Kommt der Wolf in den Odenwald?

BUND-Vortrag mit guter Resonanz

Odenwald. (pm) Der Odenwälder Kreisverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte zu einem Vortrag über den Wolf ins Höchster Bürgerhaus eingeladen. Mehr als 80 interessierte Zuhörerinnen folgten den Ausführungen von Sabine Knapp vom Freundeskreis frei lebender Wölfe e.V., die  als sachkundige Referentin gewonnen werden konnte.

Die Heppenheimerin ist ausgebildete Geographin und arbeitet als freiberufliche Lektorin für naturwissenschaftliche Publikationen. Vor zwei Jahren flatterten ihr Texte von den Wissenschaftlern, die das Wolfsmonitoring in der Lausitz machen, auf den Schreibtisch und seitdem lässt sie das Thema „Wölfe in Deutschland“ nicht mehr los. „Ich bekomme alle in Deutschland erscheinenden Zeitungsartikel, in denen das Wort ‚Wolf‘ enthalten ist, auf den Tisch – täglich mindestens drei Stück“ sagt sie über die Intensität, mit der sie den Stand der Wissenschaft und der Pressemeldungen zu den Wölfen in Deutschland verfolgt. Umfassender kann man sich wohl kaum informieren.

Dies wurde ziemlich schnell bei ihrem Vortrag klar, in dem sie über die Verbreitung des Wolfes in Deutschland berichtete und sich schließlich auch mit der schwerwiegenden Frage beschäftigte ‚Wie gefährlich sind Wölfe?‘. Im Publikum waren die Odenwälder Tierhalter mit zunächst emotional aufgeladenen Fragen und Anmerkungen stark vertreten. Allerdings meisterte Sabine Knapp souverän die drohende Emotionalisierung der Redebeiträge und konnte mit ihren Ausführungen deutlich machen, dass es ihr nicht um das Aufreißen von Gräben zwischen unterschiedlichen Interessengruppen geht sondern um eine sachorientierte gemeinsame Strategie bei der Vorbereitung auf die Ankunft des Wolfes in Hessen und im Odenwald. Aus ihrem Vortrag wurde klar – und aus den Reihen der Schafhalter wurde dies bestätigt – es geht nicht mehr um die Frage ‚ob der Wolf im Odenwald wieder heimisch werden wird‘ sondern ‚wann wird er kommen?‘




Das Bundesamt für Naturschutz hatte in einer Studie das Gebiet der ersten Wolfs-Wiederansiedlung in Deutschland – die Lausitz – mit allen Landkreisen verglichen und kam zu dem Ergebnis, dass der Odenwaldkreis mit der Lausitz überaus große Gemeinsamkeiten in seiner Landschaftsgestalt aufweist. Das Bundesamt hält die Wiederansiedlung des Wolfes in unserer Region für höchst wahrscheinlich.

Sabine Knapp benannte deutlich, was zur Zeit dringend notwendig ist: ein hessisches Wolfsmanagement, das die zu erwartenden Probleme angeht. Als positives Beispiel nannte sie die Niederlande, die ein solches Management aufgebaut haben, obwohl in unserem Nachbarland bislang kein einziger lebender Wolf in Freiheit gesichtet wurde. Hessen jedoch war in den letzten Jahren bereits wiederholt Trittstein für wandernde Wölfe, und ein einzelnes Tier lebte im Reinhardswald sogar mehrere Jahre lang.

Der Vortrag behandelte wichtige Vorbereitungen für Tierhalter, die für ein gedeihliches Nebeneinander von Nutztieren und Wolf getroffen werden müssen – dies kann jedoch nicht allein von den Tierhaltern geleistet werden, politische Weichenstellungen sind notwendig. Auch für die Jägerschaft, die an diesem Abend ebenfalls gut vertreten war, wurden bislang noch offene Fragen aufgezeigt. So wurde nach den ersten Wolfssichtungen in der Lausitz der Abschuss freilaufender Hunde im Wald eingestellt, um Verwechslungen mit dem Wolf auszuschließen.

Die Resonanz des Abends war eindeutig positiv – wobei sowohl der Freundeskreis frei lebender Wölfe als auch der BUND sich für den umgehenden Start eines hessischen Wolfsmanagements aussprachen. BUND-Sprecher Harald Hoppe „Die neue Landesregierung hat von der Natur diese wichtige Aufgabe in ihrem Hausaufgabenheft eingetragen bekommen. Wir fordern die Koalition von CDU und Bündnis90-DIE GRÜNEN auf, schnell zu handeln.“ Das Höchster Publikum teilte diese Grundauffassung.

Der Vortrag „Der Wolf im Odenwald?“ von Sabine Knapp wird am Dienstag, den 28.01.2014 um 19 Uhr im Beerfeldener Bürgerhaus in der Marktstraße 15 wiederholt.

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