NABU Waldbrunn schafft Lebensraum

„Soziales Engagement“ bei den Naturschützern vom Winterhauch

Aus Hecken werden Bäume, sodass Pflegemaßnahmen notwendig werden. NABU-Ehrenvorsitzender Gerhard Neureither rückt den Hainbuchen mit einer Kettensäge zu Leibe. (Foto: Hofherr)

Waldbrunn. Seit Jahren setzt sich der NABU Waldbrunn für den Erhalt von Hecken ein. Dabei müssen die Naturschützer nicht nur neue Gehölze pflanzen, um den Verlust auszugleichen, der unter anderem durch die Landwirtschaft entsteht, vielmehr bedürfen solche Hecken auch regelmäßige Pflege, sollen sie wertvollen Lebensraum für Kleinsäuger, Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögel bilden.

Auch am Katzenbuckel-Rundweg haben die Waldbrunner Naturschützer auf der Fläche der Landsiedlung Baden-Württemberg vor vielen Jahren Hecken angelegt. Neben Hainbuchen, Schwarz- und Weißdorn, Schlehe, wurden Haselsträucher und viele andere heimische Gehölze angepflanzt. Andere Arten wie Eichen und Wildkirsche kamen auf natürlichem Weg hinzu.

Diese Feldgehölze übernehmen vielfältige Funktionen für Feld, Wald und Flur, aber auch als Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt. Darüber hinaus tragen sie wesentlich dazu bei, Wetterereignisse zu regulieren. So verhindern sie als Windschutz, die sogenannte Winderosion und sorgen so dafür,  dass wertvoller Mutterboden nicht von den Feldern geweht wird, bieten aber auch Sonnen- und Regenschutz, berichtet NABU-Vorsitzender Ernst Stephan.

Seien die Hecken von unseren Vorfahren noch zur Feuerholzgewinnung genutzt und dadurch regelmäßig „auf den Stock gesetzt“ worden, lässt der NABU-Ehrenvorsitzende Gerhard Neureither die Geschichte lebendig werden, entfalle diese Gehölzpflege heute völlig, weshalb man vonseiten des Naturschutzes eingreifen müsse.


Nur durch die regelmäßige Abholzung sei die Artenvielfalt gewährleistet, sodass in solchermaßen gepflegten Lebensräumen bis zu 900 Tierarten Heimat finden. Ohne diese menschlichen Eingriffe würden aus Hecken Bäume, die ungleich weniger Schutz bieten.

Die Hecke am Katzenbuckel-Rundweg wird vom NABU Waldbrunn seit Jahren immer wieder abschnittweise „auf den Stock gesetzt.“ So entstand auch der Kaisterstuhl-Blick, der von vielen Spaziergängern und Wanderern immer wieder die Schönheit des Odenwalds erleben lässt.

Nachdem man bereits am vergangenen Samstag mit einem weiteren Abschnitt begonnen hatte, ging es heute bei frostigen Temperaturen – das Thermometer zeigte am Nachmittag trotz strahlend blauem Himmel und Sonnenschein -6°C – machten sich die Naturschützer heute erneut ans Werk. Unterstützt wurden sie dabei von Raffael Hemberger.  Der Schüler der Pestalozzi-Realschule Mosbach macht beim NABU Waldbrunn im Rahmen des themenorientierten Projekts „Soziales Engagement“ ein Praktikum. Neben dem Bau von Nistkästen stand heute der Einsatz bei der Heckenaktion auf dem Praktikumplan.

Der NABU Waldbrunn nimmt erstmals an dieser schulischen Veranstaltung teil. Man habe sich über die Anfrage des Jugendlichen und seiner Eltern sehr gefreut, so Vorsitzender Ernst Stephan, biete sich doch dadurch die Gelegenheit, einem jungen Menschen die Bedeutung der Natur und deren Schutz näher zu bringen.

So nutzte man den heutigen Nachmittag auch, um Raffael Hemberger die Bedeutung von Hecken näher zu bringen. Dabei durften auch geschichtliche Hintergründe nicht fehlen, wurden die Hecken doch im Mittelalter als Umzäunung von Ackerland und Weiden genutzt.

Das heute gewonnene Holz wird nun teilweise in den Kaminen der Naturschützer als klimaneutrales Heizmateriale zum Einsatz kommen. Ein anderer Teil wird bewusst auf dem Heckenstreifen belassen, um dort zusammen mit dem Reisig Lebens- und Schutzraum zu werden. Gerade in Totholz und Reisighaufen finden viele Kleinsäuger wie Igel Schutz und Lebensraum. Das verrottende Material wird darüber hinaus von Amphibien wie die Erdkröte zum Überwintern genutzt. In einigen Jahren, wenn die Hecke wieder entsprechend ausgeschlagen hat, finden Vögel Brut- und Nistgelegenheiten. Außerdem bieten die fruchttragenden Sträucher Nahrung für viele Tiere.


So finden sich Rehe, Feldhasen Füchse, aber auch Vögel wir verschiedene Meisenarten, Grasmücken, Hänflinge, Euelen, Amseln, Buchfinken, Zaunkönige, Rotkehlchen Lebensraum und Nahrung.

Der Rückschnitt, der etwa alle zehn bis 20 Jahre erfolgen sollte, wurde natürlich in Abstimmung mit Eigentümer und Verwaltung durchgeführt, erläutert Ernst Stephan abschließend. In der Vergangenheit habe es immer wieder Beschwerden über „Kahlschlag“ gegeben, es sei aber von enormer Bedeutung, die Hecken regelmäßig zu pflegen. Nur so könne man die Schönheit einer Feldhecke und der Odenwaldlandschaft erhalten und Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten schaffen.

Wer sich für die Arbeit des NABU Waldbrunn interessiert, ist herzlich zum monatlichen Stammtisch eingeladen. Die Naturschützer treffen sich immer am ersten Mittwoch im Monat im Restaurant Drei Lilien in Mülben. Infos gibt es auch auf der Internetseite des NABU.

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Unser Bild zeigt die Arbeitsgruppe des NABU Waldbrunn mit Raffael Hemberger (li.), der sich im Rahmen eines Schulprojekts bei den Naturschützern einbringt. Dabei erhält er von den NABU-Vorständen Vorsitzender Ernst Stephan (2.v.re.), 2. Vorsitzender Bernd Mohr (Mitte) und Ehrenvorsitzender Gerhard Neureither viele Hintergrundinformationen zu Feldhecken. (Foto: Hofherr)

Infos im Internet:

www.NABU-Waldbrunn.de

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