40 Jahre Intensivstation Mosbach

Modernste Technik steht auf den Intensivstationen der Neckar-Odenwald-Kliniken zur Verfügung. Die Mosbacher Intensivstation wurde vor ziemlich genau 40 Jahren gegründet; ein Zuschuss des Landkreises von 30.000 DM hat die Einrichtung damals möglich gemacht. (Foto: LRA)

Mosbach. (sch) Beinahe unbemerkt hat sie kürzlich ihren 40. Geburtstag gefeiert: die Intensivstation der Neckar-Odenwald-Klinken in Mosbach. Dort werden Patienten mit schweren bis lebensbedrohlichen Krankheiten oder Verletzungen, oft auch nach schweren Operationen unter Leitung der Anästhesisten und der Abteilung für Innere Medizin intensivmedizinisch von speziell ausgebildetem Personal behandelt. Wer glaubt, die Intensivstation habe es „schon immer“ gegeben oder sie sei eine Selbstverständlichkeit in einem Krankenhaus, der irrt. Das 1960 neu erbaute damalige Kreiskrankenhaus im Lohrtal musste zehn Jahre „ohne“ auskommen, ehe im Januar 1971- also vor 40 Jahren – erste Überwachungsgeräte installiert wurden. Und weil Intensivstationen im betriebswirtschaftlichen Sinn teuer sind, leisten sich bis heute nicht alle Krankenhäuser diese Einrichtung. Schwerkranke Patienten müssen dann in andere, oft weiter entfernte Kliniken verlegt werden.

In Mosbach wurden 2010 1588 Patientinnen und Patienten intensivmedizinisch betreut. Dafür stehen acht reguläre Betten und ein Notfallplatz zur Verfügung. Alle Behandlungsplätze sind mit hochmoderner Technik ausgestattet und ermöglichen die Überwachung von Herzrhythmus/EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung. Alarmfunktionen bei Unter- oder Überschreitung individuell eingestellter Grenzewerte laufen bei einer zentralen Überwachungsanlage auf, die von beinahe überall in der Abteilung eingesehen werden kann. „Meine 25 Kolleginnen und Kollegen, die hier mit mir im Dreischichtdienst arbeiten, wissen dank ihrer Ausbildung und ihrer teils großen Erfahrung genau, was bei einem Alarm zu tun ist“, erklärt die pflegerische Leiterin Claudia Höhler, die eng mit Chefarzt Dr. Frohmut Zipse von der „Inneren“ und mit Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker von der Anästhesiologie zusammenarbeitet. Eine Beatmung ist an bis zu vier Behandlungsplätzen gleichzeitig möglich, die Kreislauffunktion kann unterstützt und die Nierenfunktion kann ersetzt werden.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“40 Jahre Intensivstation Mosbach“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9074″] Diese Möglichkeiten hatte man vor 40 Jahren, als die Intensivstation nach der Genehmigung von 30.000 DM durch Landrat und Kreistag – so ist es einem Zeitungsbericht aus der damaligen Zeit zu entnehmen – eingerichtet werden konnte, noch nicht. Zwei, später drei Zimmer waren nach dem damaligen Stand der Technik ausgestattet worden, erinnert sich Schwester Maria Mündörfer, heute Stationsleiterin auf der Gynäkologie/Geburtshilfe in Mosbach und damals im zweiten Lehrjahr als Krankenschwester. Sie ist die Einzige, die damals schon auf der Intensivstation Dienst gemacht hat und noch heute im Krankenhaus arbeitet. „Wenn unser Nachtdienst nach 14 Nächten endlich rum war, haben wir Schülerinnen uns morgens im Casino getroffen. Wir waren immer total erschöpft und gleichzeitig erleichtert, dass dieser Dienst vorbei war “, erinnert sich die sympathische und zupackende Frau, für die ihr Beruf auch nach so vielen Jahren noch immer ihr „Traumjob“ ist. Der allerdings hart begonnen hat. Ein „Putzpraktikum“ ging der eigentlichen Ausbildung voraus, ein Hilfsjob also, bei dem sie die Arbeit einer Krankenschwester zumindest aus der Nähe beobachten konnte. Von 1970 bis 1973 schloss sich die eigentliche Ausbildung an und bereits im zweiten Lehrjahr hatte die junge Lernschwester in ihrem vierzehntägigen Nachtdienst die alleinige (!) Verantwortung für die Patienten auf der gerade eingeweihten Intensivstation.

„Auf der gegenüber liegenden Station gab´s noch eine Schwester und der damalige Oberarzt Dr. Traub war natürlich auch Ansprechpartner, aber ansonsten war man grundsätzlich allein mit den Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten oder mit schweren Asthmatikern“, erzählt Schwester Maria: „Da hatte man als junges Ding, das noch nicht mal mit der Ausbildung fertig war, riesige Angst, dass irgendwas passiert.“ Nachts um elf habe sie dann regelmäßig angefangen, die schwerkranken Patienten zu waschen: „Auf deren Schlaf durften wir keine Rücksicht nehmen. Morgens um sechs bei der Übergabe mussten die Patienten „fertig“, also frisch gewaschen sein. Das allein zählte“, so die Schwester, die manchmal selber darüber staunt, wie gründlich sich das Berufsbild einer Krankenschwester, oder besser: einer Gesundheits- und Krankenpflegerin (so der heute korrekte Begriff) gewandelt hat.

Auch von den Patienten wird eine sehr viel aktivere Rolle erwartet als noch vor 40 Jahren. „Heute würde sich diese unsinnige Waschaktion mitten in der Nacht niemand mehr gefallen lassen“, ist sich die Schwester sicher. Davor muss sich auf der modernen Intensivstation, die 2006 nach dem großen Umbau in neue Räume gezogen ist, auch niemand mehr fürchten: Da steht das gesundheitliche Wohl des Einzelnen absolut im Vordergrund und nicht das sture Abarbeiten irgendwelcher Vorschriften.

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