Jüdische Friedhöfe im Main-Tauber-Kreis

Fotoausstellung im Grafschaftsmuseum

Wertheim. Zweieinhalb Jahre waren zwei Wertheimer Fotografen mit ihren Kameras auf Spurensuche jüdischer Kultur in unserer Region. Die Bilder werden nun in einer Ausstellung vom 4. September bis 9. Oktober im Wertheimer Grafschaftsmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie zeigen die unvergleichliche Stimmung jüdischer Friedhöfe, lassen den Betrachter eintauchen in eine wenig bekannte Welt, in eine Kultur, die noch vor wenigen Jahrzehnten vor der völligen Auslöschung stand.

Walter Hoernig, Jahrgang 1966, ist Fotograf aus Leidenschaft. Seine Welt sind die Pixel, die Bytes und die Software. Er fotografiert aus der Hand mit kompakten, hochleistungsfähigen, digitalen Spiegelreflexkameras, verarbeitet die Bilder am Mac und lässt sie auch mittels moderner Drucktechnik vergrößern. Die Bilder sind vorwiegend schwarz-weiß, seine Bildauffassung ist stets auf starke Kontraste ausgerichtet, verdichtend, tendenziell mehr abstrahierend, erfasst vorwiegend die dunklen Stimmungen.

Gerd Brander, Jahrgang 1954, ebenfalls passionierter Fotograf, arbeitet ausschließlich in der „alten“ analogen Technik und in Farbe. Hier allerdings exklusiv im Mittel- und Großformat, also Negativ-Formaten bis zur Postkartengröße und dies nur vom Stativ. Die Vergrößerung erfolgt danach ebenfalls analog im eigenen, häuslichen Labor. Sein Ziel ist zum einen ein Objekt in möglichst greifbarer Form zu transportieren, d. h. in bestmöglichem Licht, in bestmöglicher Perspektive, in seiner vollkommenen Präsenz. Sein zweites Ziel ist die Stimmung eines Objektes zu vermitteln, es aus seiner Umgebung zu isolieren, mit Gegenlicht, tageszeitlichen Lichtverhältnissen, klaren oder sich auflösenden Konturen ihm seinen ganz eigenen Charakter zu geben, je nach Motiv:

„Einen jüdischen Friedhof zu betreten ist eine beeindruckende Erfahrung, gänzlich überraschend für denjenigen, der erstmals diesen Schritt wagt. Ein Ort voller Würde, fraglos spirituell auch für Nichtjuden, Fragmente von Ordnung innerhalb natürlicher Unordnung. Dies ist der wohl intensivste Eindruck, den man auf den ersten Blick rein gefühlsmäßig erhält. Und für den Anhänger der Fotografie, der ja stets bemüht ist, Augenblicke, Stimmungen, ästhetische Elemente für sich und andere auf seine ganz persönliche Weise im Bild festzuhalten, ein schier unerschöpflicher Hort an Motiven. Nicht voyeuristisch, nein – tief beeindruckt, voller Respekt und Bewunderung für eine Begräbnisstätte, die sich so unglaublich von denen unseres mitteleuropäischen, christlichen Kulturkreises unterscheidet.
Jüdische Gräber bleiben unberührt, dürfen verfallen, werden keinesfalls geräumt. Das Grab gehört dem, der in ihm ruht, nach jüdischem Glauben bis zum Ende aller Tage, bis zu dem Tag an dem der Messias kommt. Sowohl Verfall und Vergänglichkeit, als auch überbordende, lebendige Natur sind hier in einer Weise gegenwärtig, dass sich dies als Thema geradezu aufdrängt.“ (G. Brander)

So ist diese Fotoausstellung ein Versuch, sich dem Thema Würde, Verfall, Trauer und nicht zuletzt auch lebendiger Erneuerung aus sehr unterschiedlichen Sichtweisen und mit sehr unterschiedlichen Techniken zu nähern. In insgesamt knapp 60 großformatigen Bildern wollen die beiden Fotografen den Besucher zum Begleiter machen in eine kaum bekannte und selten verstandene Welt, diese sehr eigene Stimmung auf ihre ganz persönliche Art verarbeiten und den Betrachter animieren sich dieser eindrucksvollen jüdischen Kultur zu nähern. Gleichzeitig ist es eine spannende Gegenüberstellung unterschiedlicher fotografischer Techniken und Bildauffassungen. Einerseits die moderne digitale Fotografie mit Kleinbildkamera, andererseits die fast aus der Mode gekommene analoge Technik im Mittel- und Großformat.

Infos im Internet:
www.die-zeit-zeugen.de
www.grafschaftsmuseum.de

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