Große Spannbreite bei Getreideerträgen

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(Foto: LBV)

Bauernverband erwartet Durchschnittsernte

Stuttgart.  (pm) Nach einer schwierigen Herbstaussaat und einem milden Winter hat das sehr trockene Frühjahr 2020 die diesjährige Anbausaison geprägt. Im Norden des Landes mussten die Landwirte zudem im Mai Frostschäden verkraften. Trotz schwieriger Witterungsbedingungen gibt der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), Joachim Rukwied Entwarnung. Dies präsentierte er der Öffentlichkeit auf der heutigen Ernte-Pressekonferenz, auf dem Obsthof der Familie Bauer in Stuttgart-Bad Cannstatt.

„Der fehlende Regen im Frühjahr hat den Getreide- und Rapsbeständen regional weniger geschadet als zunächst befürchtet“, erklärt der Bauernpräsident. „In Summe gehen wir von einer Durchschnittsernte aus.“

Die Getreideaussaat im Herbst 2019 fand häufig unter schwierigen Bedingungen statt. Der milde Winter hatte dem Boden wenige Frosttage gegönnt, was keine optimale Bodenstruktur zur Folge hatte. Dennoch kamen die Getreide- und Rapsbestände überwiegend gut entwickelt aus dem Winter. Ein erhebliches Niederschlagsdefizit ab Mitte März ließ erste Ertragsverluste befürchten. In weiten Teilen der Ackerbauregionen des Landes hat es im April und auch im Mai kaum geregnet. Wind und eine hohe Sonnenscheindauer begünstigten die Austrocknung der Böden.

Uneinheitliche Ernteerträge in den Regionen

Im Norden des Landes haben dieses Jahr zudem Spätfröste ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur in Weinbergen kam es zu Schäden, auch das Wintergetreide wurde hart getroffen. Minusgrade inmitten der Gerstenblüte beschädigten das Getreide, sodass die Ähren häufig keine Körner ausbildeten.

„Zu Beginn der Ernte fielen die Prognosen aufgrund des Witterungsverlaufs meist negativer aus. Dementsprechend überraschten die Ergebnisse an vielen Standorten. Insgesamt war die Ernte sehr heterogen, aber mit Blick auf die schwierigen Bedingungen noch zufriedenstellend“, sagt LBV-Präsident Rukwied.

Wirtschaften unter strengen Corona-Auflagen

Die Arbeitsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe ist nicht zuletzt durch die Sonderregelung für ausländische Saisonarbeitskräfte des Bundeslandwirtschafts- und Bundesinnenministeriums im April gewährleistet. Über die Plattform des Deutschen Bauernverbandes konnten im April und Mai Saisonarbeitskräfte auch nach Baden-Württemberg einreisen. „Unsere Bauernfamilien setzen alles daran, dass die strengen Hygieneregeln auf den Betrieben eingehalten werden, um ihre Saisonarbeiter, ihre Familien sowie ihr Umfeld zu schützen und ihre Ernten zu sichern.“

Wertschätzung der Landwirtschaft und verlässliche Rahmenbedingungen

Die Bauern im Land haben zu Beginn der Corona-Krise viel Zuspruch und Wertschätzung für ihre Arbeit bekommen. Das haben die Bürger verstärkt auch mit ihrem Einkauf in den Hofläden, an den Automaten oder Verkaufsständen honoriert. Wie wichtig die Landwirtschaft ist, hat die Politik in Krisenzeiten ebenfalls erkannt und den Wirtschaftszweig als systemrelevant eingestuft. „Wir freuen uns, dass unserer heimische Landwirtschaft dieser Stellenwert eingeräumt wurde. Wir Bauern wollen auch in Zukunft die Bevölkerung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln versorgen und gleichzeitig noch mehr für Umwelt-, Klimaschutz und Tierwohl leisten. Das geht aber nicht zum Nulltarif, sondern muss sich in einem höheren Preis für Lebensmittel abbilden. Dieser Mehrwert muss auch bei den Bauern ankommen“, fordert LBV-Präsident Rukwied. Zudem sei es wichtig, verlässliche Rahmenbedingungen für die Arbeit der bäuerlichen Familienbetriebe zu schaffen und sie nicht mit härteren gesetzlichen Auflagen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit einzuschränken.

Hintergrund:

Ernteergebnisse 2020:

  • Winterweizen: unverändert zum Vorjahresergebnis; +0,3 Prozent über dem langjährigen Mittel. Qualität: Der Weizen hat eine gute Backqualität, teilweise niedrige Proteingehalte.
  • Wintergerste: -8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; -4,3 Prozent unter dem langjährigen Mittel. In Nord-Ost-Württemberg kam es im Mai zu Spätfrösten. Minusgrade inmitten der Gerstenblüte beschädigten das Getreide, sodass die Ähren häufig keine Körner ausbildeten. Besonders stark betroffene Bestände wurden deshalb frühzeitig siliert.
  • Sommergerste: -3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; +3,3 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Sehr gute Brauqualität. Braugerste kann nur mit deutlichen Preisabschlägen im Vergleich zum Vorjahr vermarktet werden, da die Nachfrage aufgrund der Coronakrise (geschlossene Gaststätten, abgesagte Großveranstaltungen) nicht gegeben ist.
  • Raps: Der Ertrag liegt 8 Prozent über dem Vorjahr und +0,8 Prozent über langjährigem Mittel. Qualität: Gute Ölgehalte von 42 bis 45 Prozent.

Ökologischer Landbau: Die Situation im ökologischen Getreidebau ist ähnlich der im konventionellen, die Ergebnisse sind regional sehr unterschiedlich und heterogen mit einer großen Streubreite. Die Bestandsentwicklung war entscheidend abhängig vom Saattermin und dem anschließenden Wasserangebot. Die Ernteergebnisse der Kulturen werden insgesamt aber als gut beschrieben, die Qualitäten können überzeugen.

Die ersten Preisprognosen lassen auf stabile Preise schließen.
Die Qualität kann meist überzeugen. Ob der Regen in den Spätdruschgebieten Auswirkungen hat, muss sich noch zeigen. Bei Weizen sind die Klebergehalte (Backqualität) gut bis sehr gut, schlechte Werte sind die Ausnahme. Hafer liefert ebenfalls zufriedenstellende Ergebnisse bei guten Hektolitergewichten.

Anbauflächen in Baden-Württemberg: Mit einer Fläche von 203.800 Hektar ist der Winterweizen weiterhin die Hauptkultur in Baden-Württemberg, gefolgt von Winter- (87.200 Hektar) und Sommergerste (63.300 Hektar). Aufgrund der schwierigen Saatbedingungen im Herbst säten die Landwirte im Frühjahr 73,2 Prozent mehr Sommerweizen (3.700 Hektar). Der Anbau von Triticale lag bei 21.700 Hektar und Hafer bei 18.300 Hektar. Körnermais hielt sich stabil mit 58.800 Hektar. Der Winterrapsanbau stieg leicht auf 41.800 Hektar, Pflanzen zur Grünernte blieben stabil bei 206.800 Hektar, darunter Silomais mit 134.900 Hektar.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 36.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 23 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.

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