Keine Schwarzstorch-Horste im Markgrafenwald

Windgutachten ergeben bessere Bedingungen als gedacht

Schwarzstorch W

Ein Experte fand keine Schwarzstorch-Horste im Markgrafenwald und den angrenzenden Tälern.  (Foto: J. Patrick Fischer/Wikipedia/CC BY-SA 2.5)

Waldbrunn. Nur 30 Minuten dauerte die erste Gemeinderatssitzung des Jahres in Waldbrunn.

Nachdem das Gremium zwei Aufträge im Zusammenhang mit der Sanierung des Bürgerhauses in Schollbrunn vergeben worden waren, informierte Bürgermeister Markus Haas das Kommunalparlament und die Zuhörer über den aktuellen Planungsstand zum Windpark im Markgrafenwald.

Bei einem Vorort-Termin wurde von den Investoren anhand von zwei Gutachten erläutert, dass am Windmessmast, der seit sechs 13 Monaten im Markgrafenwald steht, Windgeschwindigkeiten von 6,5m/s ermittelt. Da es sich um Geschäftsgeheimnisse handelt, sollen die Daten nicht im Detail präsentiert werden, man suche aber nach Möglichkeiten, der Öffentlichkeit zumindest die Ergebnisse glaubhaft zu vermitteln, so das Gemeindeoberhaupt. Damit sollen Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit aufgrund schwachen Winds zerstreut werden.




Was das mögliche Vorkommen des geschützten Schwarzstorch betrifft, fand vor wenigen Tagen eine Begehung des Gebiets durch Carsten Rohde,  den bekanntesten  Schwarzstorch-Experten Deutschlands statt. Der „Schwarzstorch-Papst“, so Bürgermeister Markus Haas, untersuchte zum einen die vom zuständigen Ingenieurbüro Walter Simon genannten potenzielle Horste, nahm aber auch die von den Windparkgegnern in der Initiative Hoher Odenwald (IHO) entdeckte Horste in Augenschein. Mittels Steigeisen bestieg Rohde die Bäume, konnte aber laut Haas kein Schwarzstorch-Vorkommen feststellen.

Abschließend teilte das Gemeindeoberhaupt mit, dass eine Windkraftanlage eventuell um bis zu 20 Meter verschoben werden muss, um dann den Sicherheitsabstand aus flugrechtlicher Sicht einzuhalten.

Nach der Annahme von Spenden für die Tombola beim Weihnachtlichen Dorffest in Strümpfelbrunn und die Winterhauch-Schule sowie der Verlesung von diversen Protokollen, schloss Bürgermeister Markus Haas die rekordverdächtig kurze Gemeinderatssitzung.

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6 Kommentare

  1. Der im katzenpfad/NOKzeit gewählte Titel “Keine Schwarzstorch-Horste im Markgrafenwald” ist irreführend und gibt den Faktenstand falsch wieder. Tatsache ist, dass die bisher gefundenen Horste in Markgrafenwald und Umgebung von einem ausgewiesenen Schwarzstorch-Experten nicht als diesem Großvogel zugehörig eingeordnet wurden. Diese Begutachtung ist aufgrund des angesehenen Status von C. Rohde anzuerkennen. Tatsache ist jedoch auch, dass bisher keineswegs das komplette relevante Gebiet, nämlich drei Kilometer Radius um alle zwölf projektierten Windkraftanlagen-Standorte, abgesucht worden wäre, also längst nicht alle als Brutstätten für den Schwarzstorch in Frage kommenden Nischen. Dieses Defizit lässt sich leicht belegen und wird sicherlich auch von der Unteren Naturschutzbehörde auf Anfrage genau so bestätigt.

    Das heißt, man konnte bislang lediglich eine Auswahl von Großhorsten begutachten, nicht mehr und nicht weniger. Nun ist es so, dass die Hinweise auf Schwarzstorch-Brut im betreffenden Gebiet sehr groß sind (etliche entsprechende Flugbeobachtungen seit über drei Jahren), aber offensichtlich der dazu gehörige Schwarzstorch-Horst (oder die Horste) noch nicht gefunden wurde. Wer selbst im Gelände schon einmal gesucht hat, weiß sehr gut, wie schwierig und fast unwahrscheinlich der Erfolg ist, trotz signifikanter Hinweise auf ein Brut-Habitat. Um das Suchen der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen methodisch zu professionalisieren, ist dringend eine Schwarzstorch-Raumnutzungsanalyse zu fordern, die wieder von dem bereits beauftragten Experten durchgeführt werden kann, und zwar ab Ende März, wenn die Schwarzstörche in Höllbachtal, Reisenbacher Tal usw. zurückkehren. – Mehr dazu in unserer bereits vor drei Tagen eingepflegten Stellungnahme: http://www.hoher-odenwald.de/schwarzstorchland-brutnachweis-durch-methodenstandards/

    Am genannten Messwert sind vor allem zwei Dinge in Frage zu stellen (gemäß Artikel im katzenpfad, in dem es heißt: “Termin wurde von den Investoren anhand von zwei Gutachten erläutert, dass am Windmessmast, der seit sechs Monaten im Markgrafenwald steht, Windgeschwindigkeiten von 6,5m/s ermittelt.”): Dieser Wert von 6,5 m/s geht demnach offenbar auf ein halbes Jahr Messdauer zurück. Standard ist aber eine Messperiode von mind. einem ganzen Jahr. Die statistische Übergewichtung der windreichen Herbst- und Wintermonate kann den realen (Jahres-)Durchschnittswert erheblich anheben. Des Weiteren, wie mehrfach erwähnt, reicht nur eine Messung für das große Gelände nach Einschätzung von unabhängigen Fachleuten nicht aus; mindestens sollte an zwei, besser drei Standorten gemessen werden, da Rauigkeit und Relief usw. hier mit Sicherheit zu Abweichungen führen.

    • Ich musste den Artikel dahingehen korrigieren, dass die 6,5m/s in 13 Monaten gemessen wurden.
      Die ersten Schätzungen und Daten lagen nach sechs Monaten vor und bewegten sich bei 6,2m/s.
      Wie sich somit zeigt, ist der Wind somit noch rentabler als ursprünglich angenommen.

      Leider ist es nicht immer ganz einfach, alle Sachverhalte, die in solch einer Sitzung erwähnt werden komplett zu erfassen.
      Dass es dabei ab und an zu Fehlern kommt tut mir Leid, lässt sich aber nicht vermeiden.

      Entschuldigung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jürgen Hofherr

  2. Ui! Jetzt müssen sich Herr Hahl und seine Mitstreiter eine neue Geisel suchen um zu verhindern dass Windräder ihre Aussicht verstellen.

  3. Nee, Frau Sabinchen, erst mal muss die Begutachtung methodisch weiter bearbeitet werden, denn bislang hat lediglich einige Zufallshorstfunde einschätzen können, nicht mehr und nicht weniger. Danke aber auch für Ihre Beleidigung – und freut mich, dass Sie so viel über fremde Menschen wissen, um deren Beweggründe beurteilen zu können.

  4. An vielen Standorten werden Windräder abgelehnt aus verschiedenen Naturschutzgründen. Das führt in der Summe zu einer verzögerten und geringeren Nutzung der Windkraft und das wiederum zu einer längeren Nutzung von Kohlestrom. Dies führt, neben vielen anderen negativen Begleiterscheinungen für die Natur, zu mehr CO2, dieses zu einem stärkeren Klimawandel. Je stärker der Klimawandel, umso schlechter kann sich die Natur weltweit darauf einstellen, umso mehr Artensterben wird es geben.

    Echter Naturschutz ist also etwas komplexer als lokale Einzelmaßnahmen, deren Motive zudem zweifelhaft sind. Aber in manch tiefen Tälern des Odenwalds hat man leider nur einen kleinen Horizont, das meine ich natürlich rein geographisch!

    Übrigens wird es mit hoher Sicherheit eine Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke geben, da die Energiewende bis 2020 nicht gelingen wird beim bisherigen Tempo von Ausbau, Netzen und Speichern. Die Risiken des Betriebs und Mülls müssen beim Naturschutz auch eingerechnet werden.

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