Begeisterung bei Mundart-Gottesdienst

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Roland Beigel, Dr. Isabell Arnstein, Alexandra Blaschek, Pfarrerin Rebecca Stober, Hans Slama und Patrick Will. (Foto: Liane Merkle)
Mudau. (lm) „Unn sou sechne un bass uff uns uff, der wu die ganz Macht hott un de barmherziche Herrgodd, de Vadder, sein Sohn und de Heiliche Geischd“, hatte Hans Slama den Segen übersetzt, den Pfarrerin Rebecca Stober in Schriftdeutsch gesprochen hatte, bevor Ralf Breunig die Orgel zum Auszug der ebenso zahlreichen wie begeisterten Gottesdienstbesucher noch einmal erklingen ließ.

Man hatte in der ehrwürdigen Pfarrkirche „St. Pankratius“ einen ökumenischen Gottesdienst der eher ungewöhnlichen Art in Südfränkischer Mundart erleben dürfen, gestaltet von „Mundartpapst“ Hans Slama mit wissenschaftlicher Unterstützung von Dr. Isabell Arnstein und theologischem Background von Gemeindereferentin und „Hausherrin“ Alexandra Blaschek, Pfarrerin Rebecca Stober und Pastor Patrick Will. Für den musikalischen Rahmen sorgten Ralf Breunig an der Orgel und Roland Beigel mit der Gitarre.

Als „roter Faden“ diente das Gebet aller Christen – das „Vater unser“ in den verschiedenen Sprachepochen. Dr. Arnstein stellte seine sprachliche Entwicklung nach der Eröffnung des Gottesdienstes durch Alexandra Blaschek in den Epochen „Althochdeutsch“ (ca. 750 – 1050 n.Chr.), „Mittelhochdeutsch“ (ca. 1050 – 1250) und „Frühneuhochdeutch“ (ca. 1350 – 1650) vor.

So begann das Gebet wohl ursprünglich „Fater unser, thu thar bist in himile, …“ und schon Martin Luther begann in der sächsischen Kanzleisprache „Unser Vater in dem himmel, Dein name werde geheiliget.“

Nach der liturgischen Eröffnung durch Pfarrerin Stober bat Pastor Will im Gebet um die Gabe, Gottes Wort zu verstehen. Weshalb, zeigte sich, als die Stimme Gottes den betenden Hans Slama des „Unser Vadder do obbe im Hiemel“ fragte: „Verstehst Du, was Du mich bittest? Dein Reich komme? Dein Wille geschehe?“ und zu hören bekam „Unnerbrich miech nett Herrgott, iech du beede!“ „Aber Du hast mich doch angesprochen!“

Deutlicher machte es die Kurpfälzer Stimme (Roland Beigel), die im Dialekt versprach, immer für die Betenden da zu sein, wenn diesen auch nicht immer gefallen werde, wie Gott reagiert. Es wurde ein längeres Gespräch zwischen den beiden, über die Menschen und die Natur und wer sich um was kümmern sollte. Noch deutlicher wurde das in der Übersetzung des „Vater unser“ in die heutige Alltagssprache, präsentiert von Alexandra Blaschek.

Unmissverständlich war dann auch das Gebet mit Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“, der „eingerückt“ in Mudauer Dialekt von Hans Slama vorgetragen, und „ausgerückt“ von Pfarrerin Stober und der Gemeinde „übersetzt“ – also für alle verständlich wurde.

„De Herrgodd iss mein Schäfer, ja mein Herdd isser, desweeche werd mir a nie ebbs fehle. Er fiehrt miech uff ä Wiesche mit safdichem Graasch un zu eener Quelle mit frischem Wasser, wu iech mich ausruhe un frisch mache duu…“ Es war eine erfrischende Art von Gottesdienst, in dem man ein wenig mehr aufpassen musste als sonst.

Das zeigte sich auch in den musikalischen Fürbitten, die Roland Beigel erbat, der begann mit der Bitte „Mein Jesus, mein Erlöser, du hosch de Tod besiegt, hosch bewirgt, dass mei Heil niemols versiegt.“ Und nach jeder Bitte von der Gemeinde – ebenfalls gesanglich – bestätigt wurde mit „Dei Lischd brennd fa uns a in dungelschder nachd, deiLischd des uns wäärmt un iwwer uns wachd/ dei Lischd brennd fa uns a in dungelschder Nachd/ dei Lischd brennd Jesus Amen!“

Nach so vielen sprachepochlich verschiedenen „Vaterunser“ war es Pastor Will ein Anliegen, dass die Gemeindeglieder mit der Version, die alle gelernt haben, ihr Anliegen hervorbringen und so diesen Gottesdienst harmonisch abrunden.

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