Haselrute ersetzte pädagogisches Talent

Von der Schulstube zur Grundschule

von Liane Merkle

Die Grundschule Schloßau.

Schloßau. Unter dem Titel ,,Die schulische Entwicklung in Schloßau – von der Schulstube zur Grundschule“ erstellte der engagierte Heimatkundler sowie langjährige Lehrer und Rektor der Grundschule Schloßau, Ernst Hauk, ein wahres Mammutwerk. Als besonderes Geschenk wurde es sowohl seiner Nachfolgerin im Amt, Sophie Klopsch, als auch Thomas Müller als Archivar des Vereins Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach zur Verfügung gestellt.

Als Grund für dieses akribisch und mit viel Herzblut zusammengestellte Historienwerk nennt Ernst Hauk die Erhaltung der Heimatgeschichte und ein Entgegenwirken dem Vergessen mit dem ,,Untertitel“ wie es einmal war. Nicht unerwähnt wollte er dabei lassen, dass er bei der Aufarbeitung auf die Arbeit des profunden Heimathistorikers Bruno Trunk zurückgreifen konnte, der die Schloßauer Schulgeschichte bereits bis zum Jahre 1963 in seinem Heimatbuch beleuchtet hatte.

Anschaulich und informativ gegliedert ist das erweiterbare Werk in die schulische Entwicklung in Schloßau, Klassenfotos der Schüler von 1968 bis 2010, Lehrerfotos und –berichte ab 1973, das Schulleben mit Festen, Feiern, Veranstaltungen, Spendenübergaben und vieles mehr. Zur schulischen Historie im Mudauer Ortsteil Schloßau mit zeitgeschichtlicher Entwicklung ist zu lesen, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein die Schule als private Einrichtung der Gemeinde fungierte.


Ernst Hauk: ,,Entsprechend waren auch die Schulverhältnisse auf dem Lande, da die meisten Erwachsenen um diese Zeit kaum in der Lage waren, ihren Namen ordentlich zu schreiben“. Die Haselrute mit ausgiebigem Gebrauch ersetzte damals mangelndes pädagogisches Talent. ,,Wenn einer lesen, schreiben und laut singen konnte, außerdem noch eine große Stube im Hause hatte, dann konnte er sich auch um das Schulhalteramt bewerben“.

Den Schulunterricht, so ist in der Chronik zu lesen, gewöhnlich nur im Winter von Allerheiligen bis Ostern, erteilte meistens ein Handwerksmann aber manchmal auch ein Mesner. Im Jahre 1669 gab es eine Kirchenordnung für Kurmainz, nach der an jedem Sonntag um 1 Uhr in der Kirche für Kinder unter 14 Jahren Christenlehre abzuhalten sei.

Die Christenlehre des Seelsorgers mit dem Abhören und Erklären des Katechismus und dem Einüben kirchlicher Gesänge und Gebete sollte der Ersatz für einen regelmäßigen Unterricht sein. 1682 wurde durch eine Verordnung in Kurmainz die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Anzunehmen sei, so der Heimatkundler in seinen Ausführungen, die wir nur auszugsweise wiedergeben können, dass seit dem Ende des 17., spätestens seit Beginn des 18. Jahrhunderts, in Schloßau eine Schule bestand.

Als ältester urkundlich genannter Lehrer gilt Josef Oberniz, der im Jahre 1767 die Schule übernahm und 40 Jahre lang als Pädagoge fungierte. Für seinen Unterricht, der nur über die Winter währte, erhielt er damals 5 Malter, 6 Sester und 2 Metze Korn und Heidenkorn sowie von jedem Kind 20 Kreuzer Schulgeld. Hinzu kam noch freie Wohnung und mehrere Tage freie Beköstigung auf den einzelnen Höfen.


Das erste Schulhaus wurde in Schloßau im Jahre 1817-1818 gebaut. Im Jahre 1849 wurde eine Industrieschule eingerichtet und dafür die Witwe Barbara Weiß als Lehrerin eingestellt, da sie gut im Stricken und Nähen war. 1874 wurde der Plan gefasst, im Rathaus einen Lehrsaal zu errichten. Die Schülerzahl war inzwischen auf 145 angewachsen, wofür nur ein Lehrer zur Verfügung stand. Da dies als nicht geeignet angesehen wurde, entschloss man sich 1875 zum Bau eines neuen Schulhauses. Von 1874 an war in Schloßau neben dem Hauptlehrer noch ein Unterlehrer tätig. Seit 1953 bestanden schon Pläne zum Neubau eines Schulhauses, die in der Verwirklichung vier Lehrsäle, ein Lehrschwimmbecken und eine Turnhalle beinhalteten. Zum ersten Mal unterrichteten ab Ostern 1963 drei Lehrkräfte in Schloßau aufgrund der beträchtlich gestiegenen Schülerzahlen. Das Unterrichtsdeputat eines Lehrers betrug nach dem Kriege bis 1960 insgesamt 32 Wochenstunden, die nach 1960 auf 30 Stunden gesenkt wurden.

Ende April 1963 begannen der Erdaushub und die Erstellung der Grundmauern für ein neues Schulhaus als künftige Grundschule, das im Frühjahr 1965 zur Freude der Schüler, der Schulleitung mit drei Lehrern und der gesamten Gemeinde bezogen werden konnte. Es folgten der Bau des Turnhallentraktes und des Lehrschwimmbeckens mit Fertigstellung 1971/72. Die Gesamtbausumme betrug nach den Angaben von Ernst Hauk und des damaligen Bürgermeisters 1.530.000 Mark. Als weitere Eckpunkte im Verlauf der Schulchronik wird genannt, das Gesetz zur Vereinheitlichung des Schulwesens 1966, die Gemeindereform zu Beginn der 70er Jahre und die notwendigen Renovationen an und in den Gebäuden, der sich in den Jahren 2000 bis 2010 eine Generalsanierung anschloss. Einer drohenden Schließung der Schloßauer Schule konnte man bis heute erfolgreich entgegenwirken und somit den Spruch ,,Eine Schule gehört genauso zum Dorf wie ein Wirtshaus und eine Kirche“ verwirklichen.

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