Flurbereinigung basiert auf Ideen der Bürger

Oberwittstadt. (pm) An sieben Abenden trafen sich zwischen Oktober 2010 und März 2011 in Oberwittstadt rund 200 Bürger und stellten, mit Plänen, Skizzen und Landkarten gewappnet, mental quasi ihr Dorf auf den Kopf. „Zukunftswerkstatt“ hieß das Ganze. Der Grund: 2014 steht eine Flurbereinigung an.

Die „Zukunftswerkstatt“ diente dem Gedankenaustausch weit im Vorfeld der Flurneuordnung. Kritik, Lob, Tadel – alles war erlaubt. Am Ende gingen rund 500 Vorschläge und Ideen ein. Sie werden zurzeit in einem Maßnahmenkatalog

gebündelt. Schnell hatten sich Schwerpunktthemen herauskristallisiert. Dazu zählt zum Beispiel die Verbesserung des Wohnumfelds.

Den Bürgern von Ober- und Unterwittstadt im idyllisch gelegenen Neckar-Odenwald-Kreis liegt am Herzen, dass Straßen und Wege saniert und Plätze neu gestaltet werden. Die Neuordnung von Grundstücken warf ebenso Fragen auf wie die künftige Nutzung innerörtlicher Flächen oder verbesserter Natur- und Landschaftsschutz, besonders die Realisierung eines Wildwegeplans.

Die Dörfer Ober- und Unterwittstadt gehören zur Stadt Ravenstein. Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt sollen in die Planungen der Flurbereinigung einfließen, die frühestens Ende des Jahres beginnt und auf einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren ausgelegt ist. Flurbereinigungen dienen der Neuordnung ländlichen Grundbesitzes. Sie werden ausschließlich behördlich geleitet und liegen in Trägerschaft der Grundstückseigentümer.




Flurbereinigungsverfahren sind aufwendig. Bevor es losgehen kann, müssen diverse Bedingungen erfüllt sein. Zum Beispiel müssen Grundstückswerte ermittelt und das Gelände vermessen werden. Und es muss ein Vorstand gewählt werden, der das Projekt vor Ort betreut und Ansprechpartner ist. In Ober- und Unterwittstadt ist das Ralf Killian. Er ist beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis beschäftigt. Flurbereinigungsverfahren werden beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung koordiniert. Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung ist die obere Vermessungs-, Flurbereinigungs- und Siedlungsbehörde für alle Landkreise im Südwesten.

Und dann muss selbstverständlich die Finanzierung stehen. Für die Maßnahme hat das Land Baden-Württemberg Ausführungskosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Die neu zu ordnende Fläche beträgt 210 Hektar. Die Zuschüsse dürften sich bei annähernd 1,4 Millionen Euro einpendeln. Der Eigenanteil der Stadt Ravenstein liegt bei 918.000 Euro.

Flurbereinigungen gelten als probates Mittel, die Entwicklung des ländlichen Raums auf der Höhe der Zeit zu halten. Profiteure sind neben der Land- und Forstwirtschaft die Weinbranche, Städte und Gemeinden, Kulturschaffende, der Arten-, Biotop- und Landschaftsschutz sowie der Wasser-, Boden- und Klimaschutz. Und nicht zuletzt tut eine Dorferneuerung auch dem Tourismus gut.

Die Flurneuordnungsverwaltung versucht ein ausgewogenes Konzept für Landwirte, Grundstückseigentümer, Verwaltung und Unternehmer anzubieten. Altes bewahren, ohne Neues zu verhindern – das ist dabei die Maxime.

Als beste Experten für die Entwicklung eines Dorfs werden die Bürger selbst gesehen. Das erklärt auch, weshalb sie frühzeitig in die Planungen eingebunden werden. Wünschenswert ist, dass sie sich nicht nur verbal einbringen, sondern aktiv zur gelungenen Runderneuerung der Dörfer, in denen sie leben und arbeiten, beitragen. Dies kann durch neue Fassaden- und Außengestaltung ihrer eigenen Häuser und Höfe, aber auch durch Mithilfe bei Gestaltungs- und Pflegemaßnahmen an öffentlichen Einrichtungen geschehen.

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