Filmemacher beleuchtet Ost-West-Beziehung

Filmemacher Jürgen Dettling im Gespräch mit Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig. (Foto: Liane Merkle)

Jürgen Dettling filmt dort, wo die Menschen sind

Seckach. (lm) Jürgen Dettling sieht sich als neutraler Beobachter, und in dieser Funktion sammelt der Filmemacher aus Waldkirch (Kreis Emmendingen) schon seit einigen Wochen Material zum Thema „30 Jahre Wiedervereinigung: eine Standortbestimmung am Beispiel der Partnerstädte Seckach und Reichenbach“.

Er greift damit eine hoch-aktuelle Thematik auf und beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie die Annäherung von „West“ und „Ost“ noch weiter gefördert werden kann.

Sicher zählt der Fall der Berliner Mauer und damit die Wiedervereinigung Deutschlands zu den „geschichtlichen Glücksfällen“, vor allem im Zusammenhang mit dem europäischen Einigungsprozess, mit Frieden in Freiheit, mit offenen Grenzen, mit einer einheitlichen Währung und mit einem stetig wachsenden Wohlstand.

Doch auch nach 30 Jahren gibt es noch Ossis und Wessis und das echte Zusammenwachsen zeigt noch immer deutliche Defizite mit wenigen Ausnahmen. Und zu diesen Ausnahmen gehören die Gemeinde Seckach im Bauland und die Stadt Reichenbach in der Oberlausitz.

Deren am 12. Oktober 1990 besiegelte Städtepartnerschaft ist bis heute so lebendig, dass sie Tausende von Menschen aus Ost und West in Freundschaft zusammengebracht hat.

Jürgen Dettling hatte sich gute zwei Wochen in Reichenbach umgeschaut, sich mit Bürgermeisterin Carina Dittrich ebenso ausgiebig unterhalten wie mit den Reichenbachern in den Vereinen und am Stammtisch. Und das gleiche Pro cedere hat er am Seckacher Straßenfest auch mit Bürgermeister Thomas Ludwig begonnen und wird es in den verschiedenen Vereinen noch fortsetzen.

Es geht ihm um das soziale Leben der Menschen, ihre Verwurzelung in der jeweiligen Heimat. Was verbindet uns, was trennt uns (noch)? Was macht uns zufrieden, was wollen wir anders haben? Was können wir selbst tun, welche Forderungen haben wir an die Politik? Wo wollen wir, wo sollen unsere Städte und Regionen in 10, 20 Jahren stehen? Wo ist unser Platz in einem zusammenwachsenden demokratischen Europa? Was können wir tun, um die Grenze zwischen Ost und West, die noch in vielen Köpfen existiert, Stück für Stück endgültig verschwinden zu lassen? Was sind die wichtigsten Werte – im Alltag, im Grundgesetz, in der Politik? Wie bewältigen wir rasante Entwicklungen in einem Einwanderungsland mitten in Europa? Woher kommt der krasse Unterschied der AfD-Wahlergebnisse in Ost und West? Fragen gibt es viele.

Beispielsweise über das Ortsteilezudenken, das auch 47 Jahre nach der Gemeindereform – heute meist humorvoll – noch kursiert.

Thomas Ludwig blieb keine Antwort schuldig, ob zur Klinge als Teil von Seckach, jedoch als Kinderdorf selbst verwaltet, oder zur Land- und Forstwirtschaft, durch die die Baulandgemeinde stark geprägt ist.

Ludwig machte deutlich, dass der Verbraucher mit „seinen Füßen“ entscheidet, ob die heimische Landwirtschaft überleben kann. „Es kommt darauf an, wo er einkaufen geht!“

Jürgen Dettling filmt dort, wo die Menschen sind: in Vereinen, auf Plätzen, bei Veranstaltungen und Treffpunkten, Festen, Stammtischen, Kirchen, Schulen und ähnliches. Und am eben auf dem Straßenfest im Kinder- und Jugenddorf Klinge. Er ist als Dokumentarfilmer aus eigenem Interesse und freien Stücken unterwegs, aber nicht im Auftrag eines Fernsehsenders, einer Stiftung, einer Interessensgruppe. Und von der Oberlausitz war er so begeistert, dass er sogar beabsichtigt, dort hin zu ziehen.

Sein Film über Reichenbach und Seckach und die Menschen in beiden Kommunen beabsichtigt, einen kleinen Anstoß zur Annäherung und zum gegenseitigen Verständnis der Bürger in den „alten“ und in den „neuen“ Bundesländern zu geben. Er soll spätestens Ende 2019 fertig sein und möglichst weit verbreitet werden.

Öffentliche Premieren in Seckach und Reichenbach könnten den Anfang machen.

Aufnahmen bei der Eröffnung des Straßenfest in der Klinge. (Foto: Liane Merkle)

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