Investoren verzichten auf zwei Standorte

Um den periodischen Schlagschatten zu reduzieren, werden sogenannte Schattenmodule installiert. Dies soll die Bewohner des Reisenbacher Grunds entlasten. (Grafik: Büro Fichtner)

Waldbrunn. Seinem Wahlversprechen, mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz zu schaffen, folgend, hatte Waldbrunns Bürgermeister Markus Haas am Donnerstag zu einer weiteren Bürgerversammlung zum Thema Windkraft bzw. Windpark Markgrafenwald in die Aula der Winterhauch-Schule geladen. Nur durch Transparenz, insbesondere bei solchen Großprojekten, schaffe man eine bürgernahe Kommune, so Haas. Bereits im März wurden die damaligen Planungen der Öffentlichkeit vorgestellt (wir berichteten).

Neben zahlreichen Bürgern aus Nachbargemeinden waren auch deren Gemeindeoberhäupter nach Waldbrunn gekommen. Stellvertretend begrüßte Markus Haas Bürgermeisterin Sabine Schweiger (Aglasterhausen), Bürgermeister Norman Link (Neckargerach) und Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger (Mudau).

Ein besonderer Willkommensgruß galt darüber hinaus Geschäftsführer Sebastian Damm (Bioenergieregion H-O-T) als Moderator sowie Roman Adler (IFK Mosbach), Fachbereichsleiter Axel Krahl vom Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis, Timo Basteck vom Planungsunternehmen Fichtner, Berthold Prinz von Baden und Dr. Leopold Prinz von Baden der „Windpark Markgrafenwald GbR“, Walter Simon vom Büro für Umweltplanung und Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter von der Abfallwirtschaftsgesellschaft AWN.

Nachdem zunächst Roman Adler von IFK und Axel Krahl vom Landratsamt die rechtlichen Rahmenbedingungen mit Regionalplan der Metropolregion und Flächennutzungsplan des Gemeindeverwaltungsverbands Neckargerach-Waldbrunn vor dem Hintergrund des neuen Landesplanungsgesetzes der grün-roten Landesregierung erläutert hatten, stellte Krahl das sogenannte Zielabweichungsverfahren vor. Ein solches Verfahren wird notwendig, um die geltenden Regelungen des aktuellen – noch nicht geänderten – Regionalplans außer Kraft zu setzen. Dabei prüft das Regierungspräsidium in Karlsruhe die Pläne. Als Antragstellen kommen Investor und Gemeinde in Frage. Der Waldbrunner Gemeinderat, der am 23. Juli zu diesem Thema tagt – muss zustimmen, damit anschließend eine Entscheidung innerhalb des Gemeindeverwaltungsverbands erfolgen kann.




Nachdem die Rahmenbedingungen abgesteckt waren, ging Timo Basteck vom Planungsbüro Fichtner auf das konkrete Vorhaben im Markgrafenwald bei Mülben ein. Nachdem man zu Beginn des Jahres noch 14 Anlagen vorgesehen hatte, verzichten die Investoren Berthold und Dr. Leopold Prinz von Baden auf zwei der Anlagen, die am nächsten an Mülben lagen. Bei den verbleibenden 12 Windkraftanlagen, von denen zehn auf Waldbrunner und zwei auf Eberbacher Gemarkung liegen, habe man darauf geachtet, einen Mindestabstand von 1.000 Metern zu Ortschaften einzuhalten. Windmessungen, die seit Oktober 2012 laufen haben laut Basteck eine Windgeschwindigkeit von 6,1m/s ergeben, sodass der geplante Windpark 70.000 Megawatt/h produzieren wird. Zum Einsatz kommen Windturbinen, die auf windschwache Gebiete ausgelegt sind. Bei einer Nabenhöhe von 140-150 Metern erreichen die Windkraftanlagen eine Gesamthöhe von bis zu 210 Metern. Weiter stellte Basteck die mögliche Lärmbelastung vor. Man habe in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde 19 Immissionsorte rund um den geplanten Windpark gewählt und dort vom TÜV Messungen vornehmen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass man durch das Windparklayout und die technischen Konfiguration sowohl tagsüber als auch nachts alle geforderten Grenzwerte einhalte. Auch Infraschall, der durchaus entstehe, sei kein Problem, liege dieser weit unter der Wahrnehmungsschwelle. Um die Beeinträchtigung durch Schattenwurf – insbesondere im Reisenbacher Grund zu minimieren, werden sechs Anlagen mit sogenannten Schattenmodulen ausgestattet, erläutert Planer Basteck. Der Anschluss ans Stromnetz der EnBW erfolgt über eine neun Kilometer lange Erdverkabelung, die von Mülben aus nach Oberdielbach führt. Abschließend ließ er die Zuhörer wissen, dass weitere Fachgutachten erstellt wurden, die danach von Walter Simon vorgestellt wurden. Außerdem wolle man zur regionalen Wertschöpfung beitragen und hierzu Bürger beteiligen, zahle Gewerbesteuer, schaffe bis zu zwei Arbeitsplätzen und beauftrage hiesige Firmen mit diversen Arbeiten. Außerdem leiste man hohe Ausgleichszahlungen für ökologische Maßnahmen in Waldbrunn, zeigte Timo Basteck am Ende seiner Ausführungen die Vorteile für die Winterhauchgemeinde auf.

Walter Simon vom Büro für Umweltplanung ging dann auf die Schäden für Flora, Fauna und Landschaftsbild ein. Für die entstehenden Schäden müsse der Investor Ausgleichsmaßnahmen finanzieren. Im Bereich „Boden“, entstehen erheblich Beeinträchtigungen, da je Windkraftanlage fünf Hektar Wald verloren gehen. Hierfür müssen 200.000 Ökopunkte angesetzt werden. Auch die Schwerpunkte „Pflanzen“ und „Tiere“ erfahren eine erhebliche Beeinträchtigung, die mit insgesamt 400.000 Punkten zu Buche schlagen. Durch Fachgutachten habe man festgestellt, dass im Bereich des geplanten Windparks Markgrafenwald 55 Vogel- und 15 Fledermausarten leben. Die meisten seien jedoch von den Anlagen kaum betroffen. Um Fledermäuse zu schützen wird laut Walter Simon ein sogenannter Abschaltalgorithmus installiert, der die Bewegung der geschützten Säuger misst und die Windräder entsprechend abschaltet.

Die Beeinträchtigungen des Landschaftsbilds visualisierte der Umweltplaner anhand diverser Simulationen. Dabei wurde deutlich, dass der Verzicht auf die Standorte 13 und 14 eine Entlastung für den Waldbrunner Ortsteil Mülben mit sich bringt. Die Sichtbarkeitsanalysen wurden darüber hinaus von Strümpfelbrunn, vom Höllgrund sowie in Verantwortung der Gemeinde Mudau von Reisenbach und vom Reisenbacher Grund aus erstellt. Lediglich vom Standort in Strümpfelbrunn aus werden alle Anlagen sichtbar sein.


Bevor Moderator Sebastian Damm die Frage- bzw. Diskussionsrunde eröffnete, stellte AWN-Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten dar. Durch eine finanzielle Bürgerbeteiligung erreiche man eine verbesserte Akzeptanz, zog Gintner nach seinen Erläuterungen ein Fazit.

Vonseiten der Zuhörer wurden anschließend verschiedene Befürchtungen laut. So wollte ein Bürger wissen, wer für in 20-25 Jahren oder bei einer Insolvenz den Rückbau finanziere. Hierfür werde eine Bürgschaft hinterlegt, sodass dies gewährleistet sei, so Planer Timo Basteck. Wer denn garantiere, dass es bei den nun anvisierten 12 Anlagen bleibe, brachte ein weiterer Zuhörer Befürchtungen vieler Anwesender zum Ausdruck. Berthold Prinz von Baden versprach, dass es bei den geplanten Anlagen bleibe. Er stamme aus der Region und wolle auch weiterhin in der Region leben, weshalb es ihm deshalb ein Anliegen sei, mit dem Projekt die Akzeptanz der Bürger zu erreichen. Außerdem ließe sich dies sicherlich in einem Vertrag mit der Gemeinde auch schriftlich fixieren. Auf eine konkrete Ausgleichsmaßnahme ließen sich die Podiumsteilnehmer im Rahmen der Veranstaltung nicht festlegen. Ein Zuhörer hatte zuvor angeregt, die Mülbener See zu einem Naturschutzgebiet aufzuwerten. Auch die Frage nach der Höhe der Investitionssumme wurde nicht beantwortet. In diesem Zusammenhang baten die Prinzen Berthold und Leopold jedoch um Verständnis. Man müsse dem Hersteller eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen, die es unmöglich mache, detailliert auf die Kosten einzugehen. Man werde einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren und wolle nicht nur Erbauer der Parks sein, sondern auch Betreiber bleiben, begegneten die Herren von Baden entsprechenden Nachfragen. Auch hierauf gab Berthold Prinz von Baden den Zuhörern sein Wort. Außerdem regte er auf die Nachfrage nach negativen Auswirkungen für den Tourismus angesprochen an, auch die Chancen eines solchen Windparks zu sehen. So sei es durchaus eine Möglichkeit, einen Energiepfad durch den Neckar-Odenwald-Kreis zu initiieren, der am Kernkraftwerk in Obrigheim beginne und auf den Spuren der Energiewende auch zum Windpark in Mülben führe.

Nachdem keine weiteren Fragen und Beiträge kamen dankte Bürgermeister Markus Haas allen Teilnehmern der Veranstaltung und verwies auf die Gemeinderatssitzung, die am 23. Juli 2013 im Rathaus in Strümpfelbrunn zum gleichen Thema stattfinden wird.


Die Windpark Markgrafenwald GbR verzichtet auf zwei Standorte, sodass noch 12 Windkraftanlagen errichtet werden sollen. Diese Anlagen produzieren den Jahresbedarf an Strom für 17.500 Haushalte. (Grafik: Büro für Umweltplanung)

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: