Arbeit hält Ünglert-Müller jung

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Franz Scharmann feiert seinen 90. Geburtstag

von Liane Merkle

Der Jubilar vor seiner Mühle.

Ünglert. Er gehört ebenso zum Ünglertsgrund wie seine Riesenmühle, obwohl er eigentlich kein gebürtiger Odenwälder ist. Die Rede ist von Franz Scharmann, der heute im Kreise seiner Lieben den 90. Geburtstag feiern kann. Dabei glaubt ihm kein Fremder diese 90 Jahre, weder beim Aussehen, noch in der körperlichen und geistigen Fitness.

Geboren wurde der Jubilar am 23.10.1921 in Milsau im Kreis Kaaden a.d. Eger. Hier ist er auch mit seinen beiden Geschwistern auf dem Hofgut aufgewachsen, das sein Vater als Betriebsleiter für einen Professor managte. Der Volks- und Bürgerschule schloss sich eine kaufmännische Lehre an, in deren Anschluss er ein Freiwilligenjahr im Reichsarbeitsdienst absolvierte. Danach wurde er über das Arbeitsamt in einem Rüstungsbetrieb und ab Februar 1942 als Soldat verpflichtet. Und dann hatte ihn die Kriegsmaschinerie voll im Griff. Erst in Charkov (Ukraine), dann zur Invasion 1944 in Südfrankreich, bei den Rückzugskämpfen bis in die Schneeeifel (Westwall). 1945 wurde seine Einheit im Westerwald verladen nach Ungarn, wo sie sich nach großen Verlusten über Neusiedel am See zurück ziehen mussten nach Wien, das schon an allen Ecken brannte.  In Enns a.d. Enns gerieten sie schließlich in amerikanische Gefangenschaft und eine dreimonatige Hölle. Auch das dann folgende „verlauste“ Barackenlager in der Nähe von Linz/Donau schien zunächst keine Besserung zu bringen. Erst durch den Arbeitseinsatz wurde zumindest das Essen besser und als Franz Scharmann endlich Post von den Eltern bekam, die in der Ostzone gelandet waren, kam auch eine gewisse Sicherheit zurück.


Dennoch waren es lange düstere Monate bis er im Mai 1946 endlich wieder seine Freiheit erhielt. Zusammen mit seinem Freund Fritz Sacher arbeitete er einige Wochen bei Bauern im Kreis Grieskirchen in Oberösterreich, bevor die beiden noch einen der letzten Viehtransporte Richtung Deutschland erwischten und im Sommer 1946 bei strömendem Regen in der Seckacher Teufelsklinge ankamen. „Wir wurden der Gemeinde Donebach zugeteilt und fanden ein Dach über dem Kopf“, erinnert sich der rüstige 90-er.

Doch außer einem Dach fand er hier auch die Frau fürs Leben, die bei den Großeltern im Ünglertsgrund Mühle und Landwirtschaft am Laufen hielt. Im Oktober 1952 heiratete er seine Magdalena Schüßler, die eigentlich aus Mörschenhardt stammte. Und deren Großeltern gaben die Verantwortung nur zu gerne in die Hände des jungen Paares, die von der harten Arbeit offensichtlich jung erhalten wurden. Bis 1975 hielten die Scharmanns den Mühlenbetrieb am Laufen, auch wenn der Lebensunterhalt eher auf die Milchviehwirtschaft und eine kleine Schweinezucht aufbaute.


Nach wie vor scheut sich Franz Scharmann nicht vor harter Arbeit, doch seine Leidenschaft gilt dem Lesen und größere Buchbestellungen sind in der Riesenmühle keine Seltenheit.

Seinen Ehrentag feiert Franz Scharmann zusammen mit Ehefrau Magdalena, zwei Kindern und Schwiegerkindern sowie fünf Enkeln mit Partnern und zwei Urenkeln, zahlreichen Verwandten und Freunden.

Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum Geburtstag schließt sich unsere Redaktion gerne an.

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