„Viel mehr als olle Konserven“

„Unser täglich Brot … Die Industrialisierung der Ernährung“ vom 29. Oktober 2011 bis zum 29. April 2012 im TECHNOSEUM

(Grafik: Technoseum)

Mannheim. (pm) Am Anfang war die Konservendose: 1810 wurde sie in England erfunden, das britische Heer verwendete Konservenbüchsen erstmals zur billigen und raschen Truppenversorgung. Besonders gut bekam der Armee die Kost indes nicht: Die Zinndosen wurden mit Blei verlötet, das in den Doseninhalt gelangte; zahlreiche Soldaten starben an den Vergiftungen. Verunreinigte Lebensmittel waren schon zu Beginn der industriellen Lebensmittelherstellung ein Problem – und sind es bis heute, wie die EHEC-Epidemie in diesem Sommer zeigt. Die Industrialisierung der Ernährung brachte gewaltige Fortschritte und beendete Hungersnöte in Europa – konnte aber nicht verhindern, dass der Nahrungsüberfluss bis heute auch in Deutschland nicht alle Menschen erreicht. Und die Konservendose? Sie ist spätestens seit Andy Warhol zur Konsum-Ikone und zu einem Symbol der Industriegesellschaft geworden. Und gefüllt mit Ravioli ist sie das mit Abstand beliebteste „Dosenfutter“ der Deutschen.

Von Fast bis Slow Food

Wie die Nahrungsmittelindustrie einst entstand, wie sie heute funktioniert und wie man als Verbraucher Einfluss auf sie nehmen kann, das zeigt die neue Sonderausstellung im TECHNOSEUM. Auf 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche geht es auf eine Zeitreise durch 200 Jahre Lebensmittel-Herstellung – Tante-Emma-Laden, Supermarkt und Speisesaal inklusive. An interaktiven Stationen kann man sich seine persönliche Mahlzeit zusammenstellen und dabei Kalorien und CO2-Verbrauch berechnen, Gewürze bei einem Quiz erraten oder den Zuckergehalt von Früchten bestimmen. Die Macht der großen Unternehmen auf dem Lebensmittelmarkt und ihre Einkaufspolitik werden auch kritisch beleuchtet, ebenso werden Tendenzen thematisiert, die sich als Gegenentwürfe zur industrialisierten Lebensmittelherstellung verstehen, angefangen bei der Reformbewegung, die um 1900 einsetzte, bis hin zum Wellness-Hype heutiger Zeit. Und es soll nicht zuletzt deutlich werden, dass die vielerorts postulierte vermeintlich gute alte Zeit, in der glückliche, frei laufende Hühner noch dioxinfreie Eier legten, vor allem eine imaginierte Vergangenheit ist – der sich nicht zuletzt die Werbung dieser Tage bedient.

Gehaltvolles für Geist und Gaumen

Zur Ausstellung erscheint der  445-seitiger Katalog „Unser tägliches Brot“ (ISBN-Nr. 978-3-9808571-6-1); ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen über Astronautennahrung, Stillleben, Diätwahn, Bio-Boom oder zu den Lebensmittelskandalen der jüngsten Vergangenheit ergänzt das Programm. Darüber hinaus lädt das TECHNOSEUM zu kulinarischen Lesungen auf sein Museumsschiff und veranstaltet schmackhafte Abende mit Spezialitäten aus aller Welt. Für kleine Feinschmecker gibt es Workshops, bei denen man Laugenbrötchen backen und Knuspermüsli selbst herstellen kann. Und wer möchte, kann jeden Freitag um 14.00 Uhr an einer kostenlosen öffentlichen Führung teilnehmen oder unter www.technoseum.de an einem Ernährungs-Gewinnspiel teilnehmen und seine ganz persönliche Führung durch die Ausstellung gewinnen.

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