Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt

Mosbach. (pm) „Wir wollen Chancen eröffnen und soziale Teilhabe sichern, weil alle eine Chance verdienen, und zwar immer wieder“, erklärt die örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel. Auf ihre Initiative hin trafen sich neben dem Landtagsabgeordneten Georg Nelius auch Schlegels Fraktionskollege und Experte im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bun-destages, Dr. Martin Rosemann zu einem Fachgespräch rund um das Thema Sozialunternehmen bei der Industrie-Service Odenwald gGmbH (ISO) in Mosbach. Gesprächsstoff bot nicht nur der seit Jahresanfang geltende Mindestlohn, sondern ebenso die damit einhergehende Umsetzung des seit 1994 geltenden Arbeitszeitgesetzes.

Geschäftsführerin Barbara Klein stellte die ISO und das zweite, saisonbedingt arbeitende Unternehmen Inputt vor.  

22 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weist die ISO auf, 70 % der Menschen sind schwerbehindert, 30 % arbeiten im Zuverdienstbereich. Gemeinsam haben die dort Arbeitenden eine psychische Beeinträchtigung und die Bescheinigung, schwer vermittelbar zu sein. Etwa 15 % kommen vom Jobcenter, über Arbeitsgelegenheiten (AGH) oder über ESF-Programme.

Klein berichtete von langzeitarbeitslosen Menschen, die so wieder Halt und Struktur in ihrem Leben erfahren, weil sie mit ihrer Hände Arbeit eigenes Geld verdienen. „Dass zu allen sonstigen Herausforderungen wie der Auftragslage nun der Mindestlohn hinzukommt, ist kein Grund zur Klage“, befindet Klein. Vielmehr müsse es, und da richtet sie sich an die Arbeitgeber, „en vogue“ oder normal werden, Arbeiten an Sozialbetriebe zu geben. Dies unterstrich Dr. Schlegel, indem sie ihren Besuch bei der Schweizer Sozialfirma „Dock“ in Dietikon schilderte. „Firmen, die die Zusammenarbeit mit einem Sozialunternehmen schätzen, erkennen, dass es für mehr als nur für eine Seite Vorteile bringt“, so die Politikerin. Dabei sollten die Regeln zwischen Arbeitgeber und Auftraggeber verlässlich sein: Betriebe, die Firmen wie die ISO durch Arbeitsweitergabe unterstützten, könnten entweder durch Lohnkostenzuschüsse, bessere Beratung vor Ort oder durch das Jobcenter gestärkt werden.

Arbeitsmarkt- und Sozialpolitiker Rosemann hob hervor, dass gerade für diejenigen Langzeitarbeitslosen eine Antwort gefunden werden müsse, die trotz bestmöglicher Betreuung auf absehbare Zeit keine Perspektive auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben. „Sie haben meist mehrere Vermittlungs-hemmnisse, vor allem oft gesundheitliche Einschränkungen“, erklärte er und fügte hinzu, dass in Baden-Württemberg aktuell erfolgreich der Ansatz des Passiv-Aktiv-Transfers erprobt werde, um gerade dieser Personengruppe durch eine aktive Teilnahme am Erwerbsleben eine soziale Teilhabe zu ermöglichen. Rosemann, der die bundesweite Einführung eines Passiv-Aktiv-Transfers befürwortet, ergänzte: „Initiativ werden wir auch auf Bundesebene. Mit ihrem neuen Konzept zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit berücksichtigt SPD-Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gerade die arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen und unterstützt einen passgenauen und individuellen Förderansatz. Unter der Überschrift ‚Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt‘ soll es ermöglicht werden, 10.000 Langzeitarbeitslose mit Lohnkostenzuschüssen bis zu 100% zu fördern.“

Darüber hinaus sollen Akzente für einen inklusiven Arbeits-markt bei der Entwicklung des Bundesteilhabegesetzes gesetzt werden, einem der größten Reformvorhaben der Bundesregierung. Europapolitikerin Dr. Schlegel wies auf Pläne der Europäischen Kommission hin, ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Integration und Vermittelbarkeit, insbesondere von Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen, vorzulegen. „Es gibt Menschen, die dringend Angebote öffentlich geförderter Beschäftigung brauchen“, so Dr. Schlegel ab-schließend, „sie benötigen Aufgaben, die sie bewältigen können, soziale Kontakte und Wertschätzung.“

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: