Verbesserung für Flüchtlinge gefordert

Gut besuchtes Hearing in Hardheim – Anstrengungen von allen Seiten erforderlich

Hardheim. (cd) Der Kreisverband und die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatten unter Federführung der Kreisvorsitzenden Christine Denz zusammen mit dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg am 9. Juni zu dem Hearing „Gute Unterbringung von Flüchtlingen – auch im Neckar-Odenwald-Kreis ?“ nach Hardheim in den „Badischen Hof“ eingeladen. Annette v. Loeper, die Landesvorsitzende des Flüchtlingsrates, begrüßte als souverän agierende Moderatorin die zahlreichen Flüchtlinge und Gäste, die hochkarätigen Vertreter von Organisationen, Parteien und der Kirche, darunter den 1. Landesbeamten Martin Wuttke als im Landratsamt Verantwortlichen, Bürgermeister Fouquet, Dekan Krauth und Jürgen Blechinger, Referent für Migration und Flüchtlinge des Diakonischen Werks Baden aus Karlsruhe.

Das vielschichtige Themenspektrum reichte von der – allseits unbestrittenen – unbefriedigenden Unterbringungssituation in dem ehemaligen Hardheimer Kasernengebäude (Forderung nach Auflösung) über das undurchsichtige Punkte-System für den Einkauf im lagereigenen „Shop“(Umstellen auf Chips für den örtlichen Handel) bis hin zur Sozialbetreuung, die wie auch andernorts von einem Wohlfahrtsverband übernommen werden solle. Positiv erwähnt wurde die ehrenamtliche Arbeit von Mitgliedern des Vereins „Dienst am Nächsten“, die leider nicht teilnahmen. Erfreut hoben die Veranstalter die neu Form der Aufgeschlossenheit der Landkreisverwaltung hervor, die bereits einige kleinere Verbesserungen bewerkstelligt habe. Jedoch müssten die grundsätzlichen Probleme angegangen werden.

Christine Denz verwies auf den grün-roten Koalitionsvertrag, der erhebliche Verbesserungen verspreche, soweit diese in der Gestaltungsmacht des Landes liegen. Die Flüchtlinge betonten ihren Wunsch nach Integration und nach Arbeiten-Dürfen. Einig war man sich mit Kreisrat Graner (SPD) in dem Ziel, dezentrale Strukturen zu schaffen. Bürgermeister Fouquet befand die Asylbewerber als „im Grunde integriert“, was jedoch nicht unwidersprochen blieb. Blechinger plädierte dafür, die vorhandenen Spielräume zu nutzen, um Konflikte von vornherein zu vermeiden. Werde die Situation sozialverträglich gestaltet, fördere das die Akzeptanz und die Integration und spare letztendlich auch Kosten.
Entscheidend wichtig sei, die Sprachbarriere zu überwinden, betonte Kreisvorsitzende Christine Böhm: „Unsere Bringschuld ist, das Lernen zu ermöglichen, und die Holschuld der Flüchtlinge, unsere Sprache zu lernen.“ Die Beiträge drehten sich dann um die Chancen, die die „Neubürger“ für den Landkreis bedeuten könnten. Kreisrätin Simone Heitz erinnerte daran, dass dem Kreis jährlich nahezu 1.000 Menschen durch Abwanderung und durch den demographischen Wandel verloren gehen. Man müsse dem absehbaren Mangel an Arbeitskräften und jungen Leuten entgegenwirken. Weitere Teilnehmer merkten an, man könne davon ausgehen, dass im Wesentlichen starke Menschen lange und unsichere Reisewege in die „Festung Europa“ bewältigten. Deshalb sollten sie darin unterstützt werden, ihre mitgebrachten beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen auf unsere Anforderungen hin zu erweitern. Die Flüchtlinge seien auch wegen der finanziellen Zuweisungen pro Einwohner ein Plus für die jeweilige Kommune. Dekan Krauth rief dazu auf, das „Ghetto auf beiden Seiten“ abzubauen und Begegnungen zu ermöglichen.
Dies griff Annette v. Loeper in ihrem Schlusswort auf, benannte außerdem sprachliche Bildung und Arbeit als Schlüsselfaktoren zur Integration – und lud zum anschließenden Begegnungsfest in der Gemeinschaftsunterkunft ein, an dem besonders viele junge Leute teilnahmen.

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