VfR Mannheim setzt Zeichen gegen Homophobie

Der Oberligist aus der Metropolregion gehört neben sechs Proficlubs und dem DFB zu den Erstunterzeichnern der „Berliner Erklärung“

Sven Wolf

Sven Wolf, schwuler Geschäftsführer des VfR Mannheim, gehört zu den Erstunterzeichnern der „Berliner Erklärung“. (Foto: pm)

Berlin. (pm) Homosexualität ist immer noch eines der großen Tabu-Themen im deutschen Fußball. Mit Unterstützung des DFB, der am Dienstag eine 26-seitige Broschüre „Fußball und Homosexualität“ veröffentlichte und unter der Leitung der „Bundesstiftung Magnus Hirschfeld“ wurde am vergangenen Mittwoch in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom die „Berliner Erklärung“ und die dahinter stehende Bildungsinitiative „Fußball für Vielfalt“ feierlich vorgestellt.

Die bekannte ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein führte durch die Veranstaltung und hatte das Gefühl, „dass wir hier heute etwas Historisches schaffen“. Das zeigte sich auch am Interesse der Medien an diesem Tag. Immerhin konnte man mit der „Sport Bild“ eine der renommiertesten Sportzeitungen des Landes als Partner gewinnen, die sich in ihrer aktuellen Ausgabe erstmals auch über zehn Seiten dem Thema „Homosexualität im Fußball“ widmete.

Nach der Eröffnungsrede von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, gleichzeitig Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, wurde sie unter Blitzlichtgewitter dann enthüllt: Die Berliner Erklärung! Neben der genannten Ministerin unterzeichneten diese auch Dr. Hans-Peter Friedrich (Bundesinnenminister), Dr. Kristina Schröder (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Ilse Ridder-Melchers (Vizepräsidentin Deutscher Olympischer Sportbund), Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident), Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern München), Klaus-Dieter Fischer (Präsident SV Werder Bremen), Martin Kind (Präsident Hannover 96), Thorsten Manske (Vizepräsident Hertha BSC), Dirk Zingler (Präsident 1. FC Union Berlin), Stefan Orth (Präsident FC St. Pauli), Christine Lüders (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes), Aletta Gräfin von Hardenberg (Geschäftsführerin Charta der Vielfalt), Jörg Litwinschuh (Geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld) sowie der Präsident des VfR Mannheim, Ralf Auer.




Dass neben Größen der deutschen Politik und des Sports auch der VfR Mannheim als einziger Amateurverein auf dieser Bühne ein Zeichen setzte, stieß in Berlin auf sehr gute Resonanz. Sven Wolf, Geschäftsführer des VfR Mannheim, war hierfür als Vertreter der Rasenspieler in die Hauptstadt gereist und stellte sich auf dem Podium in prominenter Runde den Fragen von Katrin Müller-Hohenstein. Er fand als einer der wenigen Redner auch kritische Worte. Vor allem der Hinweis auf die Unterschiede in der Problematik zwischen dem Profi- und dem Amateurbereich lag ihm dabei am Herzen, er wies jedoch auch kritisch auf kontraproduktive Aussagen hin, wie sie zum Beispiel der ehemalige Bundesligatrainer Christoph Daum vor einigen Jahren tätigte, in der er Homosexuelle mit Pädophilen gleichsetzte.

Wolf erhielt dafür großen Applaus aus dem Auditorium und wurde danach vor allem dazu befragt, wie der VfR Mannheim als Amateurclub zu den Erstunterzeichnern kam, da die „Bundesstiftung Magnus Hirschfeld“ eigentlich nur Erst- und Zweitligisten angeschrieben hatte.

Doch der Weg war dann doch ganz einfach. Nach einem Interview mit Wolf, in dem er auch über sein persönliches Coming Out berichtete, nahm Marcus Urban Kontakt zum VfR-Geschäftsführer auf. Urban, Mitgründer des Expertennetzwerkes „Fußball gegen Homophobie“ und selbst ehemaliger Profi von Rot-Weiß Erfurt, gilt als der erste deutsche Fußballer, der sich zumindest nach seiner Karriere öffentlich als schwul outete. Er ist Mitglied der DFB-Arbeitsgruppe „Outing“ und gehörte auch bei der „Berliner Erklärung“ zu den entscheidenden Initiatoren. Ende Mai lud er dann Wolf nach Berlin ein, vor allem, weil auch der Amateurfußball eine Stimme bei dieser wichtigen Veranstaltung haben sollte.

Ein weiterer Schritt im Kampf gegen Homophobie ist somit gemacht, letztendlich liegt es jedoch an jedem Einzelnen selbst, wie tolerant man mit diesem Thema umgeht und wie schnell man von Vorurteilen loslassen kann! Bis hin zur Akzeptanz oder gar einem Outing im deutschen Profifußball ist es aber sicherlich noch ein weiter Weg!

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