Rumänien und die dortige Landwirtschaft

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Honigverkauf auf der Straße. (Foto: Willi Lackenbauer)

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm) In Rumänien ist die landwirtschaftliche Produktion noch auf einem sehr bescheidenen Niveau. Die politischen Verhältnisse, fehlende Infrastruktur sowie das tief sitzende Misstrauen der von einem totalitären Regime geprägten Menschen, geben wenig Hoffnung für eine rasche Verbesserung der Lebensverhältnisse, so das Resümee von Willi Lackenbauer bei der Mitgliederversammlung des VLF am 13.Januar in Oberneudorf. 

Der Leiter der Akademie für Landbau in Kupferzell war im Auftrag der EU bei mehreren Projekten in den letzten 15 Jahren als Berater für die rumänische Verwaltung sowie als Ausbilder für Landwirte in Rumänien tätig. Die EU hat das Land bereits vor seinem Beitritt zur europäischen Union unterstützt, berichtete Lackenbauer.
Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche Rumäniens liegt nur etwa 20% unter der in Deutschland genutzten Fläche. Allerdings gibt es fast 13-mal mehr Betriebe als in Deutschland. Demzufolge bewirtschaftet ein Betrieb im Durchschnitt nur 3,5 ha. Häufig wird nur das produziert, was man selbst braucht oder was zum Lebensunterhalt eingetauscht werden kann. Handarbeit, bestenfalls Ochsengespanne, Esel oder das Pferd prägen die Arbeit in diesen rund 3 Millionen Kleinstbetrieben. Im Kommunismus vorhandene Großbetriebe wurden zerschlagen oder sind in die Hände von Investoren gefallen. Somit ist die Agrarstruktur völlig ineffizient. Mit etwa dem 4-fachen an Arbeitskräften produziert das Land im EU-Vergleich nur einen Bruchteil an Agrargütern.

Im Getreidebau werden trotz besten Böden nur etwa 40 – 50 % unserer Erträge realisiert. Dies hat sich in den vergangenen 10 Jahren auch nicht wesentlich geändert, meint Lackenbauer.




Korruption ist allgegenwärtig und Teil des Systems. Für Schulbescheinigungen, Fördergelder und oft sehr alltägliche Dienste sind kleine oder auch größere Geschenke üblich. „Was sollen die Menschen auch tun, bei einem Lohnniveau von 300- 500 Euro für einen Facharbeiters oder Berufschullehrer “, fragte der Referent die aufmerksamen Zuhörer. Im Durchschnitt müssen die Menschen dort 60 % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, wogegen hierzulande nur 12 % aufgewendet werden. Der Einheimische kauft seine Milch und andere Lebensmittel am Straßenrand beim Erzeuger, da er sich die Preise in den Läden nicht leisten kann. Bei diesen wenig hoffnungsvollen Perspektiven – insbesondere auch in der Landwirtschaft – ist es nicht verwunderlich, dass manch einer sich aufmacht und sein Glück in Ausland sucht. 

Seit Januar dürfen Ausländer Land erwerben. Ackerfläche wird für ca. 4.000 € je Hektar gehandelt. Lackenbauer geht aber von rasch ansteigenden Flächenkosten aus. Die von tiefen Misstrauen geprägt Bauern scheuen die Zusammenarbeit. Viele würden eher an Fremde verpachten oder verkaufen, als mit dem Nachbarn zusammen zu arbeiten. Deshalb  sind genossenschaftliche oder andere kooperative Ansätze kaum vorhanden.

Insgesamt muss sich noch viel ändern in Rumänien, damit die dortige Landwirtschaft konkurrenzfähig wird und der Lebensstandard der Menschen europäisches Niveau erreicht. „Hoffen wir, dass hier in Zukunft raschere Fortschritte erzielt werden können“ schloss der Schulleiter seinen Vortrag. Jürgen Fahrbach, Vorsitzender des Vereins Landwirtschaftlicher Fachbildung Neckar-Odenwald-Kreis, danke Herrn Lackenbauer für seine informativen und anschaulichen Ausführungen und beschloss die Mitgliedersammlung. 

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