Hauptschulen fälschlicherweise gebrandmarkt

Logolra

Studien mit falschen Voraussetzungen –  „Unsere schlechteste Schule immer noch besser ist als die beste in einem Ballungsraum!“

Mudau. Der Tagungsort war passend gewählt. Im alten Mudauer Schulhaus – das heute freilich das Rathaus beherbergt – begrüßte Landrat Dr. Achim Brötel die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschusses des Kreistags zur Sitzung. Nach einem Grußwort von Hausherr und Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, in dem der vor allem auf die „sehr gut aufgestellten“ Mudauer Schulen einging, startete die Tagesordnung mit der möglichen Einrichtung eines Bildungsgangs für eine praxisintegrierte Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an der Augusta-Bender-Schule (ABS) Mosbach.

Die CDU-Kreistagsfraktion hatte beantragt zu prüfen, ob für ein solches duales Bildungsangebot auch im Neckar-Odenwald-Kreis ein Bedarf besteht. Unabhängig davon war auch die ABS bereits dabei, entsprechende Überlegungen anzustellen. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg hatte hierzu im Vorfeld in Abstimmung mit den Verbänden ein Konzept entwickelt, um so, mit einer neu strukturierten und dank einer Ausbildungsvergütung finanziell attraktiveren Berufsausbildung  auf den landesweit gestiegenen Bedarf an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern zu reagieren bzw. zusätzliche Berufseinsteiger zu werben. Im Rahmen eines Schulversuchs kann das Konzept schon im laufenden Schuljahr in der Praxis erprobt werden.

Eine Bedarfsprüfung vor Ort fiel nach Auskunft der Verwaltung allerdings negativ aus. Keiner der angefragten Kindergartenträger im Einzugsbereich der ABS hat einen unmittelbaren oder auch nur mittelfristigen Bedarf angemeldet. Die Situation im Ländlichen Raum unterscheidet sich demnach offenbar doch noch von der in den Ballungsgebieten. Dem Beschlussvorschlag, nach dem die Einrichtung dieses Bildungsgangs zunächst zurückgestellt wird, schlossen sich die Ausschussmitglieder deshalb dann auch einstimmig an. Falls sich eine Änderung bei den Bedarfsmeldungen abzeichnet, will man das Thema aber wieder aufrufen.




Eine Untersuchung des Deutschen Caritasverbandes über Schulabgänger, die keinen Hauptschulabschluss erreichen, hatte im Sommer 2012 im Kreis für Aufsehen gesorgt. Genau wie eine Bertelsmann-Studie zwei Jahre zuvor kam auch diese Untersuchung nämlich zu dem Schluss, dass der Neckar-Odenwald-Kreis mit angeblich 9,1 Prozent Abgängern ohne Hauptschulabschluss baden-württembergweit das mit Abstand schlechteste Ergebnis – der Landesdurchschnitt liegt bei rund sechs Prozent – erzielt. „Wenn wir schon in die Schlagzeilen kommen, dann bitte positiv. Oder zumindest mit korrekten Zahlen. Dass wir nun schon zum zweiten Mal fälschlicherweise als Schlusslicht gebrandmarkt werden in einem Bereich, in dem wir nun wirklich gut da stehen, wollen wir so aber nicht ohne weiteres hinnehmen“, erklärte Landrat Dr. Achim Brötel, der in diesem Zusammenhang Schulrat Uwe Wurz vom Staatlichen Schulamt Mannheim begrüßte. Der bestätigte dann auch prompt, dass die Bildung im Neckar-Odenwald-Kreis durchaus den hohen Stellenwert hat, den sie auch verdient, und belegte mit – im Gegensatz zu dem für die Studien verwendeten Datenmaterial – eindeutig belegbaren Zahlen aus dem Schuljahr 2011/2012, dass die hiesigen Hauptschüler nicht schlechter, sondern in weiten Teilen sogar besser als der Durchschnitt sind (siehe Kasten). Wie der Caritasverband bzw. die Bertelsmann-Stiftung zu den anderslautenden Ergebnissen gekommen sind, kann sich auch der Fachmann nur damit erklären, dass die Schülerinnen und Schüler statistisch nicht nach ihren Wohnorten, sondern nach den Schulorten erfasst wurden. Die große Komplexeinrichtung Johannes-Diakonie und die überdurchschnittlich hohe Zahl an Förderschülern verzerrt deshalb das entsprechende Bild. „Ich bleibe dabei, dass unsere schlechteste Schule immer noch besser ist als die beste in einem Ballungsraum“, stellte der Landrat abschließend selbstbewusst fest.

Unter „Mitteilungen und Anfragen“ erklärte Dr. Brötel, dass im Bereich der zweijährigen Berufsfachschule an der ABS Mosbach ab diesem Schuljahr zwei Ganztagesklassen eingerichtet worden seien: „An diesem „kleinen“ Beispiel wollen wir deutlich machen, dass der Ganztagesbetrieb als Thema ernst genommen wird.“

Bezüglich der Schlossfestspiele Zwingenberg hielt der Landrat fest, dass die letzte Saison mit etlichen Neuerungen als sehr erfolgreich zu bezeichnen sei. 18 Prozent Besucherzuwachs sorgten zumindest für einen ausgeglichenen Haushalt. Auch in künstlerischer Hinsicht habe man mit der „Lustigen Witwe“ von Lehar, der Beethoven-Oper „Fidelio“, dem großen Abschlusskonzert mit den „Carmina Burana“ von Carl Orff, sowie einem umfangreichen Rahmenprogramm im Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Bestehen richtig punkten können. 2013 dürfe man sich auf die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss, sowie endlich auch wieder den „Freischütz“ freuen. Im Kinderprogramm ist „Der Räuber Hotzenplotz“ zu sehen. Die Festspiele dauern vom 2. bis zum 11. August 2013. Der Vorverkauf wird noch im Dezember und damit rechtzeitig vor Weihnachten starten.

Flirten, Chatten & Freunde treffen

Der Untersuchung des Staatlichen Schulamtes Mannheim liegen die Schülerzahlen aus dem Schuljahr 2011/2012 zugrunde. Demnach haben 523 Schülerinnen und Schüler die 17 Hauptschulen und Werkrealschulen im Kreis besucht. Einen Hauptschulabschluss machten in der neunten Klasse 94,6 Prozent (495). Weitere 3,6 Prozent (19 Schülerinnen und Schüler) wollen den Abschluss nach zehn Schuljahren machen, eine Möglichkeit, die die rot-grüne Landesregierung eröffnet hat. Gerade mal neun Schüler (1,8 Prozent) blieben zunächst ohne Abschluss. Sieben von ihnen absolvieren aktuell das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), das ebenfalls die Möglichkeit eröffnet, den Abschluss nachzuholen. Bei zwei jungen Leuten kann der weitere schulische Weg nicht weiter verfolgt werden, weil sie verzogen sind.

Nach diesen Zahlen entbehren die Ergebnisse des Caritasverbandes bzw. der Bertelsmann-Studie, die dem Neckar-Odenwald-Kreis mit 9,1 Prozent Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss landesweit die „rote Laterne“ zuweisen wollten, jeder Grundlage.

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