Landtagsabgeordnete besuchte Pflegestützpunkt

Unser Bild zeigt von links: MdL Charlotte Schneidewind Hartnagel, Referentin des Landesverbands der BKKs Renate Ehnis, Silvia Raschke vom Vertragsreferat der Landwirtschaftlichen Krankenkasse, Gabriele Bandt und Herbert Luft von der Altenfachberatung des Rhein-Neckar-Kreis, Frank Moll, Sozialdezernent des Rhein-Neckar-Kreis Heinz Bönisch und Bürgermeisterstellvertreter Jürgen Rehberger. (Foto: Hofherr).

Neckargemünd. (mh) Über 13.000 pflegebedürftige Menschen leben im Rhein-Neckar-Kreis, knapp 7.000 davon sind über 80 Jahre alt – Tendenz steigend.

Diese aktuellen Zahlen und die Prognosen zur demographischen Entwicklung im Rhein-Neckar-Kreis veranlassten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Charlotte Schneidewind-Hartnagel, zu einem Besuch des Pflegestützpunkts in Neckargemünd, der als Außenstelle zu einem der zwei Pflegestützpunkte im Rhein-Neckar-Kreis gehört. Dort ließ sie sich über die aktuelle Situation und die Bedarfe pflegebedürftiger Menschen und deren Angehörigen informieren. „Nicht alle Menschen haben Kinder – aber alle Menschen haben Eltern“, fasste Schneidewind-Hartnagel die Notwendigkeit, sich um die Betreuung und Pflege von älter werdenden Angehörigen zu kümmern, zusammen.

Heinz Bönisch, Sozialdezernent des Rhein-Neckar-Kreis, Gabriele Bandt von der Altenfachberatung des Rhein-Neckar-Kreis, Pflegeberater Herbert Luft, Silvia Raschke vom Vertragsreferat der Landwirtschaftlichen Krankenkasse und Renate Ehnis, Referentin des Landesverbands der BKKs im Rathaus Neckargemünd wurden gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten von Bürgermeisterstellvertreter Jürgen Rehberger und dem Hauptamtsleiter Frank Moll im Rathaus von Neckargemünd begrüßt. Hier findet die Beratung des Pflegestützpunktes in Zimmer 133 EG jeweils donnerstags und freitags von 8.00-12.00 Uhr und nach Vereinbarung statt. Pflegestützpunkte sind kein solitäres Versorgungsangebot des Rhein-Neckar-Kreises, wie Heinz Böhnisch berichtete, sondern ein gemeinsames Angebot der Pflege- und Krankenkassen und dem Rhein-Neckar-Kreis. Ihre Aufgabe ist die wohnortnahe Beratung, Versorgung und Betreuung der Bevölkerung.

Gabriele Bandt und Herbert Luft schilderten der Landtagsabgeordneten die vielfältigen Aufgaben des Pflegestützpunktes, der seit gut einem Jahr besteht. Inhaltlicher Schwerpunkt sei die trägerunabhängige, neutrale Beratung sowie ein umfassendes Fallmanagement, die Koordinierung der Hilfeangebote und die Vernetzung der Versorgungs- und Betreuungsangebote. “ Die Anfragen werden immer komplexer und zeitaufwändiger. Vor allem Fragen zur psychosozialen Betreuung nehmen zu“, so Pflegeberater Herbert Luft.

Qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung muss mit der entsprechenden gesellschaftlichen, aber auch materiellen Anerkennung und Wertschätzung als Beruf und Handlungskonzept gestärkt werden, das betonte nicht nur die Landespolitikerin sondern auch Renate Ehnis und Silvia Raschke. Um Pflege als Beruf attraktiv zu machen brauche es nicht nur eine angemessene Bezahlung sondern auch Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, die es Menschen ermögliche, diesen Beruf über längere Zeit und familienvereinbar auszuüben.
Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden in privater häuslicher Pflege mit Hilfe von ambulanten Diensten betreut und das, so Charlotte Schneidewind-Hartnagel, hauptsächlich von Frauen. Oftmals bedeute dies eine Unterbrechung oder den Verzicht auf Erwerbsarbeit, die sich negativ auf die eigene Altersabsicherung auswirke. Deshalb ist für Schneidewind-Hartnagel die Anrechnung von Pflegezeiten, analog der Erziehungszeitregelung, ein unverzichtbarer Bestandteil zukunftsfähiger Rentenpolitik. Nur so könnten privat Pflegende und hier in der Mehrzahl Frauen, Versorgungslücken in ihrer Erwerbsbiographie ausgleichen.

Soziales Wirken und Handeln und insbesondere die Pflege alter, kranker und behinderter Menschen könne nicht allein den Regeln des Marktes unterworfen werden, meint Schneidewind-Hartnagel, da ansonsten die Menschlichkeit auf der Strecke bleibe und Defizite auf den Schultern der Pflegekräfte abgeladen würden, die für minimalste Löhne Schwerstarbeit leisteten. „Warum wird die Betreuung von Menschen so viel schlechter bezahlt als die Betreuung von Hedgefonds?“ mit dieser Frage machte die Politikerin, die auch Mitglied des Sozialausschuss ist, die herrschende Situation deutlich. Tarifliche Bezahlung und Programme zum Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten seien Grundvoraussetzungen. „Mindestlohn ist das Mindeste“, so Schneidewind-Hartnagel. Die Organisation von Betreuung und Pflege alter Menschen sei ebenso gesellschaftlicher Auftrag wie die Betreuung von Kindern und, wie die demographische Entwicklung zeige, eine Aufgabe für die jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden müssten.

Dass die Aufgaben der Pflege-Zukunft nur mit guter und gut bezahlter Arbeit, Kreativität, Menschlichkeit und neuen Konzepten zu bewerkstelligen sei, darüber waren sich am Ende alle Gesprächsteilnehmer einig. Die Pflegestützpunkte leisten hierzu mit ihrem Beratungsangebot einen wichtigen Beitrag.

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