Flyer zum Bildungs- und Teilhabepaket

Um über das Bildungs- und Teilhabepaket zu informieren, hat der Fachbereich Jugend, Gesundheit, Arbeit und Soziales des Landratsamtes im Neckar-Odenwald-Kreis eigens Flyer drucken lassen. Die liegen dort, in den Rathäusern und zum Teil auch in Schulen und Kindergärten aus und zeigen Wirkung: Fast die Hälfte der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen konnten hier bis dato bereits vom Bildungspaket profitieren. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Das von der Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen initiierte „Bildungs- und Teilhabepaket“ hat im Frühjahr für reichlich Furore gesorgt. Nach vielen Diskussionen ist das Gesetz endlich am 1. April rückwirkend in Kraft getreten. Um dann – so war es zumindest in den Medien zu lesen – von den Berechtigten kaum in Anspruch genommen zu werden. Unbekannt, unverständlich, zu kompliziert: die Kritik war vielfältig. Mittlerweile ist es stiller geworden. Allerdings nicht, weil das Paket mit dem zweifellos richtigen Ansatz, Kinder aus bedürftigen Familien gezielt zu fördern, in Vergessenheit gerät. Im Gegenteil, wie zumindest Renate Körber vom Fachbereich Jugend, Gesundheit, Arbeit und Soziales des Landratsamtes im Neckar-Odenwald-Kreis bestätigt: „Bei uns läuft das sehr gut. Und zwar von Anfang an, von ganz normalen Anlaufproblemen einmal abgesehen.“

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Flyer zum Bildungs- und Teilhabepaket“ url=“//www.nokzeit.de/?p=14540″]  Tatsächlich sprechen 1.438 Anträge, die bis dato beim Landratsamt eingegangen sind, eine deutliche Sprache. 79.825 EUR wurden schon ausgezahlt. Die Summe setzt sich aus sehr vielen Einzelbeträgen zusammen, die für Schulmaterialien, Mittagsverpflegung, Ausflüge oder Vereinsbeiträge beantragt werden. Daraus resultiert ein immenser bürokratischer Aufwand, wie Renate Körber betont: „Da sind wir noch am Überlegen, wie wir diesen Aufwand minimieren können. Grundsätzlich aber ist das eine tolle Sache, weil wir Leistungen für Kinder bewilligen können, die wir vorher regelmäßig ablehnen mussten.“ Fast die Hälfte der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen konnten im Neckar-Odenwald-Kreis bereits vom Bildungspaket profitieren. Dabei handelt es sich nicht nur um „Hartz-IV“-Familien, sondern auch um Kinder, deren Eltern Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialgeld oder Sozialhilfe erhalten – also rund 3.200 Kinder allein im Neckar-Odenwald-Kreis.

Zu diesen Kindern gehören auch Maximilian und Maria aus Obrigheim, acht und sechs Jahre alt. Ihre Mutter Luise ist alleinerziehend und arbeitet Teilzeit. Lohn, Kindergeld und Kindesunterhalt reichen nicht ganz, um den Bedarf zu decken – das „Amt“ stockt einen geringen Betrag auf. Deshalb zählen auch Luise und ihre Kinder zu den Anspruchsberechtigten. Erfahren hat sie erst im Mai von den neuen Möglichkeiten – im Gespräch mit einem Verwandten. Seitdem wurden mehrere Schulausflüge ihres Sohnes, die regelmäßige Teilnahme an einer Rhythmik-AG sowie das Kinderturnen für die kleine Tochter bewilligt, insgesamt ein Betrag von im Schnitt rund 25 Euro monatlich. „Obwohl ich regelmäßig Zeitung lese, ist dieses Thema irgendwie an mir vorbei gegangen. Nachteile hatte ich aber keine, weil auch rückwirkend bewilligt wurde“, erklärt die junge Frau. Grundsätzlich ist Luise sehr froh über die bewilligten Beträge: „Meine Kinder haben auch zuvor an Ausflügen teilgenommen und waren bei der Rhythmik und beim Ballett, weil es mir wichtig ist. Dieses Geld habe ich aber ganz bewusst bei anderen Dingen einsparen müssen. Die Möglichkeit, diese Aufwendungen für die Kinder erstattet zu bekommen, entspannt die Situation einfach. Jetzt ist auch mal ein zusätzlicher Besuch im Schwarzacher Tierpark und ein großes Eis extra drin.“ Das Ausfüllen der Formulare fand sie im Übrigen – entgegen überall geübter Kritik – recht einfach: „Und wenn man was nicht versteht, kann man ja schließlich fragen.“
Durchgefragt hat sich auch die Mutter der dreizehnjährigen Anna. Im Tafelladen wurde sie auf ein Plakat aufmerksam und über das Rote Kreuz und das Arbeitsamt landete sie, die monatlich Wohngeld erhält, dann schließlich bei der „richtigen“ Stelle im Landratsamt. Dieser Tage wurden 280 Euro überwiesen: Für die Fahrkarte ihrer Tochter, für das Mittagessen in der Schule und für die Teilnahme an einer Ferienfreizeit. Grundsätzlich werden die Zuschüsse aber direkt an die Anbieter überwiesen, Ausnahmen wurden nur bei der rückwirkenden Bewilligung gemacht. Die vielen unterschiedlichen Zahlungsempfänger machen die Bearbeitung im Übrigen nicht einfacher. Das merken auch die Berechtigten: „Das hakt schon noch hier und da, man muss halt einiges nachweisen. Aber Frau Haber, die für die Anträge zuständig ist, war absolut freundlich und sehr hilfsbereit. Und natürlich bin ich jetzt sehr froh über diese Geld. Denn meine Tochter kann ja nichts dazu, dass ich nur ein geringes Einkommen habe.“

Das Bildungs- und Teilhabepaket steht unter dem Motto „Mitmachen möglich machen“ und soll eine gezielte Förderung von Kindern aus bedürftigen Familien ermöglichen, für soziale Integration sorgen und bessere Lebens- und Entwicklungschancen bieten, indem Kosten für bestimmte Dinge auf Antrag übernommen werden können. Anspruchsberechtigt sind Kinder und Jugendliche aus Familien, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen.

Konkret gemeint sind Kosten für Schulausflüge, mehrtägige Klassenfahrten, persönlicher Schulbedarf, Schülerbeförderung, Lernförderung und Zuschuss zum Mittagessen in Kindertageseinrichtungen, Schule und Hort, die alle unter den Begriff Bildung gepackt sind. Diese Leistungen sind auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren beschränkt.
Die „Teilhabe“ bezieht sich auf das soziale und kulturelle Leben für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Musikschulen oder die Teilnahme an Ferienfreizeiten – allein hier stehen bis zu 120 Euro pro Jahr und Teilnehmer zur Verfügung – beispielsweise.

Leistungen müssen (außer persönlichem Schulbedarf für alle SGB II und SGB XII-Empfänger) beantragt werden. Anträge gibt es im Jobcenter Neckar-Odenwald in der Renzstraße 14 in Mosbach oder in der Dekan-Blatz-Str. 5 in Buchen, auf dem Bürgermeisteramt oder im Internet unter www.neckar-odenwald-kreis.de bzw. unter www.bildungspaket.bmas.de. Unter der Telefonnummer 06261/675683 können beim Landratsamt weitere Informationen abgerufen werden.

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