Verlorene Heimat und Flucht

(Symbolfoto: Pixabay)

Bildvortrag eines geflüchteten jungen Mannes aus Syrien

Waldbrunn. Cafe „Cultura“ im evangelischen Gemeindehaus Strümpfelbrunn ist ein Ort der regelmäßigen Begegnung und des kulturellen Austauschs mit den in Waldbrunn lebenden geflüchteten Menschen und den Einheimischen. Vor kurzem berichtete dort A. Musa in einem Bildervortrag über seine Heimat Syrien und seine Flucht nach Deutschland.

Mittels Filmen, die vor dem Krieg entstanden waren, zeigte er malerische Städte, in denen durch eine Jahrtausende alte Kultur ein gutes und friedliches Miteinander möglich war. Syrien gelte als die kulturelle Wiege der Menschheit. Hier seien die Menschen vor 10.000 Jahren erstmals sesshaft geworden und betrieben als erste Ackerbau und Viehzucht. In Syrien seien viele fruchtbare Gebiete zu finden. Durch das Wasser des Euphrat und aufgrund der vielen Ölquellen und anderer Bodenschätze sei das Land eigentlich reich. Auch hätten verschiedene Kulturen und Religionen hier ihren Ursprung.

In eindrucksvollen Bildern, die damals über Facebook öffentlich gemacht worden waren, zeigte A. Musa die anfangs friedlichen Proteste gegen die korrupte Politik Assads – und wie dieser mit Maschinengewehren und Bomben auf die eigene Bevölkerung reagierte. Besonders die Kinder hätten darunter leiden müssen.

Gemeinsam mit elf anderen Menschen aus seinem Wohnviertel sei er 2015 aus dem zerstörten und bedrängten Aleppo, seiner geliebten Heimat, geflohen und habe sich auf den Weg über die Türkei, Griechenland, Slowenien und Österreich nach Deutschland gemacht.

Mit Bildern, die er auf der Flucht mit seinem Handy gemacht hatte, zeigte er die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer in überfüllten Schlauchbooten, tagelange Wanderungen, bei denen er seine Schuhe durchgelaufen habe, Grenzzäune, durch die sich verzweifelte Flüchtlinge durchzwängten und dabei oftmals verhaftet worden seien. Schließlich die Ankunft in Deutschland, wo er über viele Stationen mit drei seiner Weggefährten in Waldbrunn gelandet sei.

Seine Brüder seien inzwischen verstreut in mehreren anderen Ländern untergekommen. Seine Eltern harrten weit weg von Aleppo in einem kleinen Ort aus. Zu ihnen und seinen Geschwistern hielte er immer noch Kontakt und sei in Gedanken immer noch bei ihnen. Sein Traum wäre es, seine Familie irgendwann wieder in einem friedlichen Syrien treffen zu können.

Im voll besetzten Saal des evangelischen Gemeindehauses bedankte sich A. Musa bei den Anwesenden, die ihm in Waldbrunn so freundlich geholfen hätten, sodass er jetzt seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker machen könne. Inzwischen habe er, wie einige seiner Freunde, eine Wohnung gefunden und sei dankbar für die vielen positiven Erfahrungen mit seinen Mitmenschen hier.

Sabine Beushausen und Ruth Gross bedankten sich bei A. Musa und dessen Freund im Namen der teils sehr betroffenen Zuhörer für die persönliche Darstellung seines in den letzten Jahren von unmenschlichen kriegerischen Auseinandersetzungen beherrschten Heimatlandes Syrien und der damit verbundenen Flucht.

© www.NOKZEIT.de


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