Flugzeugkauf wird zum Abenteuer

(Foto: privat)

LSV Hoher Odenwald wieder im Besitz eines Schleppflugzeugs

Waldbrunn. (rb) Der Luftsportverein (LSV) Hoher Odenwald mit Sitz in Mülben hat sich einen langgehegten Wunsch erfüllt und einen Motorsegler angeschafft, der in der Lage ist, Segelflugzeuge in die Luft zu schleppen. Von der Idee bis zum Einsatz ist jedoch viel Zeit vergangen und hat den Fliegerkameraden einiges an Einsatz abverlangt.

Der Entschluss, sich nach einem Motorsegler umzusehen reifte 2017. In Anbetracht der knappen Vereinskasse kam aber nur ein gebrauchtes Flugzeug in Frage.

Bei diesem handelt es sich um eine spezielle Bauart. Der Propeller befindet sich hier nicht wie üblich vorne, sondern hinter dem Cockpit. Eine weitere Besonderheit ist die Position der Tragfläche, die sich oberhalb und hinter diesem befindet.

Dadurch haben der Pilot und der Passagier eine ungehinderte Sicht aus der komplett verglasten Cockpithaube.

Das Flugzeug, eine Brditschka HB21, befand sich in Kroatien und wie sich später herausstellte, erwiesen sich die Abwicklung und der Heimtransport als erhebliche Herausforderungen.

Um sich ein besseres Bild von dem Flugzeug machen zu können, flog vorab der Motorseglerspezialist Andreas Steiner im November 2017 mit einem Linienflug nach Zagreb.

Dort angekommen, wurde er freundlich von den dortigen Eigentümern empfangen und zum Flugplatz gefahren. Der Motorsegler konnte nun genau unter die Lupe genommen und probegeflogen werden. Nach diesem Probeflug war klar, dass dieses Flugzeug hervorragend für die Erweiterung der heimischen Flotte geeignet war.

Nach der Rückkehr von Andreas Steiner, wurde die Thematik im Verein genauestens diskutiert und nach Zusage von privaten Spenden der Vereinsmitglieder wurde beschlossen, den Motorsegler zu erwerben.

Nach Abwicklung der ersten Papierangelegenheiten und Zahlungen, wurde das Projekt zunächst über Winter auf Eis gelegt, denn das Flugzeug musste auf dem Luftweg geholt werden, da kein passender Anhänger zur Verfügung stand.

Also hieß es: Warten auf besseres Wetter. Nachdem der letzte Schnee im Odenwald geschmolzen, der Platz halbwegs abgetrocknet und ein fliegbares Wetterfenster für das Wochenende angekündigt war, machten sich der Vereinsvorstand Lennart Pioch, der technische Leiter Jannis Kübler sowie Andreas Steiner per Auto auf den 900km weiten Weg nach Kroatien um das „Baby“ heimzuholen.

Zuvor wurde jedoch noch die Flugplanung detailliert ausgearbeitet. Hier gab es einiges zu beachten wie zum Beispiel: Zollabwicklungen, Sperrgebiete in der Alpenregion, Berggipfelhöhen die umflogen werden mussten, die Planung der Strecke mit entsprechenden Tankstopps, um einen effizienten und gefahrlosen Überführungsflug zu gewährleisten.

Zudem hat es sich Jannis Kübler bei der Hinfahrt zur Aufgabe gemacht, anhand des aktuellen Wetters die genaue Rückflugroute zu planen. Nach zehn Stunden Fahrt, mit Stauverzögerung und Vignettenkauf in Österreich, erreichten die drei ihr Ziel in Kroatien und bekamen erneut die Gastfreundschaft der Kroaten zu spüren, sie wurden offenherzig und freundlich begrüßt.

Der nächste Tag begann mit einem üppigen Frühstücksbuffet mit abschließendem Wettercheck. Danach wurden die drei abgeholt und zum Flugplatz gebracht, vor Ort wurden die letzten Unterschriften getätigt und die Flugzeugübergabe erledigt. Als Abschlussritual wurde unseren drei Piloten ein Schnaps um 9 Uhr morgens angeboten, den sie natürlich ablehnen mussten, da in der Fliegerei die 0 Promille Grenze gilt.

Dem Überflug zurück nach Deutschland stand nichts mehr im Wege, die kroatische Polizei kümmerte sich noch um die Zollabfertigung und die HB21 wurde von der versammelten Mannschaft des kroatischen Flugsportclubs verabschiedet.

Kaum war der frisch erworbene Flieger des Luftsportvereins Hoher Odenwald zehn Meter gerollt, kam es zu ersten Komplikationen. Der Boden war noch immer sehr feucht und die HB21 versank mit den Rädern im Schlamm, nun hieß es für alle versammelten den Flieger wieder herauszuziehen. Als dies geglückt war, konnte der Überflug nach Deutschland angetreten werden.

Die Piloten Jannis Kübler und Andreas Steiner mussten sehr vorsichtig über die feuchte Landebahn rollen um ein weiteres Steckenbleiben zu vermeiden. Um dem Verein einen letzten Abschied zu gewähren machten sie eine kleine Platzrunde, dann ging es weiter zum Flughafen Maribor in Slowenien für die weitere Zollabfertigung und Aufgabe des Flugplans, und von dort aus in Richtung Neustadt bei Wien für einen kurzen Tankstop, gefolgt von einer weiteren Zwischenlandung zum Tanken in Straubing in Ostbayern.

Lennart Pioch fuhr parallel mit dem Begleitfahrzeug zurück. Er verfolgte zu jeder Zeit den Flug der beiden Piloten per Handfunkgerät um bei eventuellen Problemen parat zu stehen.

Bei der Vorbeifahrt am Flughafen Maribor, konnte er sogar von seinem Auto aus den Start des Motorseglers mitverfolgen. Nach mehrmaligem gegenseitigen überholen hatte am Ende doch der Motorsegler trotz längerer Tankstopps die Nase knapp vorn und kam gut eine halbe Stunde vor dem Auto in Mülben an.

Um 18:15 Uhr landeten die beiden auf dem Gelände des Vereinsflugplatzes in Mülben unter der Anteilnahme einiger Vereinsmitglieder, die sich die Ankunft nicht entgehen lassen wollten.

Hier blieb die HB21 erneut im Schlamm stecken. Mit dem Einsatz eines Traktors und viel Mühe der Fliegerkamaraden wurde der Neuerwerb befreit. Am nächsten Tag wurde das Flugzeug gesäubert und vom alten Kennzeichen befreit. Damit war die Überführung für die drei Vereinsmitglieder abenteuerlich und erfolgreich zum Ende gekommen.

In der Folgezeit nahm sich Andreas Steiner des Flugzeugs an. So wurden diverse Teile grundüberholt und auch das in die Jahre gekommene Cockpit komplett modernisiert.

Auch die Technik wurde komplett überprüft und kleinere Reparaturen erledigt. Dies und auch die sehr aufwändige Zulassung für Deutschland nahm viel Zeit in Anspruch, sodass erst im Spätjahr mit dem Flugzeug unter deutscher Flagge durchgestartet werden konnte.

Nun steht das Flugzeug in hervorragendem technischen Zustand uneingeschränkt zur Verfügung und kann auch für Flugzeugschlepps von Segelflugzeugen genutzt werden. In absehbarer Zeit wird man damit auch Flugschüler zum Erwerb der Motorseglerlizenz ausbilden können. Damit hat sich die Attraktivität des Vereins erheblich gesteigert, was zum erfolgreichen Fortbestand des Vereins beitragen wird.

Besonders die Flugzeugschleppmöglichkeit ist ein immenser Vorteil für die Segelflugpiloten, weil sie im Vergleich zum Seilwindenstart höher geschleppt werden können. Dadurch erhöhen sich die Chancen, vor allem an Tagen mit wenig Thermik, länger fliegen zu können. Zusätzlich sind die einzelnen Mitglieder des Vereines unabhängiger und können mit einem Motorflugzeug zum Schleppen schon ab drei Personen ohne großen Aufwand in die Luft gelangen.

Gäste am Flugplatz sind bei Flugbetrieb an den Wochenenden herzlich willkommen. Bei der Gelegenheit können Sie sich die Neuerwerbung aus nächster Nähe ansehen. Für Interessierte sind auch Schnupperflüge möglich.

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