Mahnwache: 40 Jahre Tschernobyl

Mahnwache: 40 Jahre Tschernobyl
Mahnwache: 40 Jahre Tschernobyl

(Foto: Brauch-Dylla)

Das Risiko bleibt

Mosbach. (bd) Mit einer Mahnwache auf dem Kirchplatz gedachte die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ am Freitagabend der Reaktorkatastrophen von Tschernobyl vor 40 Jahren und Fukushima im März 2011. Rund eineinhalb Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter die Grüne Kreistags-Fraktionsvorsitzende Simone Heitz, kamen zusammen, um ein Zeichen gegen die anhaltende Nutzung und die von einigen geforderte Renaissance der Atomenergie zu setzen.

Schönfärberei, Verunsicherung, entsorgtes Gemüse

Anlässlich des 40. Jahrestages des Super-GAUs von Tschernobyl am 26. April 1986 erinnerte zunächst Gertrud Patan in persönlichen Worten an das Erleben rund um den 1. Mai 1986. Beim Maifest des DGB auf dem Marktplatz hätten nach kühlen Tagen zahlreiche Menschen bei herrlichem Wetter gefeiert, peu a peu sickerten über die Medien Informationen von einer radioaktiven Belastung durch, während Behörden und Bundesregierung schönfärberisch abwiegelten und die Menschen im Unklaren ließen.

Im Neckar-Odenwald-Kreis habe man insofern Glück gehabt, als das sonnige Frühsommerwetter zunächst anhielt, während in Bayern in Niederschlagsgebieten ein enorm hoher Fallout auftrat, der bis heute dazu führe, dass in bestimmten Gebieten der Verzehr von Pilzen und Wild gesundheitsgefährdend sein könne. Im Kreis musste letztlich jedoch auch vor dem Verzehr von Salat, Frischgemüse, Pilzen und Milchprodukten gewarnt und die entsprechende Ernte entsorgt werden. Besonders junge Eltern hätten sich bemüht ihre Kinder mit Lebensmitteln zu ernähren, die vor dem Gau produziert wurden.

Atomkraft als „ewiges Risiko“

Das Gedenken, das auch den 15. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima mit einschloss, war jedoch nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Vielmehr nutzte die Initiative den Anlass für eindeutige Appelle an die Gegenwart.

In ihren Redebeiträgen formulierten Gertrud Patan und Arno Huth, dass von der Nutzung der Atomenergie trotz des deutschen Atomausstiegs weiterhin erhebliche Gefahren ausgingen. „Radioaktive Strahlung kennt keine Grenzen“, so der Tenor der Beiträge. Patan und Huth verwiesen dabei nicht nur auf die Laufzeiten von Reaktoren im europäischen Ausland – etwa das seit 56 Jahren betriebene Werk Beznau in der Schweiz –, sondern auch auf die ungelöste Endlagerfrage. Über Jahrtausende hinweg gehe von den radioaktiven Abfällen eine Bedrohung aus, für die es bislang keine sichere Lösung gebe.

Kritik an aktueller Politik

Daher erhoben beide die Forderung nach einer sofortigen Stilllegung der Urananreichungsanlage in Gronau sowie der Brennelementefabrik in Lingen. Zudem kritisierte die Initiative die anhaltenden Geschäftsbeziehungen deutscher Firmen mit dem russischen Staatskonzern Rosatom scharf.

Besonders eindringlich schilderten die Redner die Gefahren durch den Einsatz von Atomkraftwerken in aktuellen Kriegssituationen. Mit Verweis auf die Zerstörungen in Tschernobyl, die gefährliche Lage am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja, Drohnenvorfälle am russischen Reaktor Kursk oder Einschläge in der Umgebung des iranischen AKW Buschehr warnten Patan und Huth eindringlich: Atomkraftwerke würden in Konfliktgebieten zu unkalkulierbaren Risiken.

Energiewende statt „Irrweg“

Abschließend erteilten die Redner den Milliardeninvestitionen in die Kernfusion sowie der Entwicklung neuer, „angeblich smarter“ Atomkraftwerke eine klare Absage. Sie bezeichneten diese Technologien als technologische und wirtschaftliche Irrwege, die zu spät kämen, um den Klimawandel zu bremsen. Geradezu absurd sei die Forderung von Jens Spahn (CDU) auf einem “Innovationskongress” die zuletzt stillgelegten deutschen AKW wieder betriebsfähig zu machen. Die Initiative forderte stattdessen, die Energiewende entschlossen durch Energieeinsparungen, konsequente Effizienzsteigerungen, den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien sowie den Ausbau der Speichertechnologien und Netze voranzutreiben.

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