Soziales Netz hält trotz Pandemie

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(Symbolbild – Pixabay)

Landrat Dr. Achim Brötel: „Das Virus bestimmt unseren Alltag“ – Erfolge bei ärztlicher Versorgung und Integration

Aglasterhausen.  (pm) Einen weiteren Zwischenbericht über die Auswirkungen der Corona-Pandemie legte die Landkreisverwaltung vergangene Woche dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales bei einer Corona-konformen Sitzung in der Sport- und Festhalle in Aglasterhausen vor. Zusätzliche Informationen galten der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, Anpassungen im Bereich der Höchstmieten, neuen Konzepten zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im Landkreis sowie der Integrationsarbeit.

Corona

„Das Virus bestimmt nach wie vor unseren Alltag. Aber wir haben tatsächlich gelernt, mit der Krise zu leben. Um Ihnen das einmal mehr zu verdeutlichen, möchten wir über die Situation im sozialen Bereich berichten“, führte Landrat Dr. Achim Brötel in den Sachstandsbericht des Sozialbereichs ein.

Im Einzelnen stellte die Leiterin des Fachbereichs Jugend und Soziales des Landratsamts Renate Körber die Herausforderungen vor. „Die Maßnahmen gegen Covid-19 haben auch in Zeiten des zweiten Lockdowns massive Auswirkungen auf das soziale Leben“, stellte Körber fest. So bekomme man auf dem Arbeitsmarkt die Auswirkungen mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,9 Prozent unmittelbar zu spüren. Erfreulich sei, dass trotz schwierigster Rahmenbedingungen die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Jobcenter seit Jahresbeginn lediglich um 79 Fälle gestiegen ist. Momentan könnten, so Körber weiter, soziale Einrichtungen wie beispielsweise in der Eingliederungshilfe ihre Leistungen zum überwiegenden Teil erbringen, wobei die Leistungserbringer ihre Mehraufwendungen geltend machen.

Auch die Mitarbeiter des Landratsamts führen ihre Dienstgeschäfte unter Beachtung aller Hygiene- und Abstandsregelungen ebenso fort. So seien die Pflegestützpunkte in Buchen und Mosbach nach wie vor geöffnet und die Suchtberatung sei sichergestellt, betonte Körber. Das Frauen- und Kinderschutzhaus habe ebenso geöffnet. „Nach einem Corona-bedingten Belegungsrückgang im Frühjahr steigen die Zahlen nun wieder an. Aktuell sind allerdings noch freie Kapazitäten vorhanden“, stellte Körber fest. Auch bei der Hilfe zur Pflege sei seit Jahresbeginn ein starker Anstieg zu verzeichnen.

Man bewege sich, so Körber, hier ständig in dem Spannungsfeld zwischen dem besonderen Schutz vulnerabler Gruppen und der Vermeidung der Vereinsamung Pflegebedürftiger. Mit einem vorsichtig optimistischen Ausblick auf das nächste Jahr beendete Renate Körber ihren Sachstandsbericht, der von den Ausschussmitgliedern anerkennend zur Kenntnis genommen wurde.

Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG)

Zudem erhielt der Ausschuss einen erneuten Bericht über die Umsetzung des BTHG im Kreis. „Nach langwierigen Verhandlungen mit
zwischenzeitlichen Denkpausen haben sich alle Beteiligten inzwischen auf einen Landesrahmenvertrag (LRV) geeinigt“, erklärte Landrat Brötel. Er verwies darauf, dass mit dem geplanten Inkrafttreten des LRV zum Jahreswechsel wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung von Menschen mit Behinderung zu stärken. Schon jetzt stehe jedoch fest, dass die Ausgestaltung und die Verhandlung der Leistungsangebote eine große Herausforderung wird.

Sowohl beim Träger der Eingliederungshilfe als auch bei den Leistungserbringern ist damit ein nicht unerheblicher Aufwand verbunden. Ob der 2021 im Kreishaushalt eingeplante Erstattungsbetrag in Höhe von 775.000 Euro letztendlich auch für die durch den LRV prognostizierten Mehrkosten ausreichen wird, sei derzeit noch nicht absehbar, so der Landrat.
 
Für Leistungsberechtigte im Rahmen der Sozialhilfe und der Grundsicherung für Arbeitssuchende übernimmt der Neckar-Odenwald-Kreis die tatsächlichen Kosten für Unterkunft und Heizung, soweit diese angemessen sind. Die Angemessenheit der Kaltmieten wird dabei in einer Höchstmiettabelle festgelegt.

„Der Wohnungsmarkt hat sich seit der letzten Anpassung im Jahr 2017 allerdings kontinuierlich und vor allem mit einer wachsenden Dynamik weiterentwickelt, was eine Fortschreibung der Tabelle erforderlich macht“, betonte Landrat Brötel bei diesem Tagesordnungspunkt.

Deutliche Mietpreissteigerung

Hierfür wurden zunächst die Kaltmieten aller bisherigen Leistungsbezieher erhoben. Ergänzend dazu seien die Kaltmieten aus dem Wohnungsbestand der Baugenossenschaften Familienheim Mosbach und Buchen sowie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in die Erhebung mit eingeflossen. „Insgesamt wurden die Daten von rund 4.250 Mietverhältnissen erfasst. Wir haben somit eine umfassende Auswertung des Wohnungsmarkts vorgenommen, sofern uns die erforderlichen Daten dazu zur Verfügung standen“, sagte Brötel.

Die Auswertung habe eine deutliche Mietpreissteigerung in den letzten drei Jahren ergeben. Da viele Leistungen im Bereich der Unterkunftskosten vom Bund übernommen werden, seien für den Landkreis nur geringe finanzielle Mehrbelastungen zu erwarten. Die Ausschussmitglieder stimmten der Einführung der neuen Richtwerttabelle zu.
 
„Da sich der Ärztemangel in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach im Kreis dramatisch verschärfen wird, hat die Verwaltung in Zusammenarbeit mit den
Neckar-Odenwald-Kliniken Konzepte zur Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung im Landkreis erarbeitet“, leitete Landrat Brötel zu einem weiteren wichtigen Beratungsgegenstand über.

„Wir für Medizin(er)“

Verantwortlich für deren Umsetzung ist Lisa-Marie Bundschuh von der Stabsstelle Kreisentwicklung, die die einzelnen Komponenten vorstellte. Das Herzstück dabei bildet das Medizinernetzwerk „Wir für Medizin(er)“.

„Zum Wintersemester 2020/21 hat der Neckar-Odenwald-Kreis auf Grundlage der Richtlinien zum Landarzt-Stipendium erstmals zwei Stipendien an Studierende der Humanmedizin vergeben“, erläuterte Bundschuh in einer Präsentation. Aus verschiedenen Rückmeldungen des ersten Bewerbungsverfahrens hat sich ergeben, die Bedingungen zum Landarzt-Stipendium noch einmal anzupassen. „Daher sollen nur noch Anteile der Famulatur und des Praktischen Jahres im Neckar-Odenwald-Kreis absolviert werden“, so Bundschuh. Damit möchte man Interessenten die Möglichkeit geben, Ausbildungsabschnitte auch außerhalb des Landkreises, insbesondere im Ausland, zu absolvieren. Die Modifizierungen wurden vom Ausschuss einstimmig mitgetragen.

„Wir sind hier inzwischen sehr gut aufgestellt“, so der Tenor der Ausschussmitglieder. Die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Gewinnung von Medizinern untermauert eine im Frühjahr dieses Jahres durchgeführte Bedarfsanalyse zur ambulanten ärztlichen Versorgung im Kreis. Die Auswertung ergab, dass in den nächsten fünf Jahren 15 Praxen eine Nachfolge suchen werden.

Integration

„Corona überlagert momentan nahezu alles. Deshalb ist es um das Thema Integration geflüchteter Menschen in der Öffentlichkeit auch deutlich ruhiger geworden als zuvor. Das heißt aber natürlich nicht, dass dort nichts mehr zu tun wäre“, erläuterte Dr. Brötel schließlich die unverminderten Anstrengungen im Bereich der Integration und leitet damit zu einem Tätigkeitsbericht des Integrationsbeauftragten Peter Wojcik über.

„Ich sehe mich als Vermittler zwischen den Migranten, der Verwaltung und der in der Integration tätigen Akteure“, beschrieb dieser seine Kernaufgaben. Weitere seien der Aufbau und die Weiterentwicklung eines Integrationsnetzwerks, die Entwicklung und Fortführung eines kommunalen Integrationsplans sowie die Förderung der interkulturellen Öffnung der Gesellschaft. Er koordiniert und vernetzt die Arbeit der im Kreisgebiet tätigen hauptamtlichen Kräfte im Bereich der Integration.

Diese kommen aus der Caritas, dem Diakonischen Werk, dem Deutschen Roten Kreuz sowie der Handwerks- und der Industrie- und Handelskammer sowie aus den Städten Buchen, Mosbach und Walldürn/Höpfingen. Ihnen obliegen in erster Linie die Sozialberatung und -begleitung durch Einzelfallhilfe, die Information über Integrations- und spezielle Beratungsangebote, die Erstellung, Auswertung und Überprüfung sowie Fortschreibung eines personenspezifischen Integrationsplans, die Information und Heranführung an geeignete Angebote von Ehrenamtlichen sowie an bürgerschaftliche und zivilgesellschaftliche Strukturen und Vereine.

„Gemeinsam haben wir in den letzten vier Jahren viel erreicht“, unterstrich Wojcik die gute Zusammenarbeit und er berichtete über erfolgreiche Programme und Veranstaltungen. Für die Zukunft plane er die Durchführung eines „Tags der Vielfalt“ sowie einer Vortragsreihe. Derzeit arbeite er an einem Integrationskonzept, das im Frühjahr kommenden Jahres fertiggestellt sein soll.

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