Hauk zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Chancen und Risiken – Minister Peter Hauk MdL: „Wenn hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden, lassen sich Algorithmen im Gesundheitswesen zum Wohle der Verbraucher nutzen“

 Stuttgart.  (pm) „Das Potenzial von Algorithmen im Gesundheitswesen birgt betrĂ€chtliche Möglichkeiten fĂŒr Verbraucher. Der Vorteil besteht darin, dass die Algorithmen schneller und bei bestimmten Prozessen zuverlĂ€ssiger als Menschen arbeiten und beispielsweise aus riesigen Datenmengen Krankheiten rasch identifizieren können. Diagnosen können prĂ€ziser gestellt und Patienten individueller behandelt werden. Durch personalisierte PrĂ€ventionsmaßnahmen kann in bestimmten FĂ€llen sogar die Entstehung von Krankheiten verhindert werden“, sagte der Minister fĂŒr LĂ€ndlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL am Freitag in Stuttgart.

„Hinzu kommen Vorteile hinsichtlich der VersorgungsqualitĂ€t fĂŒr Patienten, beispielsweise durch digitale Assistenten wie BlutzuckermessgerĂ€te. Es gibt jedoch auch kritische Aspekte. Digitale Angebote generieren eine Vielzahl an Daten und schaffen eine Art glĂ€sernen Patienten. Es muss geklĂ€rt werden, wer in welchem Umfang und zu welchem Zweck einen Zugang zu digitalen Gesundheitsdaten erhĂ€lt. Das Risiko, dass Gesundheitsprofile in falsche HĂ€nde geraten, halte ich derzeit noch fĂŒr sehr hoch. Der Schutz von sensiblen Patientendaten steht deshalb an oberster Stelle. Als Verbraucherschutzminister fordere ich die Bundesregierung daher dazu auf, klare Kriterien im Hinblick auf die Sicherheit und die Verwertung digitaler Gesundheitsdaten zu aufzustellen“, betonte der Minister.

Kriterien an die Verwertung von Gesundheitsdaten aufstellen

„Krankenkassen können mit Hilfe von Algorithmen die digitalen Gesundheitsdaten auswerten und ihre Tarife sowie Bonusprogramme individuell auf die Versicherten ausrichten. Gleichzeitig kann die Speicherung und VerfĂŒgbarkeit von Daten dafĂŒr sorgen, dass diese durch Algorithmen ausgewertet werden und der Bedarf an speziellen Gesundheitsprodukten fĂŒr Versicherungsnehmer ermittelt werden kann. Unternehmen können diese passgenau und individuell entwickeln und ĂŒber die Krankenkassen Zugang zu dem angestrebten Personenkreis erhalten“, sagte Hauk. „Damit wĂ€re es möglich, bestimmte Risikogruppen gezielt anzusprechen, um ihnen passende Produkte zu empfehlen. Es besteht die Möglichkeit maßgeschneiderter Werbung fĂŒr neue E-Health-Apps, die mit dem Briefkopf der Krankenkassen versehen sein können. Selbst wenn es sich bei diesen Beispielen noch um Zukunftsszenarien handelt, technisch möglich ist das bereits. Daher mĂŒssen wir uns bereits jetzt mit dem technisch Möglichen befassen und uns rechtzeitig darum kĂŒmmern, was wĂŒnschenswert wĂ€re und was nicht“, so der Minister.

Unternehmen dĂŒrften weder in die Lage versetzt werden, sensible Patientendaten beispielsweise aus digitalen Patientenakten auszuwerten, noch dĂŒrfe ihnen eine detaillierte Auswertung der Daten zur VerfĂŒgung gestellt werden, um damit neue GeschĂ€ftsmodelle oder Vertriebswege zu eröffnen. „Wenn es um die anonymisierte Auswertung der Abrechnungsdaten von Versicherungsunternehmen fĂŒr Forschungszwecke geht, bin ich offener. Dies dient letztlich allen Verbrauchern. Sofern gewĂ€hrleitet wird, dass eine RĂŒckverfolgung auf den einzelnen Versicherten ausgeschlossen ist, unterstĂŒtze ich den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn“, sagte Hauk.

Drei Stufen der Sicherung digitaler Gesundheitsdaten

„Die Sicherheit von Gesundheitsdaten muss gewĂ€hrleistet werden. Nur dann können Verbraucher unbesorgt die Vorteile digitaler Gesundheitsanwendungen nutzen. Auch hier rufe ich den Bund dazu auf, KrankenhĂ€user und Arztpraxen dazu zu verpflichten, ein umfassendes Sicherungssystem zu garantieren. Sofern Krankenkassen digitale Daten ihrer Versicherungsnehmer erheben, beispielsweise fĂŒr sogenannte ‚Pay-as-you-live‘-Tarife (PAYL-Tarife) – also die Berechnung des Versicherungsbeitrags entsprechend des Lebensstils und das Angebot von Bonusprogrammen auf Basis digitaler Gesundheitsdaten – mĂŒssen drei Stufen der Sicherheit gewĂ€hrleistet sein“, so Minister Hauk. Erstens mĂŒsse die EndgerĂ€te-Sicherheit gewĂ€hrleistet sein. Das heißt, dass das Smartphone des Patienten vor unerlaubten Zugriffen bewahrt wird. Zweitens sei bei der Übertragung der von Fitnesstrackern erfassten Daten auf einen gesicherten Transfer zu achten. Und drittens dĂŒrfe die Speicherung und der Abruf der sehr sensiblen Patientendaten bei den Versicherungsunternehmen nur unter strengsten Sicherheitsanforderungen erfolgen.

Algorithmen-Kampagne \#seiunberechenbar

„Verbraucher können sich auf unserer Kampagnen-Website www.seiunberechenbar.de informieren, welchen Einfluss Algorithmen im Alltag haben, so beispielsweise auch im Gesundheitswesen. Die Seite gibt konkrete Tipps an die Hand, wie man sich ‚unberechenbarer‘ machen kann“, sagte Hauk. Experteninterviews, Filme und kurze Videoclips, die auch ĂŒber die Social-Media-KanĂ€le des Ministeriums und auf dem Verbraucherportal gestreut werden, runden dieses bislang einzigartige Informationsangebot ab.

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