Schnelles Internet bald kreisweit verfügbar

 Telekom-Regionalmanager Joachim Otto referierte beim CDU Kreisvorstand über den Ausbau des schnellen Datennetzes im Neckar-Odenwald-Kreis

Neckar-Odenwald-Kreis.  (tn) Eine schnelle und stabile Internetverbindung ist heute zwingende Voraussetzung für die Standortsicherung und den Ausbau von Standorten – egal ob gewerblich oder privat. Ohne gute bis sehr gute Verbindung ins World Wide Web werden weder neue Gewerbe- noch Wohnbaugebiete Akzeptanz finden. Daher hat sich der Neckar-Odenwald-Kreis unter Federführung von Landrat Dr. Achim Brötel als einer der ersten Landkreise in Baden-Württemberg auf den Weg gemacht, dieses wichtige Standortkriterium flächendeckend zu erfüllen. Nicht erst in zehn Jahren, sondern bereits Ende 2017 soll der Ausbau abgeschlossen sein und 95 Prozent aller Haushalte im Neckar-Odenwald-Kreis über einen Internetanschluss mit mindestens 30 MBit/s erreicht werden. In der Regel wird es deutlich mehr Datenvolumen sein, die Garantierate werde aber auf jeden Fall erreicht.

„In einem Flächenlandkreis wie dem Neckar-Odenwald-Kreis wäre diese Flächenabdeckung nur durch den freien Markt nicht möglich, da es sich für die Anbieter in den entlegenen, menschenarmen Regionen schlicht nicht rechnet, die entsprechende Infrastruktur aufzubauen“, stellte Dr. Brötel im Rahmen seiner kurzen Einleitung fest. Wolle man dies aber erreichen, gebe es grundsätzlich zwei Alternativen: Entweder ignoriere man die bereits vorhandene Infrastruktur und baue durch den kommunalen Träger ein eigenes Glasfasernetz, oder man setze auf den kooperativen Ausbau mit den Gemeinden und finanziere aus öffentlichen Mitteln lediglich die unrentablen Strecken, so Brötel.

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Bei der ersten Variante wären nicht nur mehrere hundert Millionen Euro an Investitionen zu stemmen gewesen – Geld über das der Neckar-Odenwald-Kreis nicht verfüge – es wären auch erhebliche Tiefbauarbeiten bis auf den letzten Meter in jedes Haus erforderlich gewesen, stellte Brötel klar.. Solch ein Ausbau lasse sich auch nicht binnen weniger Monate oder Jahre realisieren, wie die der Landkreis Karlsruhe und der Rhein-Neckar-Kreis zeigen. Dort hätten sich die Entscheidungsträger für eigene Glasfasernetze entschieden, deren Umsetzung bis 2029 andauere. Da die Landkreise dabei jeweils nur bis zur Gemeindegrenze bauen, hänge der weitere Ausbau bis in die Städte und Dörfer von den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Stadt bzw. Gemeinde ab. Ärmere Gemeinden und Gemeinden, die aus Rentabilitätsgründen von privaten Anbietern erschlossen würden, hätten nicht die Möglichkeit oder kein Interesse an einem eigenverantwortlichen Ausbau, so die Schwachpunkte dieser Vorgehensweise. Die Schere zwischen Gebieten mit schnellem Netz und Gebieten, ohne oder mit unzureichenden Anschlüssen ginge unweigerlich auf, so Brötel weiter..

Dies wolle man im Neckar-Odenwald-Kreis nicht. Weshalb sowohl der Kreistag und alle 27 Städte und Gemeinden im letzten Jahr einstimmig für den kooperativen Ausbau und die solidarische Finanzierung der Deckungslücke votiert hätten.

Durch Ausschreibung wurde die Telekom als Vertragspartner gewonnen. Das Unternehmen, mit dem man bereits die erste Stufe des schnellen Netzausbaus erfolgreich umgesetzt hat. Statt mehrerer hundert Millionen Euro bleibe jetzt noch ein Betrag von 9,6 Millionen Euro als Deckungslücke für die öffentliche Hand übrig. 26,4 Millionen Euro werden von der Telekom getragen.

Der Ausbau hat bereits begonnen und in wenigen Wochen wird der erste Bauabschnitt (Mosbach/Obrigheim) bereits in Betrieb gehen. Ziel ist es Ende 2017 flächendeckend den Ausbau abgeschlossen zu haben – 95 Prozent aller Haushalte werden dann erreicht.

Der entscheidende Unterschied zur vollständigen Glasfaseranbindung sei die Nutzung der vorhandenen Kupferverkabelung auf den letzen Metern, erklärte Regionalmanager Joachim Otto von der Telekom, der in seinem Vortrag auf die technische Umsetzung und die Möglichkeiten einging. Zwischen den einzelnen Vermittlungsstellen der Telekom gebe es bereits Glasfaserverbindungen, auch werde man vorhandene, kommunale Glasfaserstrecken mitnutzen. Neu hinzu komme der Ausbau der Verteilerkästen in den einzelnen Gemeinden. Die bisherigen, unscheinbaren Verteilerkästen werden zu kleinen Rechenzentren mit Glasfaseranbindung umgerüstet. An dieser Schnittstelle werde Vectoring-Software dafür sorgen, dass die elektromagnetischen Störungen in den Kupferleitungen
ausgeschaltet werden. Ziel des Ausbaus sei es, möglichst alle 500 Meter einen solchen Verteilerkasten zu haben, da dies der Radius sei, wo durch die Vectoring-Software wirksam gegengesteuert werden könne. Wer beruflich oder privat eine noch höhere Netzgeschwindigkeit benötige, könne dies selbstverständlich auf eigene Kosten realisieren. Hier sind dann bis zu einem GB/s möglich. Und nur in dieses Fällen müsse dann wirklich der Vorgarten durch Tiefbauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Momentan reiche aber die Garantierate von 30 MBit/s, für alle privaten Anwendungen aus. Selbst UltraHD-Fernsehen über das Internet benötige eine Datenrate von nur 25 MBit/s. Kommunikation in sozialen Netzwerken sei mit 2 MBit/s, Videoportale mit 6 MBit/s und Online-Spiele mit 10 MBit/s darstellbar. Im Übrigen stelle in den meisten Fällen das Endgerät den wirklichen Flaschenhals dar. Gute Heim-PC neuester Bauart können aktuell Datenraten von ca. 20 MBit/s verarbeiten.

Die Telekom wird zwei Monate vor der Inbetriebnahme in den jeweiligen Bauabschnitten durch gezielte Kunden- und Bürgeransprache über die neuen Möglichkeiten und Produkte umfassend informieren und für Fragen zur Verfügung stehen. Allerdings muss der Kunde die Telekom mit einem neuen Vertrag beauftragen, eine automatische Umstellung der alten Verträge erfolgt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht. Auf Nachfrage bestätigte Joachim Otto, dass das schnelle Netz auch allen anderen Telekommunikationsanbietern gegenüber geöffnet werde und auch die Konkurrenz dann sicher entsprechende Angebote unterbreiten werde.

MdB Alois Gerig warb in diesem Zusammenhang bei der Telekom dafür, dass im Rahmen des Ausbaus auch die letzten „weißen Flecken“ von der Mobilfunklandkarte verschwinden. Otto sicherte zu, dass aufgrund der dann vorhandenen Glasfaserinfrastruktur eine wirtschaftliche Prüfung dieser Orte auch für den Mobilfunk erfolgen werde. Da Infrastruktur vorhanden sei, ist es durchaus realistisch, dass sich dann auch beim Mobilfunk etwas bewege.

Bürgermeister Norman Link (Neckargerach) dankte abschließend für die schnelle und bürgerfreundliche Umsetzung der Bauarbeiten. Er dankte auch Landrat Dr. Achim Brötel und der Kreisverwaltung, sowie allen Bürgermeisterkollegen dafür, dass man zusammen solidarisch diesen Weg gegangen sei und die kleinen Gemeinden nicht außen vor gelassen wurden.

Mit dem Hinweis auf weitere Termine und der Kontroverse über die aktuelle Außendarstellung der Bundespolitik und dem Zwist zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer, der zeitweilen an Kindergarten-Streitigkeiten erinnere, schloss Kreisvorsitzender Ehrenfried Scheuermann die Sitzung.

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