Atommülllager nur mit Bürgerbeteiligung

Grüne Fachfrau MdB Kotting-Uhl referierte über Atompolitik

Unser Bild zeigt von links: Landtagskandidatin Simone Heitz, MdB Sylvia Kotting-Uhl, Kreisvorsitzende Christine Denz. (Foto: Klaus Brauch-Dylla)

Neckar-Odenwald-Kreis/Obrigheim. (bd) Vor interessiertem, nicht unbedingt als „grüne Hausmacht“ einzuschätzendem Publikum referierte die atompolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, am vergangenen Donnerstag in der Diedesheimer Krone. Kotting-Uhl, die aus Sinsheim stammt, kennt die Region bestens, dennoch führten ihre Themen zunächst scheinbar weit weg – ging es doch um das Problem der Endlagerung von Atommüll in der Bundesrepublik Deutschland in der Grube Asse sowie im Salzstock Gorleben. Dass dies mit dem grünen regionalen Hauptthema dreier Jahrzehnte, dem Kernkraftwerk Obrigheim, enger verknüpft ist als bisher gedacht, zeigte sich bald.

Die Grube Asse, so Kotting-Uhl, sei 1969 von der Bundesrepublik günstig erworben worden und sollte der Endlagerung von weniger stark belastetem radioaktivem Abfall aus Forschung und Medizin dienen, gleichzeitig aber auch selber Forschungsobjekt zum Thema „Endlagerung“ sein. Doch statt sorgfältiger Einlagerung und wissenschaftlicher Dokumentation seien bald immer mehr Atommüllfässer einfach in die Grube abgekippt worden. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass die 126 000 Fässer in der Asse nicht nur Forschungs- und Medizinmüll, sondern wohl auch Abfallmaterial von Brennstäben aus frühen Kernkraftwerken enthalten, darunter möglicher Weise auch aus Obrigheim.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Atommülllager nur mit Bürgerbeteiligung“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9183″] Wegen zunehmender Wassereinsickerung und Bewegungen im Gebirgsstock, welche sogar Stahlträger verbogen, wurde in der Asse seit Mitte der Siebziger kein strahlender Müll mehr eingelagert. Die inzwischen katastrophalen Zustände in der Grube machen es laut Kotting-Uhl notwendig, das radioaktive Material komplett rückzuholen – ein für den Steuerzahler milliardenteures Unterfangen.

Auch die Geschichte der Endlagersuche in Gorleben für stark strahlenden radioaktiven Müll sei ein Trauerspiel. Die Entscheidung sei politisch getroffen, Bedenken von Experten seien beiseite gewischt worden. Dass Gorleben nach wie vor von der Bundesregierung unterstützt werde, sei vor allem durch die alten Rahmenpläne und das bergrechtliche Verfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung erklärbar, was Kotting-Uhl scharf kritisierte.
Nach EU-Recht muss der deutsche Atommüll in Deutschland endgelagert werden. Allerdings müsse die Suche nach einem Endlager an allen in Frage kommenden Standorten in einem transparenten, vergleichenden Ausschlussverfahren erfolgen, mit Einbindung von Bürgern von Anfang an. Nur so könne der relativ beste Standort gefunden werden – dies geschehe in anderen Ländern längst.

Die grüne Landtagskandidatin Simone Heitz, langjährige Aktivistin der Bürgerinitiative „KWO abschalten“, schlug den Bogen nach Obrigheim. Es habe sich herausgestellt, dass der „heiße“ Reaktordruckbehälter des still gelegten KWO etwa 200 Jahre lang praktisch nicht behandelbar sei. Mit der „Entsorgung“ alter, hochversprödeter Behälter betrete man Neuland. Deshalb müsse die demnächst anstehende zweite Teilstilllegungsgenehmigung ebenfalls unbedingt mit Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht werden. „Die Nutzung der Atomenergie gleicht einem Blindflug mit ungewissem Landungsziel. Hoffen wir, dass wir sie baldmöglichst beenden und die gefährlichen Reste verantwortlich unterbringen“, so Heitz.

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