Leibhaftiges Sinfonieorchester in Seckach

Seckach. (lm) Als krönender Abschluss des vielfältigen kulturellen Winterangebots gastierte erstmals in der heimischen Musikszene ein leibhaftiges Sinfonieorchester in der Schlossgartenhalle im Ortsteil Großeicholzheim. Für über 200 Kulturbegeisterte hieß es daher am vergangenen Samstag ,,Bühne frei“ für das Orchester des Vereins der Musikfreunde Heidelberg, das hier zudem sein Semesterabschlusskonzert zum Besten gab.

Das auf anerkannt hohem musikalischen Niveau spielende Sinfonieorchester bildet seit Jahrzehnten einen festen Bestandteil des Heidelberger Kulturlebens. Die etwa 70 Musikerinnen und Musiker sind vorwiegend Studierende und Absolventen der Universitäten Heidelberg und Mannheim, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Musikhochschule Mannheim. Unter Mitarbeit von Dirigierstudierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mannheim, die bei den Projekten Dirigierpraxis erlangen, erarbeitet das Orchester in jedem Seminar ein neues sinfonisches Programm, mit dem es überwiegend im Rhein-Neckar-Raum zu hören ist und begeistert.

Stürmisch in ihrem Umgang sowohl mit der Moderne als auch mit der Tradition waren die drei Werke, die in der Schlossgartenhalle uraufgeführt wurden Die Musikfreunde Heidelberg sind für ihre ungewöhnlichen Konzertprogramme weithin bekannt, in denen sie Populäres und selten Gehörtes nebeneinander stellen. Dieses Mal präsentierten sie zwei Raritäten der Orchestermusik und zwar das ,,Konzert für Basstuba und Orchester“ des englischen Komponisten Ralph Vaugham Williams unter der Leitung von Stephan Kocheise und der hervorragenden Mitwirkung des Solisten Matthias Fitting, wobei der Komponist sowohl bezüglich des Soloinstrumentes wie auch in der eigenen Person eine Brücke zur konzertanten Blasmusik schlug. Als Klassiker unter den Tubakonzerten spiegelte sich hierbei die Darbietung als Probestück bei Orchesterbewegungen wieder. Das dreisätzige Werk, formal eher an Modelle Bachs ungelehnt, als an solche von Mozart oder Beethoven, dokumentierte gleichzeitig, zu welcher Virtuosität, Eloquenz und Brillanz die Tuba fähig sein kann. Weiter die ,,Sinfonie Nr. 3“ g-moll, op.42, des Franzosen Albert Roussel unter der musikalischen Leitung von Renè Schuh. Deutlich wurde hierbei, dass Roussel jeden einzelnen Satz kontrastreich und mit zahlreichen Überraschungen gestaltete. Kraftvolle rhythmische Passagen lösten sich abrupt in solistisch melodiöse Passagen auf und ein immer wieder überraschender und ständiger Wechsel der Klangfarben sorgte für bunte Vielfalt.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Leibhaftiges Sinfonieorchester in Seckach“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9172″] Als Einstimmung in den bewegten Abend erklang Felix Mendelssohn-Bartholdys ,,Hebriden-Overtüre“, in der dieser Naturerlebnisse von seiner Reise ins schottische Hochland im Jahre 1829 verarbeitete. Typisch für die ossianische Landschaft ließ sich auch im Verlauf der Hebridenouvertüre die Vertonung eines Sturmes vermuten. Schrille Töne in den hohen Holzblässern, rollende Bewegungsfiguren in den tiefen Streichern und Paukenwirbel im Fortissimo ließen so bei den begeisterten Zuhörern Bilder eines Sturmes aufkommen. Auch das Wechselspiel des Fanfarenmotivs zwischen Streichern und Bläsern konnte als Konflikt und dadurch als metaphorisches Bild für Sturm angesehen werden. Überzeugend dabei die musikalische Führung von Jeanette Schmid.

Bürgermeister Thomas Ludwig zeigte sich eingangs erfreut über die große Resonanz zu diesem Konzert und hieß die Musikbegeisterten in der Schlossgartenhalle als idealen Präsentationsstandort für solch einen kulturellen Leckerbissen willkommen. Sein besonderer Dank galt der Volksbank Mosbach, die mit ihrem Engagement diese Veranstaltung erst möglich gemacht hatte und Dorothee Roos, auf deren Vermittlung man das Sinfonieorchester erst hier begrüßen konnte. Die Gemeinde Seckach sei weithin für ihre darstellende Kunst bekannt und anerkannt und mit diesem außergewöhnlichen Konzert konnte nicht nur ein weiterer Höhepunkt gesetzt, sondern auch das allgemeine kulturelle Angebot im ländlichen Raum mit einem weiteren i-Tüpfelchen versehen werden.

Für die Bewirtung zeichnete in bewährter Weise der Förderverein der Musikschule Bauland verantwortlich.

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Das Orchester mit Dirigentin Janette Schmid (Foto: Liane Merkle)

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