„Politische Rangelei um DHBW“

Landrat Dr. Achim Brötel mahnt Ausbau der DHBW Mosbach an. (Foto: privat)

Mosbach. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach steht für eine einzigartige Erfolgsgeschichte. 1980 starteten an der damaligen Berufsakademie gerade einmal 18 Studierende der Fachrichtung Industrie ihre duale Ausbildung. Aktuell bereiten sich jedoch schon knapp 3.300 junge Leute auf ihren qualifizierten Einstieg in den Beruf vor – Tendenz weiter stark steigend. Allein zum Studienbeginn 2011 ist die Zahl der Studienanfänger um rund 60 Prozent  – von 962 im Jahr 2010 auf 1538 – angewachsen.


Bei diesen Zahlen liegt es auf der Hand, dass auch die Raumsituation immer wieder angepasst werden muss. Das gilt insbesondere für den Campus Mosbach, der buchstäblich aus allen Nähten platzt. Ausgerechnet hier, am Hauptsitz der DHBW, geht aber schon seit langem kaum etwas voran. Ein Thema, das neben dem Rektor der Hochschule, Professor Dr. Dirk Saller auch dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar Dr. Gerhard Vogel und dem Vorsitzenden des Hochschulrates Professor Dr. Jürgen Kletti ein Dorn im Auge ist. Beide haben sich diesbezüglich deshalb vor kurzem auch direkt an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt.

Aber auch Landrat Dr. Achim Brötel hat sich dieser Tage zum wiederholten Mal in die aktuelle Diskussion um den dringend erforderlichen weiteren Ausbau der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach eingeklinkt. In seinem Brief an den Ministerpräsidenten schreibt der Landrat wörtlich: „Auch aus meiner Sicht wäre es jetzt wirklich höchste Zeit, dass das Land sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zum weiteren Ausbau des Standorts Mosbach bekennt. Stattdessen ist in den letzten Wochen und Monaten aber leider der Eindruck entstanden, dass das Verfahren mehr ruht als vorangeht oder durch politische Rangeleien behindert wird.“

Der Landrat betont die äußerst wichtige Rolle der Dualen Hochschule als „ganz zentraler Standortfaktor“ für den gesamten Neckar-Odenwald-Kreis: „Angesichts der Tatsache, dass wir durch strukturelle Entscheidungen der (Bundes-)Politik allein in den letzten sechs Jahren über 3.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze verloren haben, dürfen uns jetzt bei der Dualen Hochschule nicht auch noch die wenigen Entwicklungspotentiale, die uns bleiben, genommen werden.“ Genau diese Sorge aber treibt Dr. Brötel um. Er sieht nämlich einerseits den exorbitanten Anstieg der Anfängerzahlen in Mosbach, was eindeutig für die Qualität des Hochschulstandortes spricht, andererseits aber auch die bauliche Situation, die jetzt schon seit Jahren noch nicht einmal annähernd mit dieser Entwicklung standhalten kann. Ganz nebenbei: Selbst wenn der überfällige Neubau jetzt endlich käme, wäre immer noch erst ein Teil des erforderlichen Raumbedarfs gedeckt.

Anders als in Mosbach wird der Ausbau der DHBW-Außenstelle Heilbronn mit privatem Geld zielstrebig und schnell vorangetrieben. Auch diese Entwicklung sieht der Landrat durchaus mit Sorge: „So sehr es zu begrüßen ist, wenn privates Geld den Ausbau öffentlicher Infrastruktur fördert, so klar muss aber auch sein und bleiben, dass dadurch strukturelle Entscheidungen der Politik nicht in ihr Gegenteil verkehrt werden dürfen.“ Denn als man die damaligen Berufsakademien in Baden-Württemberg etabliert hat, haben sich Landtag und Landesregierung ganz bewusst für Standorte im Ländlichen Raum entschieden. Jetzt aber, so Dr. Brötel, dürfe das Land diese Standorte nicht „an der langen Hand verhungern lassen“ und tatenlos zusehen, wie privates Kapital in den Zentren diese Entscheidung langsam, aber sicher in ihr Gegenteil verkehrt: „Es kann nicht sein, dass irgendwann der Schwanz mit dem Hund wedelt.“

Vor diesem Hintergrund fordert der Landrat die Landesregierung unmissverständlich auf, jetzt wirklich zeitnah eine klare Verbesserung der räumlichen Situation in Mosbach zu schaffen und das auch klar nach außen zu kommunizieren: „Alles weitere wäre für uns, aber auch für die gesamte Region schlichtweg unverständlich.“

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