Beim Grünkernfest in Gottersdorf wurden die fünf Sieger der Ackerwildkrautmeisterschaft 2026 gekürt. Unser Bild zeigt (v.li.) Judith Knebel, Dr. Achim Brötel, Tobias Eisenhauer, Karl Binnig, Fran Fellmann, Christian Münch, Felix Heinrich, Jürgen Heinrich, Susanne Diebold, Daniel Raddatz und Dr. Ulrich Kraft. (Foto: Büttner)
Landwirte zeigen, wie es geht!
Gottersdorf. (pm) Auf dem Grünkernfest in Gottersdorf fand die Siegerehrung der Ackerwildkrautmeisterschaft 2026 statt. Susanne Diebold, Abteilungspräsidentin Umwelt im Regierungspräsidium Karlsruhe, begrüßte die Gäste und Preisträger: „Hier zu leben ist ein Privileg, dort wo andere Urlaub machen.“
Ackerwildkräuter in der Agrarlandschaft seien nicht nur ein wertvoller Beitrag für die Artenvielfalt, sondern auch für uns Menschen und Erholungssuchende ein schöner Anblick.
Finanziert wird die Ackerwildkrautmeisterschaft mit Mitteln aus dem Naturschutzhaushalt. Zehn Betriebe aus dem ganzen Landkreis hatten sich mit ihren Ackerschlägen beworben, auf denen Ackerwildkräuter ebenso Platz finden wie Getreide.
Landrat Dr. Achim Brötel freute sich über das große Engagement der Landwirtinnen und Landwirten im Neckar-Odenwald-Kreis.
Judith Knebel vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums erläuterte den Hintergrund der Ackerwildkrautmeisterschaft.
Als „Unkräuter“ haben Ackerwildkräuter zu Unrecht einen schweren Stand, denn die wenigsten bereiten in der landwirtschaftlichen Praxis Probleme. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Bestandteil der biologischen Vielfalt: Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten und andere Tiere – und können auch für den Landwirt von großem Nutzen sein. Zudem sind viele Ackerwildkräuter selten oder gefährdet: fast jede zweite Art steht auf der Roten Liste.
Die Urkunden mit einer reich befüllten Geschenktasche übergab, Dr. Ulrich Kraft, Abteilungspräsident Landwirtschaft im Regierungspräsidium Karlsruhe. Der erste Hauptpreis, dotiert mit 500 Euro, wurde gleich zweifach vergeben. Er ging an Christian Münch, Ihrig-Münch GbR aus Waldbrunn und Frank Fellmann, Eberbachhof, Schefflenz.
Ein weitere Hauptpreis in Höhe von 400 Euro ging an Karl Binnig aus Schefflenz. 300 Euro erhielten Felix und Jürgen Heinrich vom Heinrichhof in Obrigheim. Den Sonderpreis Artenvielfalt, der mit 250 Euro dotiert war, erhielt Tobias Eisenhauer aus Hardheim.
Referatsleiter Daniel Raddatz vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums würdigte die fünf Siegerflächen.
Die Träger der Hauptpreise zeigen, wie sie gesunde und hochwertige Lebensmittel erzeugen – und gleichzeitig Ackerwildkräuter erhalten.
Mit dem Sonderpreis ehrte das Regierungspräsidium eine herausragende Artenvielfalt von über 80 verschiedenen Wildkrautarten. Eine produktive Nutzung des Getreides erfolgt hier aber nicht.
Der Spagat zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Artenschutz ist eine Herausforderung, die große Anerkennung verdient. Dies gilt auch für die nicht prämierten Teilnehmer: Sonja und Albert Haaf aus Elztal, Matthias Heilig von der Heilig GbR aus Hardheim, Martin Heyder aus Buchen, Jochen Kautzmann von der BG Ackerbau aus Rosenberg und Tina und Christoph Mohr von der Mohr GbR aus Hardheim. Sie alle leisten einen großen Beitrag
für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft.
Ackerwildkräuter sind immer auf eine regelmäßige Bodenbearbeitung angewiesen. Das erfuhren interessierte Gäste des Grünkernfestes beim geführten Spaziergang über das Gelände des Freilandmuseums. Tobias Lepp vom Naturschutzreferat machte deutlich, dass Pflanzen im Acker oft auch ganz unscheinbar daherkommen.
Der Acker-Frauenmantel ist so eine Art, die auch auf allen prämierten Ackerflächen vorkommt. Aber nicht nur Landwirte können Ackerwildkräuter fördern. Ein Blick in den Bauerngarten des Museums zeigte anschaulich: Schon auf kleiner Fläche können viele wildlebende Arten der Äcker gedeihen – wenn man sie lässt.