Landrat fordert Impfungen durch Hausärzte

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Dringende Anregung zur Landesimpfstrategie – Impfzentren nur für BioNTech/Pfizer-Impfstoff nutzen**

Mosbach.  (pm) Nachdem am vergangenen Freitag das Kreisimpfzentrum in Mosbach vorgestellt wurde, erreichte das Landratsamt eine Vielzahl von Anfragen. Dies macht deutlich: Es gibt einen hohen Informationsbedarf, ebenso ist die Erwartungshaltung der Menschen inzwischen groß. Deshalb appelliert Landrat Dr. Achim Brötel nun an die Verantwortlichen beim Land, Impfungen so schnell wie möglich auch in Hausarztpraxen zu ermöglichen.

Dies könne erreicht werden, wenn man die in hausärztlichen Praxen einsetzbaren Impfstoffe komplett dorthin statt in die Impfzentren liefere. Seine „dringende Anregung“ fasste der Landrat zu Wochenbeginn in einem Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manfred Lucha zusammen.

„Vor Weihnachten gab es noch gewisse Ressentiments gegen das Impfen. Inzwischen kann es den meisten jetzt plötzlich gar nicht mehr schnell genug gehen“, beschreibt der Landrat darin seine Erfahrungen vor Ort. Die Impfung sei für viele der Strohhalm, an den sie ihre ganze Hoffnung klammern, um wieder in ein halbwegs normales Leben zurückkehren zu können.

Umso mehr müsse man jetzt gemeinsam alles daransetzen, das „Megathema Impfen“ zu einem Erfolg zu machen, unterstreicht Brötel. Für den Neckar-Odenwald-Kreis könne er jedenfalls ohne Wenn und Aber erklären, dass man mit dem Aufbau des Impfzentrums in Mosbach seinen Teil dazu beitragen habe.

Auch sei das Mehr-Phasen-Modell des Landes nicht zuletzt vor dem Hintergrund des aktuell zur Verfügung stehenden Impfstoffs durchaus klug gewählt. Gleichwohl müsse man, so Brötel zu seinem Kernanliegen, die Phase 3, also die Impf-Regelversorgung in den Haus- und Facharztpraxen, zeitlich so weit wie irgend möglich vorziehen. „In meinen Augen entspricht nämlich tatsächlich erst eine Überführung in die hausärztliche Regelversorgung den Erwartungen an Tempo und Flächendeckung der Impfung, die wir alle so dringend brauchen“, erklärt Brötel.

Momentan gebe es zu zentralen „Ersatz“-Lösungen wie den Impfzentren zwar definitiv keine Alternative. Das liege schon allein an den besonderen Sensibilitäten des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer. Aber bereits der neue Impfstoff von Moderna und die anderen kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson seien wesentlich einfacher zu handhaben und können schon bei minus 20 Grad oder weniger gelagert werden. Solche Voraussetzungen gebe es in hausärztlichen Praxen.

Einen weiteren Vorteil sieht Brötel darin, dass in der hausärztlichen Praxis „die Ärztin oder der Arzt des Vertrauens“ impfe. Zudem gebe es da ein eingespieltes Team aus Arzt und medizinischem Fachpersonal und man kenne die Vorgeschichte der Patientin oder des Patienten und könne damit mögliche Risiken viel besser einschätzen.

„Und: die Wege sind gerade für ältere Patientinnen und Patienten vertraut, insbesondere aber auch deutlich kürzer als in das nächste Kreisimpfzentrum. Dadurch würden sich also auch die nahezu endlosen Diskussionen über die Frage, wie Seniorinnen und Senioren gerade im ländlichen Raum über Distanzen von gut und gerne 50 Kilometer oder mehr eigentlich überhaupt in das Kreisimpfzentrum kommen sollen, sofort erledigen“, betont der Landrat in dem vierseitigen Brief.

Auf dieser Basis solle man die an sich richtige Impfstrategie des Landes in ihrer zeitlichen Komponente noch einmal überdenken und so schnell wie irgend möglich, spätestens aber wie vorgesehen Anfang April, die nächste Phase einleiten und in den zentralen Impfzentren nur noch diejenigen Präparate verimpfen, die wie BioNTech/Pfizer eine zentrale Handhabung erfordern. Alle anderen Impfstoffe müssten hingegen komplett in die hausärztlichen Praxen gesteuert werden, fordert Brötel.

Dafür bot der Landrat an, die dafür erforderliche Logistik innerhalb des Kreisgebiets bei der Zuführung des Impfstoffs zu übernehmen. Das sei seit der Verteilung der Schutzausrüstung ein eingespieltes System. Auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte stünden für die Impfung in den Praxen jederzeit bereit. Entsprechend bat Brötel Ministerpräsident Kretschmann und Minister Lucha, das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen und den skizzierten Weg so zu beschreiten. „Baden-Württemberg darf dem Rest der Republik ruhig wieder einmal zeigen, wie es besser geht. Da ist jetzt beherztes Handeln gefragt“, so Brötel abschließend.

Hintergrund

Umfassende Informationen zum Thema Impfen und dem Kreisimpfzentrum stellt der Landkreis auf seiner Webseite im Rahmen der Corona-Informationen bzw. unter dem Suchwort „Kreisimpfzentrum“ bereit.

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