Mahnwachen für Fukushima gehen weiter

Montags von 18 bis 18.30 auf dem Kirchplatz in Mosbach

Mosbach. Seit der Nuklear-Katastrophe in Fukushima trafen sich jeweils 20 bis 100 Menschen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis jeden Montagabend in Mosbach auf dem Kirchplatz , um bei einer Mahnwache an die Betroffenen in Japan zu denken und den Ausstieg aus der Atomenergie zu fordern, so auch am Pfingstmontag. In mehr als 300 Städten fanden gleichzeitig überall in Deutschland Mahnwachen mit mehreren zehntausend Menschen statt, inzwischen zum 14. Mal. Jede Woche gab es wieder erschreckende Nachrichten aus dem Katastrophengebiet, die bei den TeilnehmerInnen der Mahnwache tiefes Mitgefühl auslösten. Die am Anfang noch bestehende Hoffnung, dass der Kraftwerksbetreiber die Schäden in den Griff bekommen würde, musste nach und nach der Erkenntnis weichen, dass die evakuierten Menschen in den nächsten Jahrzehnten nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Inzwischen wurde bekannt, dass die Kernschmelze in den Atomreaktoren bereits kurz nach dem Erdbeben eingetreten war und dass viel mehr Radioaktivität in der Umgebung und mittlerweile auch im Grundwasser gefunden wird als bisher angenommen. Auch an die Arbeiter, die in den havarierten Atomkraftwerken versuchen, Reparaturen, z. B. an der Kühlung oder der Stromversorgung vorzunehmen und die dabei ihre Gesundheit riskieren, wurde gedacht.

Immer wieder wurde bei den Mahnwachen der Versuch unternommen, zu erklären, warum die Atomenergie in Japan trotz der schrecklichen Erfahrung mit den Atombomben in Hiroshima und Nagasaki fast kritiklos hingenommen wurde. Aus Zeitungsberichten, veröffentlichten Interviews und auch aus persönlichen Gesprächen mit japanischen Menschen konnten einige Gründe zusammengetragen werden: In Japan wird über persönliche Dinge und Erfahrungen nur sehr zurückhaltend gesprochen; nach dem 2. Weltkrieg war es für längere Zeit verboten, über die Atombombenabwürfe zu sprechen; Atombombenopfer wollten ihr Schicksal nicht bekannt werden lassen, weil sie dann diskriminiert wurden, z. B. fanden sie keine Ehepartner aus Angst, behinderte Kinder zu bekommen; die Verflechtung zwischen Atomwirtschaft und Regierung waren sehr eng; für die Werbung pro Atomenergie wurde und wird von den Atomkraftwerksbetreibern viel Geld ausgegeben. .
Als Konsequenz aus den Atomkatastrophen in Harrisburg 1979, in Tschernobyl 1986 und in Fukushima sehen die TeilnehmerInnen der Mahnwachen den Atomausstieg und eine schnelle Energiewende als absolute Notwendigkeit. Eine Technologie, bei der technisches oder menschliches Versagen zu unüberschaubaren Katastrophen führt, dürfe nicht weiterbetrieben werden.

Eigentlich war vom Trägerkreis, bestehend aus den Kreisverbänden von Bündnis 90/Die Grünen und SPD, der ev. Kirche, der Arbeiterwohlfahrt und dem Aktionsbündnis Atommüll-Lager Obrigheim am Pfingstmontag die letzte Mahnwache geplant. Aber angesichts der immer schlimmer werdenden Nachrichten aus Fukushima besteht das Bedürfnis, sich weiterhin zu treffen und ein nicht-nachlassendes mit-fühlendes Zeichen für die Opfer der Nuklearkatastrophe zu setzen, sowie für den schnellen Atomausstieg und die dezentrale bürgernahe Energiewende einzutreten. Deshalb findet weiterhin die montägliche Mahnwache auf dem Kirchplatz in Mosbach von 18 bis 18.30 Uhr statt, zu der alle herzlich eingeladen sind.

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