Dohle – Vogel des Jahres 2012

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„Dohlen brauchen mehr Naturnähe in unserer Agrarlandschaft, mehr alte Bäume in unseren Wäldern und mehr Rücksichtnahme auf Natur im Siedlungsbereich“, so Dr. Andre Baumann, Vorsitzender des NABU Baden-Württemberg. (Foto: NABU/M. Vollborn)

(pm) In Baden-Württemberg steht die Dohle als „gefährdet“ auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten. Allein im Zeitraum von 1960 bis 1985 ist der Bestand um 80 Prozent eingebrochen. Den Dohlenbestand in Baden-Württemberg gibt die Rote Liste mit 900 bis 1.500 Brutpaaren an, Tendenz weiter sinkend. Allerdings stammt diese Rote Liste der Brutvögel von 2007, die darin aufgeführten Daten sogar von 2004. Vogelkundler des NABU gehen davon aus, dass der Abwärtstrend sich seither abgebremst hat und der Bestand sich eher im oberen Bereich der genannten Spanne eingependelt hat. Genaue aktuelle Zahlen liegen hierzu jedoch nicht vor.

Größere Dohlenbestände finden sich in Baden-Württemberg etwa in Ellwangen (Ostalbkreis), im Raum Bühl und weiter südlich in der Ortenau sowie in Oberschwaben. Kaum zu finden ist die Dohle dagegen im Schwarzwald, in Teilen der Schwäbischen Alb sowie im Norden des Landes. Da sich Dohlen eher in tieferen Lagen wohlfühlen und sie zudem ursprünglich in der Steppe lebten und nicht im geschlossenen Wald, ist zumindest das Fehlen in weiten Teilen unserer Mittelgebirge nicht verwunderlich.

Dohlen brüten auch in Baden-Württemberg meist in Nischen und Löchern an Gebäudefassaden. In Baumhöhlen brütende Dohlen sind eher selten. Eine Besonderheit in Baden-Württemberg sind die wenigen verbliebenen Dohlen, die nicht an „künstlichen Felsen“, also an Gebäuden, sondern an natürlichen Felsen brüten. Sie sind vor allem an der oberen Donau zu finden.


Wie auch im übrigen Bundesgebiet kämpfen die Dohlen in Baden-Württemberg damit, dass immer mehr Nistplätze verloren gehen, etwa wenn Gebäude saniert und dabei Nischen und Höhlen an der Fassade verschlossen werden. Auch der Mangel an alten, höhlenreichen Bäumen in lichten Wäldern und Parkanlagen macht der Dohle zu schaffen. Da diese Strukturen in unseren Wirtschaftswäldern meist fehlen, sind Parkanlagen mit alten Bäumen zu wichtigen Rückzugsgebieten für Dohlen und andere alt- und Totholz bewohnende Arten geworden. Um den Mangel an geeigneten Nistplätzen zu beheben, können spezielle Nistkästen helfen.

Ein weiteres Problem ist der Nahrungsmangel. Obwohl Dohlen Allesfresser sind, sind sie – insbesondere zur Jungenaufzucht – auf gute Insektenbestände angewiesen, die sie bevorzugt auf einer kurz gehaltenen Vegetation jagen. Da immer mehr insektenreiche Wiesen und Weiden in monotone Äcker umgewandelt werden oder gar unter Asphalt verschwinden und in der Landwirtschaft Insekten großflächig mit Giften bekämpft werden, fehlt den Dohlen vielerorts die Lebensgrundlage.

Infos im Internet:

www.Vogel-des-Jahres.de

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