Am Standort Heidelberg-Bergheim informierte sich Ministerpräsident Cem Özdemir über die Arbeit der Rechts- und Verkehrsmedizin und der Gewaltambulanz des Instituts. (Foto: pm)
Heidelberg. (pm) Im Rahmen seiner Sommertour hat der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir das Universitätsklinikum Heidelberg und die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg besucht. Auf dem Klinikgelände in Heidelberg-Bergheim informierte er sich über die Arbeit der Gewaltambulanz des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin.
Die Einrichtung bietet Gewaltbetroffenen die Möglichkeit, Verletzungen und Spuren der Tat nach rechtsmedizinischen Standards zu dokumentieren und zu sichern – kostenlos und unabhängig von einer polizeilichen Anzeige oder einem Strafverfahren. So bleiben wichtige Beweise erhalten, falls sich Betroffene zu einem späteren Zeitpunkt für rechtliche Schritte entscheiden.
„Gewaltopfer befinden sich in einer großen psychischen und physischen Notlage. Das macht sie oft handlungsunfähig. In solch schweren Situationen spielen Gewaltambulanzen wie hier in Heidelberg eine wichtige Rolle: Sie bieten Opfern häuslicher Gewalt, sexueller Übergriffe oder anderen Straftaten eine vertrauliche, niedrigschwellige und gerichtsfeste Beweissicherung“, so Ministerpräsident Özdemir.
„Damit sind Gewaltambulanzen ganz wichtige Bausteine unseres landesweiten Opferschutzes. Und wir entwickeln unser Netz von Gewaltambulanzen kontinuierlich weiter.
Die Heidelberger Gewaltambulanz ist dabei ein echter Vorreiter – sie war die erste in Baden-Württemberg. Hier wurde schon früh echte Pionierarbeit geleistet. Das Team leistet eine hervorragende Arbeit.“
Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt können oder wollen unmittelbar nach der Tat häufig keine Anzeige erstatten. Gleichzeitig sind viele Verletzungen und Spuren von Gewalttaten nur für einen kurzen Zeitraum eindeutig nachweisbar.
In den beiden Gewaltambulanzen des Universitätsklinikums Heidelberg an den Standorten Heidelberg und Stuttgart sichern und dokumentieren Expertinnen und Experten aus der Rechtsmedizin diese Spuren und Beweise zeitnah, kostenlos und ohne vorherige Anzeige. Die Gewaltambulanzen sind mobil und überregional tätig.
Darüber hinaus bestehen Partnerschaften mit telemedizinisch angebundenen Kliniken. Entscheiden sich Betroffene zu einem späteren Zeitpunkt für eine Anzeige der Tat, können die rechtssicheren Untersuchungsergebnisse aus den Gewaltambulanzen in einem Straf- oder Zivilverfahren erheblich zur Aufklärung beitragen.
Damit stärken die rechtsmedizinischen Ambulanzen nicht nur die Handlungsmöglichkeiten und Rechte von Gewaltopfern. Sie erlauben Einblicke in das Dunkelfeld und fördern das Vertrauen in den Rechtsstaat, indem sie die Voraussetzungen für eine rasche und verlässliche Aufklärung von Straftaten schaffen.
Stimmen zum Besuch
„Baden-Württemberg ist Vorreiter bei der rechtsmedizinischen Versorgung – und das obwohl dies in einem Flächenland eine besondere Herausforderung ist. Daran haben sowohl die Förderung des Landes als auch das herausragende Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rechts- und Verkehrsmedizin erheblichen Anteil. Für beides bedanke ich mich ganz herzlich“, sagt Professor Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim.
„Mit unserer Fahrbereitschaft, Telemedizinischen Angeboten und Projekten wie der Gewaltambulanz Stuttgart, die wir in Kooperation mit dem Klinikum Stuttgart eingerichtet haben, bieten wir Untersuchungen in der Region weit über Heidelberg und Mannheim hinaus an. Unser Ziel bleibt es, zusammen mit den anderen beiden rechtsmedizinischen Instituten in Freiburg und Ulm alle Bereiche des Landes rechtsmedizinisch gut zu versorgen“, sagt Professorin Kathrin Yen, Ärztliche Direktorin des Instituts für Verkehrs- und Rechtsmedizin.
„Deshalb werden wir diese Projekte und Kooperationen weiter vorantreiben. Das Land hat uns auf diesem Weg von Anfang an unterstützt.
Langfristig wollen wir die erfolgreiche Projektförderung in eine strukturelle Förderung überführen und so die Versorgungsangebote für Gewaltbetroffene dauerhaft sichern.“