Embryo beim Finkenbach-Festival

Besonderes Konzert: Embryo waren in Großeicholzheimer Tenne

Aus Krautrock wurde Weltmusik. Embryo – Seit 42 Jahren Avantgarde. (Foto: Brauch-Dylla)


Großeicholzheim/Finkenbach. (bd) Wenn am Wochenende, 19./20. August 2011, das legendäre Finkenbach-Festival steigt, dann liest sich das Plakat; als habe man die Jahreszahl ausgetauscht, 2011 statt 1981. Natürlich Guru Guru, auch Kraan, Birth Control oder Aera, doch für ein paar Dutzend Odenwälder wird der Opener am Samstag der Anziehungspunkt sein: Embryo. Dass mit diesem Ur-Projekt des Krautrock ein kurzfristiges Wiederhören und – sehen möglich wird ist eine eigenen Geschichte, die viel über den Mythos dieser Formation und ihres Spiritus-Rector Christian Burchard, aber auch die alten und neuen Anhänger dieser Legende aussagt.

Dass die 1969 in München gegründete Band nun in ihrer Biografie nicht nur die Festivals Fehmarn (direkt nach Jimi Hendrix) oder Reading, nicht nur Casablanca, Daressalam oder Bangalore als Auftrittsorte vorweisen kann, sondern seit Juni auch die Großeicholzheimer „Tenne“, ist vor allem Günter Schmitt-Haber und Christian Burchard zu verdanken.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Embryo beim Finkenbach-Festival“ url=“http://www.NOKZEIT.de/?p=14972„] Schmitt-Haber, in Großeicholzheim vielfältig engagiert und am Projekt Dorfgemeinschaftshaus Wasserschloss beteiligt, lud den Bandleader vor einem Jahr bei einem Gig ein, in der wunderbar renovierten Tenne zu spielen. Und der Burchard sagte zu – ohne Festgage, ohne Sponsoren, für den Eintritt und die Zusage Schmitt-Habers für gutes Ambiente, Werbung und Licht zu sorgen.

Und wenn nun einer gedacht hätte, dass gerade mal 50 Besucher Burchard und seinen aktuellen Bandkollegen die Lust verleiden würden, dann hätte er erleben können, dass Avantgarde eben das Gegenteil von elitärem Getue ist. Vom ersten Klang der Oud, der orientalischen Laute, nahmen die Embryos ihre Gäste mit auf eine musikalische Weltreise.
Sie fühlten sich wohl in der Tenne; mit ihren alterfahrenen und neuen Odenwälder Zuhörern, bedankten sich schon nach dem ersten Stück „in diesem wunderschönen Raum“ spielen zu können. Und hielten die enthusiastische Lust an der musikalischen Zwiesprache untereinander fast drei Stunden durch.

Um ihre Krautrock-Wurzeln zu erahnen musste man bei der aktuellen Besetzung um das Kontinuum Burchard schon sehr genau hinhören, unter Verwendung von exotischen Instrumenten wie dem Gembri, der Marokko-Trommel, der orientalischen Laute „Oud“, dem Marimbafon und dem Vibrafon entführte Embryo die Zuhörer in ein psychedelisches Universum.
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Embryo – Im Juni in Großeicholzheim, am Samstag in Finkenbach. (Foto: Brauch-Dylla)


Geschart um den 65-jährigen Burchard (Santur, Keyboard, Vibraphon, Percussion) zeigten Gregor Platzer mit Gembri, Trommel, Kontra- und E-Bass, die beiden Österreicher Valentin Altenberger (Gitarre, Oud) und Wolfgang Petrisch an der Dharabouka und am Schlagzeug und der Trompeter Simon Otto dass immer noch eine ekstatische Steigerung möglich ist. Raum, Musiker und Zuhörer erfüllt von einer teils bizarren Synthese aus progressiven Rock, E – Musik und Free – Jazz, mit weitschwingenden Weltmusik-Improvisationen und spürbar auf der Suche nach Neuem, selbst über indische 12-Takt-Rhythmen hinaus, wie beim Stück zum „Rhythmus des Tages“ bewiesen. Ins stimmungsvoll passende Licht gesetzt von Ortsvorsteher Reinhold Rapp war der Raum gefüllt von künstlerischer Energie, bis als letzte Zugabe eine musikalische Hommage an die örtliche „Hexenstaffel“ erklang.
Wie wird das erst werden, wenn im Finkenbacher Tal die „verdiente“ Anzahl an Zuhörern vor den Embryos tanzt?

Infos im Internet:
www.finkenbach.de

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