Einen gelungenen Einstieg in das Jubiläum 400 Jahre Heilig-Blut-Altar fand der Festvortrag des Historikers Cornelius Lange (3.v.l.) aus Würzburg. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula (2.v.re.), Guardian Pater Kamil Pawlak (re.), Bürgermeister Meikel Dörr (3.v.re.), Pater Leon Rawalski (2.v.l.) und Diakon Karl-Heinz Becker (li.). (Foto: Dörr)
Festvortrag eröffnet Jubiläumsjahr
Von Achim Dörr
Walldürn Eine erwartungsvolle und gespannte Stimmung erfüllte am Donnerstagabend das katholische Gemeindezentrum in Walldürn, als Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula OFMConv pünktlich um 19.30 Uhr die nahezu einhundert Gäste aus Walldürn und Umgebung begrüßte. Der Anlass war der feierliche Auftakt zum 400-jährigen Jubiläum des Walldürner Blutaltars, das der größte eucharistische Wallfahrtsort Deutschlands in diesem Jahr begeht. Neben seinen franziskanischen Mitbrüdern, Guardian Pater Kamil Pawlak OFMConv und Pater Leo Rawalski OFMConv, sowie Bürgermeister Meikel Dörr galt sein besonderer Willkommensgruß dem Referenten des Abends, dem Kunsthistoriker Cornelius Lange aus Würzburg.
Kunsthistorischer Blick auf die Bildhauerfamilie Juncker
Lange, der seinen einstündigen Vortrag unter dem Titel „Pleiten, Pest und Explosionen“ hielt, nahm die geschichtsinteressierten Zuhörer mit auf eine mittelalterliche Reise zur Bildhauerfamilie Juncker, die er aus sozialgeschichtlicher und kunsthistorischer Perspektive beleuchtete. Wichtige Stationen dieser bedeutenden Familie waren Walldürn, Miltenberg und Würzburg. Der aus Werneck bei Schweinfurt stammende Kunsthistoriker, der 2024 über die Bildhauerfamilie promovierte, verstand es, die Aufmerksamkeit des Publikums mit seinem kurzweiligen Festvortrag immer wieder neu zu fesseln.
Werke der Juncker-Familie in Franken und am Main
Lange skizzierte zahlreiche Stationen der Bildhauerfamilie Juncker und machte deutlich, wie dicht diese in der Region verwurzelt war und wie sich die „Junkerarbeiten“ in einem Bogen zwischen Mainz und Bamberg spannten. Kunstwerke von ihr sind unter anderem im Mainzer und Würzburger Dom, in Aschaffenburg und Miltenberg sowie in Weikersheim zu sehen und natürlich mit dem Heilig-Blut-Altar in der Wallfahrtsbasilika Walldürn zu bestaunen. Die Bildhauerfamilie mit Vater Michael, Bruder Hans und den Söhnen Zacharias, dem Jüngeren und dem Älteren, schuf beeindruckende Werke und mit dem Blutaltar von Zacharias dem Älteren ein Kunstwerk von europäischem Rang und großer Ausstrahlung.
Zacharias Juncker und der Heilig-Blut-Altar
Zacharias Juncker der Ältere, vermutlich um 1588 in Walldürn geboren, zählt zu den bedeutendsten und talentiertesten Bildhauern seiner Zeit. Seine Liebe zum Detail wird an seinem Hauptwerk in der Basilika, das zwischen 1622 und 1626 entstand, eindrucksvoll sichtbar. Besonders die detailreichen Reliefs und Figuren, die Szenen aus der Legende des sogenannten Blutwunders darstellen und bei denen es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eigenständige Entwürfe des Meisters handelt, zeugen von seiner Kunst. Tiefeingeschnittene Falten an den Gewändern der Heiligenfiguren, die Konturen der Gesichtszüge sowie die bis ins Detail ausgearbeiteten Locken in Haaren und Bärten der dargestellten Personen machen seine filigrane Arbeit deutlich. Auch die Darstellung des Letzten Abendmahls unterhalb der Aussparung der Blutaltar-Nische unterstreicht seine bildhauerischen Fähigkeiten.
Erinnerungsort in der Walldürner Altstadt
In der Hauptstraße der Walldürner Altstadt, zwischen Bücherladen und Historischem Rathaus, befindet sich das Haus von Zacharias Juncker, das er um 1625 bewohnte. Heute ist dort ein musealer Erinnerungsraum eingerichtet, der das Leben und Wirken sowie die Werke der fränkischen Bildhauerfamilie Juncker mithilfe eines Audioguides eindrucksvoll dokumentiert.
Mittelalterliche Quellen und Ausblick auf den Festtag
Kunsthistoriker Lange verstand es während seines Vortrags immer wieder ausgezeichnet, die Besucher in die Zeit des Mittelalters mitzunehmen, indem er Passagen aus damals stattgefundenen Gerichtsverhandlungen, die auch zum Alltag der Familie Juncker gehörten, in Originalsprache vortrug und zitierte. Am Ende des kurzweiligen Abends bot sich noch die Möglichkeit zu einer Fragerunde zum Walldürner Blutaltar und zum Priester Heinrich Otto, auf den das Blutwunder aus dem Jahr 1330 zurückgeführt wird.
Mit einem großen Dankeschön und einem kleinen Präsent seitens des Fördervereins zur Renovierung der Wallfahrtsbasilika und der St. Marienkirche an den Referenten sowie mit einem Ausblick auf den Festtag zum Jubiläum am Pfingstmontag, 25. Mai, mit einem Pontifikalamt um 10 Uhr mit Erzbischof Stephan Burger aus Freiburg und den Fahnenabordnungen der Fußwallfahrtsgruppen sowie einer feierlichen Andacht um 17 Uhr am Blutaltar, ging der Abend zu Ende. Die Gäste tauschten sich anschließend noch rege miteinander aus.
