das Römermuseum, das Kastell und die Rekonstruktionsversuche Wall/Graben Palisade, entlang des römischen Limes mit den Alarm-Feuern auf der Marienhöhe und dem Alarmfeuer der Merchinger Landsknechte auf der Bieringer Höhe verbinden.

Fotostrecke:

[nggallery id=15] (Fotos: Adventon) – Zum Vergrößern bitte anklicken.

Römer, Kelten und Germanen ziehen am 27. März von Osterburken auf die Marienhöhe und befeuern so die Alarmkette. Erst wenn die „Borkemer“ Cicerones und „Spätantiken“ auf die Frühmittelalterlichen auf der Marienhöhe treffen, entzünden sie gemeinsam mit ihren Fackeln das Alarmfeuer. Vom Römermuseum über Kastell und Rekonstruktion an Wall und Graben, mit den Fackeln und in historischer Gewandung, römischem Blech und germanischer Klamotte geht es über die alte Römerstrasse, den Pferdehof, die Umgehungsstrasse in Richtung Römerwachturm Marienhöhe und entlang des Egelsees in den Museumspark von Adventon. Begleitet wird der Zug durch die Geschichte an den Grenzen Germaniens entlang von den Spielleuten von Adventon und sicher zahlreichen weiteren Begeisterten. Die Bevölkerung ist eingeladen, mit zu laufen. Hier warten Ritter und Wikinger bereits auf die Historien-Kollegen, um das Feuer zu entfachen, das bereits von Lorsch im Westen über den Lärmfeuerberg bei Wald-Michelbach bis nach Merchingen im Osten getragen wird. Die gemeinsame Aktion der Baulandgruppen aus Ravenstein, Marienhöhe und Osterburken schliesst sich damit der Initiative Lärmfeuer.org an, die bereits im vierten Jahr diese Aktion durchführt.

Ab 17 Uhr wollen die Histotainer zusammen mit allen Besuchern , Eintritt frei, das große Alarmfeuer aufbauen. Paletten werden geschichtet, damit das Feuer ausreichend Zug bekommt und weithin sichtbar wird, dann noch Scheitholz, damit es auch eine Weile lang an bleibt. Gegen 18.30 Uhr laufen Römer, Ritter und alle, die den Historienzug begleiten wollen am Römermuseum. Gegen 20.00 Uhr werden dann Geschichtsbegeisterte aus rund 2000 jahren das Feuer zwischen Kelter und Hauptstrasse in der mittelalterstadt entfachen. Am ganzen Wochenende sollen Gruppen aus ganz Deutschland hier den Auftakt der Historiensaison begehen, schließlich stellt man die Uhren auf Sommerzeit um. Auf dem Feuerberg an der Kelter gibt es natürlich kalte und heisse Getränke aus Beerenweinen, Met, Met-Bier, Glühpunsch und Glühkirsch sowie Bürgerspieße, Räuberfackeln und Reiterspieße. Der Backofen wir seit Stunden eingeheizt sein und als Anachronismus gibt es eine Gulaschkanone.

Weitere Infos zum Lärmfeuer im Odenwald unter:
www.laermfeuer.org

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: